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Sonntag, 24. Februar 2019

Funk

Ohne Antenne kein autonomes Fahren

Von Regine Bönsch | 3. Mai 2018 | Ausgabe 18

„Antennendesign ist ein bisschen wie schwarze Magie“, erklärt Ulrich Möhlmann, Director Advanced Engineering beim britischen Antennenhersteller Laird. Man mag es ihm sofort glauben, denn auch für gestandene Ingenieure ist es kaum vorstellbar, wie eine derartige Vielzahl von unterschiedlichsten Funktechniken in eine kleine Sharkfin, jene Haifischflossen auf den Dächern moderner Automobile, passt.

BU_Antenne
Foto: panthermedia.net/bioraren

Da sitzen die winzigen GPS-Chips zur Satellitenortung neben den Antennen für alte Mobilfunktechniken wie GPS, GPRS und UMTS und für neueste wie LTE, WLAN-p (die Drahtlostechnik für Autos). Dazu die Hörfunkmodule. Eine Integrationskunst sondersgleichen. Bei 5G, der nächsten Generation, dürfte die in der Haifischflosse nicht mehr zu stemmen sein.

Das weiß auch Jens Lindner, Automotive-Experte des deutschen Antennenbauers Kathrein, der mit Laird um die Marktführerschaft bei Autoantennen ringt. Mehr noch: „Das Dach ist ein idealer Bauraum, aber immer weniger Automobilhersteller wollen das“, sagt Lindner. So packen einige Hersteller die Antennen bereits in die Seitenspiegel.

Eine weitere Anforderung: Die Antenne muss an die Datenerzeugung, an die Steuergeräte heranrücken. Denn jedes auch noch so kleine Stückchen Kabel würde das Signal reduzieren. Erst recht, wenn es wie bei 5G in höheren Frequenzen funkt, gilt doch die simple physikalische Regel: je höher die Frequenz, desto höher die Dämpfung. Die Antenne wird künftig immer mehr in die Elektronik integriert, das bestätigt man auch bei Laird.

Und das autonome Fahren? Inwieweit sind die Antennenbauer betroffen? Guido Dornbusch, Vice President Product Management von Laird, ist da ganz selbstbewusst: Schließlich seien die Empfangs- und Sendeeinheiten der Eintritts- und der Austrittspunkt für Informationen aller Art.

Für die funktionale Sicherheit verlassen sich die Autobauer auf Sensorik direkt am Fahrzeug. Sobald es jedoch um mehr geht, kommt niemand an Funk und damit an Antennen vorbei. Die würden für die Vernetzung von Automobilen untereinander, die Car-to-Car-Kommunikation, ebenso gebraucht wie für den Datenaustausch mit der Infrastruktur, so Dornbusch. „In der Stadt muss mir die nächste Ampel signalisieren, was passiert. Auf dem Land berichten mir vorausschauend andere Fahrzeuge, ob es einen Unfall gegeben hat.“

Auch Wetter- und Verkehrsinformationen kommen via Antenne in die automatisierten Fahrzeuge. Und natürlich werden Software-Updates über Funk eingespielt. Da könnten dann künftig über die fünfte Mobilfunkgeneration an einem speziellen Hotspot Gigabytes ins Auto gepumpt werden.

Schon heute sind die Limousinen deutscher Hersteller zu wahren Datenumschlagplätzen mutiert. Künftig werden Autos die mobilen Geräte sein, in denen die meisten Daten produziert werden. Oder wie der Laird-Manager es formuliert: „Ohne Antenne kein autonomes Fahren.“ rb