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Donnerstag, 21. Februar 2019

Sicherheit

Hightech zur Terrorabwehr

Von Barbara Odrich | 8. Februar 2018 | Ausgabe 06

Die Südkoreaner haben geprobt, geplant, technisch und organisatorisch aufgerüstet: Die Olympischen Spiele sollen in „vollkommener Sicherheit“ stattfinden.

S21 Olympia Sicherheit (2)
Foto: Chung-Sung-Jun/Getty Images

Sicherheit wird in Pyeongchang großgeschrieben. Militär und Polizei konzentrieren sich auf luft- und fahrzeuggestützte Angriffe sowie Cyberattacken.

Wenn am 9. Februar offiziell die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang beginnen, stehen mehr als 10 000 Polizisten – darunter Hunderte in Spezialeinsatzkommandos – und 5000 Soldaten, gestützt von einem Höchstmaß an Spitzentechnik, bereit. Sie sollen die Sicherheit der Winterspiele garantieren. „Der Erfolg der Spiele liegt in der Verhinderung jeglicher terroristischer Bedrohung“, erklärt Kim Gyo-tae, Leiter der Polizei-Taskforce für Pyeongchang 2018.

Die Frage der Sicherheit stellt das Gastgeberland Südkorea vor ausgesprochen schwierige logistische Herausforderungen. Hinzu kommt die besondere geografische Lage, aber auch die Historie des geteilten Landes. Pyeongchang liegt nur 80 km südlich der demilitarisierten Zone, die den diktatorischen Norden vom Süden trennt.

Foto: VDI nachrichten

Nord- und Südkorea befinden sich formal noch im Kriegszustand. Ein Friedensvertrag kam nie zustande. Auch wenn sich die heftigen politischen Spannungen zwischen beiden koreanischen Staaten durch die unerwartete angekündigte Teilnahme der Nordkoreaner an den Winterspielen leicht gelockert haben, tun sich für das Gastgeberland sicherheitstechnisch fast noch mehr Probleme auf. Dabei geht es um Fragen zur sicheren Unterbringung der 500 Mitglieder zählenden nordkoreanischen Delegation sowie um den Transport und die Überwachung der Sportler und begleitender „Jubelgruppen“.

Zusätzlich fürchtet Südkorea mögliche Störungen seiner Datenkommunikation, beispielsweise durch China. Dort wird der Datenverkehr des demokratischen Südens ohnehin ständig überwacht und analysiert.

Lee Hee Beon, Vorsitzender des Organisationskomitees, gibt sich dennoch zuversichtlich: „Die Olympischen Spiele werden in vollkommener Sicherheit stattfinden.“ In mehreren Antiterrorübungen haben die Südkoreaner bereits eine Vielzahl von Gefahrenszenarien durchgespielt: von der Verhinderung eines Bombenangriffs vor dem Olympiastadion durch eine Drohne über die Beendigung einer simulierten Geiselnahme bis hin zur Entschärfung von chemischen Waffen.

In den letzten Tagen begannen die koreanischen Behörden mithilfe des Militärs, der Polizei und der Feuerwehr intensive Sicherheits-Checks der Anlagen, einschließlich des Stadions, des Olympischen Dorfs und des Pressezentrums. Wie von der Polizei zu hören ist, konzentriert man sich vor allem auf Maßnahmen gegen luft- und fahrzeuggestützte Angriffe sowie Cyberattacken.

An technischen Neuheiten wird es bei der Überwachung der Winterspiele nicht fehlen. „Spitzentechnologien aus Südkorea werden eine wichtige Rolle bei den Winterspielen spielen“, erklärt Lee Hee Beon, Chef des Organisationskomitees in Seoul. So werden insgesamt 85 Roboter zum Einsatz kommen, darunter auch solche, die dafür sorgen, dass Fahrzeuge, die Wege versperren oder als Gefahr eingestuft werden, ohne Risiko für die Sicherheitskräfte entfernt werden können. Auch kleinere Überwachungsroboter, die vom Korea Advanced Institute of Science and Technology entwickelt wurden, sind dabei.

Die Streifenwagen der koreanischen Polizei sind zudem mit neuester Überwachungstechnik gerüstet. Die Fahrzeuge sind vollgestopft mit Kameras und Sensoren. Sie sollen nach Angaben von Sicherheitsexperten neben der automatisierten Nummernschilder- auch Gesichtserkennung ermöglichen. In Sekundenschnelle ließen sich Fotos von Verdächtigen in die zentrale Datenbank der Polizei hochladen.

Die Smartphones der Polizei dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einschlägiger Software aus Israel ausgerüstet sein. Sie beherrschen das Scannen und Erkennen von Nummernschildern und Fingerabdrücken. Damit soll die Suche nach vermissten Kindern ebenso unterstützt werden wie die nach Informationen über Tatverdächtige und zur Gefahrenabwehr.

Schon vor den Winterspielen wurden die Sicherheitsmaßnahmen in allen großen Seehäfen und Flughäfen des Landes deutlich verschärft. Eine Flugverbotszone mit einem Radius von 4 km bis 5 km und bis 1200 m Höhe soll rund um Pyeongchang eingerichtet werden. „Grundsätzlich wollen wir keine Drohnen während der Spiele“, erläutert Sicherheitsexperte Kim Gyo-tae. Dafür wurden Geräte entwickelt, die die Bordelektronik der Flugobjekte ausschalten können.

Berittene Polizei soll friedliche Menschenmassen kontrollieren, während schnelle Eingreifeinheiten auf Skiern und mit Schneemobilen in den Bergen eingesetzt werden. Die Austragungsstätten selbst sind mit diversen Checkpoints nebst Röntgenkontrollen ausgestattet, wo sowohl Fahrzeuge als auch Fußgänger kontrolliert werden sollen.

Der Verkehrsfluss rund um die Spiele im teils stark zerklüfteten Terrain der Provinz Gangwon wird dafür über insgesamt 39 Knotenpunkte geleitet. Nach Aussagen der Veranstalter ist die Verkehrskontrolle von besonderer Bedeutung, weil das chinesische Neujahrsfest, das auch in Korea gefeiert wird, mitten in die Zeit der Olympischen Spiele fällt und die Straßen dann immer besonders überlastet sind.