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Samstag, 16. Februar 2019

Stromversorgung

Immer am Wind

Von Ralf Köpke | 20. September 2018 | Ausgabe 38

Die deutschen Offshore-Windparks laufen nachweislich sehr stabil.

w - Offshore Leistung BU
Foto: reuters/Phil Noble

Offshore-Windkraftwerke können eine relativ hohe Volllast-Stundenzahl erreichen. Windbedingungen, Anlagentechnik sowie Wartungskonzepte spielen dabei eine Rolle.

Seit ein paar Jahren treffen sich Vertreter der deutschen Offshore-Windbranche in trauter Runde auf Helgoland. Keine schlechter Ort, denn die Hochseeinsel hat sich längst als Servicestützpunkt für mehrere vor dem Eiland errichtete Offshore-Windparks etabliert.

Volllaststunden von Offshore-Windkraft

Die Preisverleihung an das „Beste Offshore-Windkraftwerk in Betrieb“ aus dem Vorjahr ist immer das i-Tüpfelchen der Zusammenkunft. Maßgeblich für die Preisvergabe sind die „Key Performance Indicators“, Kriterien aus den Bereichen Techniken, Betriebswirtschaft und Arbeitssicherheit. Für 2017 entschieden sich die Juroren für die Nordsee-Windfarm DanTysk. Das 288-MW-Kraftwerk rund 70 km westlich vor Sylt betreiben der Vattenfall-Konzern und die Stadtwerke München gemeinsam seit 2015.

Bruno Burger, Gruppenleiter Energiedaten und strategische Entwicklung beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), hätte DanTysk sicherlich auch für das vergangene Jahr eine Auszeichnung verleihen können. Der Solarforscher ist Vater der Energiedatenplattform „Energy Charts“, die online Transparenz über die regenerative Stromeinspeisung in Deutschland im Stundenrhythmus schafft. 

Dank dieses Pools ist für jedermann nachlesbar, dass der prozentuale Volllastanteil von DanTysk im Jahr 2017 bei 50,4 % lag. Umgerechnet sind das 4415 Volllaststunden – keine andere Hochseewindfarm in deutschen Gewässern hatte im letzten Jahr eine höhere Quote erreicht.

„Das ist schon ein Superwert“, kommentiert Burger die Zahl. Vor gut einem Jahrzehnt hatten viele Energieexperten meist mit 3500 bis zu 4000 Volllaststunden für die deutschen Offshore-Windparks gerechnet.

2016 war für die Betreiber von DanTysk ein noch besseres Jahr gewesen, da die 80 Windturbinen der 3,6-MW-Klasse zusammen sogar auf über 4700 Volllaststunden kamen. Bei Burgers Ranking hatte in diesem Jahr bis Anfang September das Projekt Sandbank, ein weiteres Joint Venture von Vattenfall und den Stadtwerken München, die Nase bei den Volllaststunden vorne gehabt – knapp dahinter wieder DanTysk.

Dank seiner Datenanalysen ist Burger dabei, mit einigen gängigen Vorurteilen aufzuräumen. Eines davon lautet, dass in der Ostsee weniger Wind weht als in der Nordsee: „Mit über 4260 Volllaststunden haben die Projekte Baltic 1 und Baltic 2 die zweitbeste Quote im vergangenen Jahr erreicht.“ Damit konnten die beiden Kraftwerke der Energie Baden-Württemberg Offshore-Windparks in der Nordsee wie Amrumbank West oder Nordsee Ost deutlich hinter sich lassen.

Anhand der Energy Charts lassen sich auch Aussagen über die Zuverlässigkeit der eingesetzten Windturbinen treffen. Bei DanTysk, Sandbank und auch den beiden Baltic-Projekten sind jeweils Siemens-Anlagen (heute Siemens Gamesa Renewable Energy) in Betrieb. „Wie es aussieht, hat sich die Siemens-Technik bewährt“, sagt Bruno Burger, der auf einen weiteren Umstand hinweist: „Wenn Siemens auch die Netzanbindung geliefert hat, macht sich das positiv bei den Volllaststunden bemerkbar.“

Von der Performance der Siemens-Windturbinen in Nord- und Ostsee ist auch Kurt Rohrig angetan. „Die Anlagen laufen sehr stabil“, sagt der wissenschaftliche Programmdirektor und stellvertretende Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE). Ohnehin hätten sich fast alle eingesetzten Anlagentypen auf See bewährt. Die große Ausnahme: In den ersten Betriebsjahren blieben die Bard-Anlagen beim Projekt Bard Offshore 1 wegen der Probleme bei der Netzanbindung weit unter den prognostizierten Ertragswerten.

Nicht nur die Anlagentechnik unter der Gondel trägt laut Rohrig zu möglichst hohen Volllaststunden bei: „Wichtig ist auch ein intelligentes Wartungs- und Servicekonzept, um die Ausfallquote so gering wie möglich zu halten.“ Die Betreiber vom jüngst ausgezeichneten DanTysk-Projekt sind da ihren eigenen Weg gegangen. Seit Sommer 2016 haben sie direkt im Offshore-Windpark eine Wohnplattform mit Platz für bis zu 50 Servicetechniker verankert – Garant für kurze Wege und schnelle Reaktionszeiten für Wartungen und bei Schäden.

Für Andreas Wagner sind die von ISE-Professor Burger zusammengestellten Volllaststunden für Offshore-Windparks keine Überraschung. „Wir haben immer gesagt, dass die Windkraft auf See einen wichtigen Beitrag zur heimischen Energieversorgung leisten kann“, betont der Geschäftsführer der Stiftung Offshore-Windenergie.