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Sonntag, 24. Februar 2019

Medien

Olympisches Pixeldoping

Von Rainer Bücken | 8. Februar 2018 | Ausgabe 06

HDTV ist für die TV-Übertragung aus Korea der Mindeststandard. Viele Veranstaltungen werden auch in 4K, einige sogar in 8K übertragen. Das verspricht noch brillantere Bilder.

Olympia TV BU
Foto: dpa Picture Alliance/Frank Hoermann/Sven Simon

Großkampftage: Im südkoreanischen Pyeongchang sind für die Olympischen Winterspiele allein vom Host-Broadcaster OBS rund 450 Kameras im Einsatz.

Mit Standard-Fernsehtechnik gibt sich der Host-Broadcaster Olympic Broadcasting Services (OBS) schon lange nicht mehr ab. HDTV mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln ist das Mindeste, was sich die Rechtehalter, die „Rights Holding Broadcasters“ (RHBs) im IBC, dem International Broadcast Center, abholen können. Von vielen der 102 Wettbewerbe gibt es auch Produktionen in 4K UHD, also mit 3840 x 2160 Pixeln. Hier soll aber nicht nur die höhere Auflösung bestechen, erstmals wird auch eine Art „Pixeldoping“ eingesetzt, das Bildverbesserungsverfahren High Dynamic Range (HDR).

Auf entsprechenden Bildschirmen mit höherer Spitzenhelligkeit erscheint der Schnee dann noch weißer, dunkle Stellen aber noch dunkler. Kurzum, verbesserte Kontraste machen die Bilder natürlicher. Zudem werden auch die Farben aufgehübscht. In 4K UHD werden Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie wichtige zentrale Wettbewerbe produziert und von NBC (USA) und NHK (Japan) genutzt, aber auch von den koreanischen Broadcastern KBS, MBC und SBS.

Foto: VDI nachrichten

Diese übertragen – unterstützt von Etri, dem Electronics and Telecommunications Research Institute – seit Mitte vergangenen Jahres bereits in Seoul UHD-Sendungen terrestrisch als klassisches Antennenfernsehen. Während der Spiele wird noch eins draufgesattelt – neben mobilem HDTV-Empfang ist in Großstädten sowie der Gangwon-Provinz auch 4K UHD-HDR nebst Stereo und 5.1-Surround-Sound terrestrisch empfangbar. Das in Südkorea geschnürte Technikpaket läuft unter der Bezeichnung Ultra Wide Vision (UWV). Es ist nur der Anfang einer neuen Broadcast-Strategie mit dem Ziel, 4K-Übertragung ab 2020 landesweit zu ermöglichen. Dann könnte es auch erste Tests mit 8K geben und ab 2025 Hybrid-Broadcast 4K/8K im Regelbetrieb. Zwei Jahre später ist in Korea dann auch die HDTV-Zeit passé.

Noch ist 8K mit 7680 x 4320 Pixeln die Domäne von NHK in Japan und soll dort am 1. Dezember in den Regelbetrieb gehen. Da kommen 8K-Bilder aus Pyeongchang als Appetithappen gerade recht, vor allem von Eröffnung und Abschluss sowie von wichtigen Wettkämpfen wie Eiskunstlauf, Skispringen, Speed Skating und Snowboarding. Dazu sind zwei 8K-Übertragungswagen mit 16 Kameras und HDR für bessere Pixel im Einsatz. Sendeanstalten wie NHK & Co. übertragen HD mit 40 Mbit/s, 4K mit 100 Mbit/s und 8K mit 200 Mbit/s nach Tokio. Zu sehen sind die 8K-Bilder in fünf öffentlich zugänglichen NHK-Kinos. Auch die Paralympics vom 9. bis 18. März gibt es in 8K – speziell mit japanischer Beteiligung. Das ist quasi die Generalprobe für 2020: In zwei Jahren wollen OBS und NHK die Olympischen Sommerspiele in Tokio nahezu komplett in 8K produzieren.

„Damit setzen wir unsere Strategie fort, immer mehr Content auf allen Plattformen mit verschiedensten Techniken den RHBs zur Verfügung zu stellen“, so Yiannis Exarchos, CEO von OBS. Insgesamt sind in Korea über 450 Kameras im Einsatz, schließlich geht es um 4000 Stunden Inhalt, aneinandergereiht ist das Material für rund ein halbes Jahr.

Im deutschen Free-TV bleibt es vorerst bei HDTV: „Wir haben gerade mit Mühe HDTV in allen Ebenen durchgesetzt, haben aber keine Möglichkeit, das jetzt noch weiter voranzutreiben“, so ZDF-Intendant Thomas Bellut gegenüber den VDI nachrichten. Jede einzelne Sendung und die Sendestrecken seien auf HD umgestellt. „Das jetzt in der Breite auf 4K zu erhöhen, sehe ich nicht, aber Experimente in 4K sehr wohl.“

Bellut ist erst einmal froh, dass die Olympischen Spiele und die Paralympics überhaupt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen stattfinden. Denn die langen Verhandlungen mit dem Rechteinhaber Discovery (u. a. mit den Pay-TV-Sendern Eurosport und TLC) haben ARD und ZDF ausgebremst. Erst die Sublizenzvereinbarung – laut einer Zeitungsmeldung zu Kosten von 221 Mio. € – macht die Übertragung der Spiele wieder möglich. Mit der Folge, dass eine derart umfangreiche Liveberichterstattung noch nie in so kurzer Zeit vorbereitet werden musste. „Und noch nie“, so ZDF-Chefredakteur Peter Frey, „haben wir insbesondere im Bereich der Technik und der Produktion so eng mit der ARD zusammengearbeitet.“

Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich für die 17 Tage Olympia insgesamt 230 Stunden Liveübertragung vorgenommen. „Wir produzieren an zwei Standorten, nämlich im IBC, dem Internationalen Broadcast Center in Pyeongchang, und im NBC, dem Nationalen Broadcast Center in Leipzig beim MDR“, erklärt Florian Rathgeber, Technischer Leiter des NBC. „Der Kreativbereich mit den Schnittplätzen und der Zugang zum Archivmaterial sind in Leipzig, und da sind auch die meisten Redakteure.“

Die Signale aus dem IBC vor Ort werden mit 60 Hz Bildwechselfrequenz produziert. Für Deutschland werden sie nach 50 Hz gewandelt und dann mit 2,5 Gbit/s über Lichtwellenleiter nach Leipzig geschickt. Umgekehrt werden Stücke aus Deutschland in Korea nach 60 Hz gewandelt, dort in Sendungen eingebaut und – erneut gewandelt – wieder zurück nach Leipzig geschickt. Dort wird noch die Audio-Description für barrierefreies Fernsehen hinzugefügt und alles dann an ARD oder ZDF übergeben.

Gestreamt wird auch – neben dem Hauptprogramm laufen bis zu drei weitere Livestreams. Da gibt es dann komplette Wettbewerbe, während das Hauptprogramm von einem Highlight zum anderen springt, was bei 15 Sportarten und 102 Entscheidungen schon eine Herausforderung ist. Nutzer von Smart-TV-Geräten mit HbbTV können Spiele und mehr zeit-, ortsunabhängig und barrierefrei erleben. Auch auf Facebook, Instagram, Zattoo und Twitter wird berichtet.

Ein eigener Whatsapp-Dienst sendet Neuigkeiten auf das Smartphone. Beim Facebook-Messenger bietet Info-Bot „Sportsfreund“ mehrmals am Tag Push-Mitteilungen. Im ARD- bzw. ZDF-Text gibt es aktuelle Nachrichten, Liveticker, Ergebnisse und den Medaillenspiegel. Auch 360°-Übertragungen und Virtual-Reality-Angebote sind via ZDF-Olympia-App zu haben. Wem das nicht reicht, kann sich beim Olympic Channel umtun – ihn gibt es seit August 2016.