Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Dienstag, 23. Januar 2018

Kooperation

Im Team zu neuen Zielen

Von Matilda Jordanova-Duda | 19. Oktober 2017 | Ausgabe 42

Gründer brauchen Kapital, Kunden und Reputation. Etablierte Firmen suchen Zugang zu innovativen Technologien. Vieles spricht für eine Zusammenarbeit – aber nicht jede verläuft glatt.

BU Kooperationen
Foto: panthermedia.net / Valeriy Kachaev

Da entlang! Junge Unternehmen haben technologische Trends im Blick. Zum Ziel kommen sie aber oft nur, wenn etablierte Firmen sie mit Know-how und Kapital unterstützen.

Vernetzte Module, flexibel kombiniert, sollen die Automatisierung auch für kleine Stückzahlen rentabel machen. Die Karlsruher Hochschulausgründung Robodev entwickelte den Baukasten, der ein großes Spektrum von Sensoren, Aktoren, Bilddatenauswertung und Leichtbaurobotern beinhaltet. Anstelle starrer Anlagen mit vorgegebenen Abläufen soll so ein System treten, das betriebsintern innerhalb von Stunden zu konfigurieren ist. Um die Entwicklung zu finanzieren, suchte die 2016 gegründete Firma nach Kapital – und fand es bei Staufen.Digital Invest (SDI). Damit ist Robodev Teil eines „kleinen, wohlsortierten Portfolios“ von Start-ups, welche die Industrie 4.0 vorantreiben sollen, so Mitgründer Andreas Bihlmaier. SDI gehört zur mittelständischen Unternehmensberatung Staufen AG.

„Es gab auch Investitionsgespräche mit Konzernen“, so der Gründer. „Letztlich aber hat uns bei SDI das Gesamtpaket aus Investition, Branchen-Know-how und Kontakten bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von unvorhersehbaren Entscheidungen einer Großkonzernpolitik überzeugt.“ Dem erfahrenen Partner verdankt Robodev den Zugang zur Industrie, aber auch das Wissen, wie man potenzielle Interessenten richtig einschätzt und das eigene Produkt anpasst.

Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen reichen von einem lockeren Informationsaustausch über das gemeinsame Nutzen betrieblicher Ressourcen und gemeinsamer Projektentwicklung bis hin zu Beteiligung oder kompletter Übernahme. Je größer der Seniorpartner, desto eher bevorzugt er Investitionsmodelle, so das Institut für Mittelstandsforschung (IfM). Kleineren Unternehmen fehle für Investments oft das Geld.

Der Hightechgründerfonds als größter Risikokapitalgeber Europas für die Frühphase hatte in seiner Anfangszeit nur eine Handvoll privater Investoren. Heute, zwölf Jahre später, liest sich die Liste wie ein „Who is who“ der deutschen Wirtschaft: DAX-Konzerne, große Familienunternehmen, aber auch relativ kleine Firmen wie die Schufa. Die rund 30 Privatinvestoren steuern über 30 % des Fondsvolumens bei. Rendite sei dabei nicht der wichtigste Gedanke, sagt HTGF-Chef Michael Brandkamp. „Es gibt eine große Aufgeschlossenheit seitens des gestandenen Mittelstands und der Großunternehmen, weil sie sich Sorgen machen, abgehängt zu werden.“

Die Pharmaindustrie kaufe nach seiner Beobachtung regelmäßig Arzneimittelprojekte zu, weil die eigene Forschung zu teuer sei. Die Start-ups entwickelten die Wirkstoffkandidaten, die Großen stiegen ein, wenn umfangreiche klinische Studien gemacht und die Medikamente vermarktet werden sollen. „Jeder tut, was er am Besten kann“, bekräftigt Andreas Jenne, Gründer des Biotech-Start-ups PreOmics.

Den HTGF sehen die Investoren laut Brandkamp als eine Art TÜV an, denn die technologischen Sprünge seien oft gewaltig. Chemiekonzern Evonik hat sich z. B. beim HTGF-Zögling Numaferm eingekauft. Das Spin-off der Uni Düsseldorf ist erst wenige Monate alt und will Peptide mithilfe von Biotechnologie herstellen. Es verspricht höhere Ausbeuten zu geringeren Kosten: „Peptide und ihre Anwendungen sind hoch interessant für unsere Wachstumskerne Health&Care und Specialty Additives“, so Bernhard Mohr, Leiter Venture Capital bei Evonik.

Von der Zusammenarbeit versprechen sich die Etablierten nicht nur innovative Technologie, sondern auch neue Geschäftsmodelle. Beispiel: Waschmittelproduzent Henkel hat sich an der mobilen Wäscherei ZipJet beteiligt. Und Daimler hat sich bei Flinc eingekauft, einem Darmstädter Vermittler von Tür-zu-Tür-Mitfahrgelegenheiten. Flinc soll „wertvolle Erfahrungen im Bereich Mitfahren auf Kurzstrecken einbringen“, so Jörg Lamparter, der alle Mobilitätsdienste des Konzerns verantwortet.

Aber nicht jedem ist ein starker Partner willkommen. „Ich halte nicht viel von Corporate Venture Capital“, sagt etwa Jochen Schwill von Next Kraftwerke. Das junge Unternehmen bündelt einige Tausend kleinere Ökostromproduzenten und -verbraucher. „In der frühen Phase ist es keine gute Idee, sich an einen Großinvestor zu klammern. Denn dann darf ich vielleicht nicht an den Konkurrenten verkaufen.“ Besser seien homöopathische Kapitalspritzen. „Wir profitieren von den Kontakten, behalten jedoch unsere Unabhängigkeit und Flexibilität.“

„Jeder kennt abschreckende Geschichten von Start-ups, die komplett vereinnahmt wurden oder, noch schlimmer, verhungert sind, weil das große Unternehmen weder selbst übernehmen wollte noch es dem Konkurrenten erlaubte“, zitiert das IfM einen Gründer. Das Institut empfiehlt, zunächst die Rahmenbedingungen abzustecken: Dazu gehörten ein Projektbudget, der Zeithorizont, die Prämissen und Regeln sowie – ein besonders unbeliebtes Thema – klare Exitstrategien. Bei der Anbahnung von Kooperationen habe der Mittelstand übrigens einen Vorteil gegenüber Konzernen: Hier treffen Gründer auf Inhaber. Beide Seiten seien Unternehmerpersönlichkeiten und fänden dadurch oft eine gemeinsame Sprache und kurze Entscheidungswege. 

stellenangebote

mehr