Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Samstag, 17. Februar 2018

Mobilfunk

Mit 5G-Techniken auf Medaillenkurs

Von Regine Bönsch | 8. Februar 2018 | Ausgabe 06

Die Koreaner wollen der Welt zu diesen Olympischen Spielen erste Anwendungen der fünften Mobilfunkgeneration zeigen.

5G (2)
Foto: KT

Die Techniker von KT (Korea Telecom) waren schon im Herbst stolz. Erstmals gelang es ihnen, über 5G Bilder mit Geschwindigkeiten über 3 Gbit/s auf ein spezielles Tablet zu übertragen.

Ein Werbespot in Südkorea geht so: „Nathan Chen, der 18-jährige Eiskunstläufer aus den USA, hat mal wieder einen neuen Vierfachsprung gewagt. Sie können ihn von Ihrem Sitz aus nicht gut sehen? Kein Problem. Setzen Sie Ihre 5G-Virtual-Reality-Brille auf und genießen Sie den 360°-Rundumblick. Passen Sie auf, wir fahren im 5G-Bus zur nächsten Attraktion. Aus dem Fenster können Sie UHD-Aufnahmen – gedreht von Eishockey-Helmen oder aus dem Eiskanal der Bobbahn – sehen.“

So klingt das, was sich KT (Korea Telecom) für die kommenden zwei Wochen verspricht. Der offizielle Sponsor will die Spiele zum größten Testlauf für die fünfte Mobilfunkgeneration machen – mit Downloadgeschwindigkeiten, die 100-mal so schnell sind wie heutiges LTE und Verzögerungen von weniger als 1 ms. Besonders die geringe Latenz spielt bei Virtual-Reality-Brillen eine wichtige Rolle. Nur so folgen die Bilder einer Kopfdrehung schnell genug, damit den Zuschauern nicht schwindlig wird.

Foto: VDI nachrichten

„Korea wird 2018 die erste 5G-Olympiade feiern“, versprach Oh Sung Moki, Netzwerkchef bei KT. Auch die Konkurrenz in Form von SK Telecom und LG U+ will olympische 5G-Demonstrationen zeigen. Immer mit dabei ist Nokia. Die Finnen sind Netzausrüster aller drei Betreiber. Aber auch die anderen großen Netzausrüster, Ericsson und Huawei, engagieren sich. Ebenso wie die Großen der Konsumelektronik, LG und Samsung, aber auch Automobilhersteller wie Hyundai und BMW. Fein säuberlich darf jedes der engagierten Unternehmen einen Anwendungsfall zeigen – ob Auto- oder Bobfahrten, virtuelle Realitäten oder Übertragungsgeschwindigkeiten im Gbit/s-Bereich. Dafür sind u. a. der kommende Donnerstag und Freitag reserviert. Und natürlich bittet das Internationale Olympische Komitee alle beteiligten Unternehmen zur Kasse.

Den ersten Lackmustest jedenfalls hat ein 5G-Anwendungsszenario schon bestanden. Während des Fackellaufs Mitte Januar übernahm eine Drohne einen Teil dieses Rituals. Die Fackel wurde auf einer 11 kg schweren „5G-Drohne“, so nennen sie die Koreaner, installiert. Sie flog etwa 150 m weit und übergab die olympische Flamme dem schnellsten Drohnenpilot der Welt, Kim Minchan. Diese Momente wurden hoch in der Luft mit einer anderen Drohne aufgenommen und von einem 11 m langen und 41 kg schweren Luftschiff via 5G und WLAN auf riesige Bildschirme sowie Smartphones übertragen.

Eine wohlinszenierte Premiere, die allerdings zur Enttäuschung der Organisatoren weit weniger Leute auf die Straße lockte als erwartet. Dennoch ist Oh Sung-Mok von KT stolz: „Die koreanischen Entwicklungen und Investitionen lassen uns ein 5G-Netz zu den Olympischen Spielen einführen und die ganze Welt wird zuschauen.“

Dabei weiß er genau: Das, was sein Land ab heute in Sachen neuer Mobilfunktechnik zeigen wird, basiert auf einem sogenannten Pre-Standard, „Pyeongchang 5G Spezifikationen“, so nennen die Koreaner die Norm, nach der u. a. mit 28 GHz in den Bergen Südkoreas gefunkt wird und die KT bereits Mitte 2016 mit dem US-Pionier Verizon verabschiedet hat. Ein Vorstandard also, der nur in Teilen etwas mit der Technik zu tun hat, die wir in den nächsten Jahren erwarten.

Mehr als 9 Mrd. $ wollen die koreanischen Netzbetreiber in 5G investieren. So zitierte die dortige Presse vor kurzem Quellen aus der Industrie. Allein 1391 km Glasfaserleitung – und damit dreimal die Entfernung zwischen Seoul und der großen Hafenstadt Busan – wurden verlegt, um die Kommunikation in und um die Olympiastätten zu sichern.

Den kommerziellen 5G-Betrieb wollen die drei Mobilfunker 2019 an einigen Orten aufnehmen, 2020 beginnt landesweit der Aufbau der Infrastruktur – Basisstationen, Antennen, Glasfaseranbindungen. Wie das Ministerium für Wissenschaft und ICT verkündete, sollen noch in diesem Jahr die Frequenzbänder rund um 3,5 GHz und 28 GHz versteigert werden.

Die Koreaner lieben feste Zeitpläne. Das vermittelte auch Park Jin-hyo, Cheftechnologe von SK-Telekom: „Unsere Lieferanten wie Samsung, Qualcomm und Huawei werden im Dezember Modemchips auf den Markt bringen, erste Smartphones erwarten wir sechs Monate später, im Juni 2019.“ Immerhin: Ende Oktober meldete KT, dass es gelungen sei, über 5G einen großen Videoclip auf ein Samsung-5G-Gerät zu übertragen. Es wird also was zu sehen geben – ob Vierfachsprünge von Nathan Chen oder rasante Fahrten deutscher Bobfahrer.

stellenangebote

mehr