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Mittwoch, 20. Februar 2019

Halbleiter

Politik fördert Chips „made in Europe“

Von Jens D. Billerbeck | 15. November 2018 | Ausgabe 46

EU und Bundesregierung helfen bei Forschung und Entwicklung. Auch die Umsetzung in marktfähige Produkte wird unterstützt.

Bu Me Forschung
Foto: Fraunhofer IMS

Chip aus Duisburg: Das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) ist Teil der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland.

Wettbewerb im Geschäft mit den Halbleitern heißt auch immer Wettbewerb der Standorte. Steuervorteile, Subventionen, Energiekosten, Personalverfügbarkeit – es sind viele Faktoren, die Entscheidungen für Milliardeninvestitionen in neue Chipfabriken beeinflussen.

Es ist in der Branche ein offenes Geheimnis, dass es Länder gibt, die deutlich freigiebiger mit Milliardenbeträgen hantieren, als dies die Europäische Union oder deren Mitgliedstaaten können und wollen. Dass trotzdem in jüngster Zeit einige große Investitionsentscheidungen zugunsten europäischer Standorte getroffen wurden, spricht nach Ansicht einiger Teilnehmer des 8. Symposiums Mikroelektronik von VDE und ZVEI für einen deutlichen Wandel in der Einschätzung der Rolle der Mikroelektronik für Europa.

Ging es in den letzten zwei Dekaden des vorigen Jahrhunderts darum, den Vorsprung der US-Amerikaner und Japaner in der Chiptechnik abzubauen, so setzte mit Beginn der 2000er-Jahre eine Veränderung ein. Das berichtete Stefan Mengel, Leiter des Referats „Elektronik, Autonomes elektrisches Fahren“ im Bundesforschungsministerium (BMBF). Damals gab es vielfach eine Attitüde in der Politik, die sagte: „Mikroelektronik kann man auf dem Weltmarkt einkaufen. Das sind Massenartikel, die können die Asiaten besser.“

Doch das Bild habe sich seit einigen Jahren abermals gewandelt. Heute beobachtet Mengel in der Politik, allen voran im Deutschen Bundestag, ein deutliches Bewusstsein für Technologiesouveränität. Es wachse die Erkenntnis, dass es bei Fragen der Daseinsvorsorge und der Sicherheit keine Abhängigkeit von Lieferanten aus Asien oder den USA geben darf. Statt die Mikroelektronik isoliert als einen industriellen Sektor unter vielen zu betrachten, sei jetzt deutlich, welche gesamtvolkswirtschaftliche Bedeutung die Chips im Rahmen der allumfassenden Digitalisierung für Deutschland und Europa haben.

Schon im Jahr 2014 hat die EU ein Programm namens Ecsel (Electronic Components and Systems for European Leadership) auf den Weg gebracht. Es hat das Ziel, kollaborative industrierelevante Projekte zu fördern, gemeinschaftlich finanziert von Industrie, Forschungseinrichtungen und Mitteln der EU aus dem Horizon-2020-Programm.

Bundesregierung und Bundestag haben ihrerseits, so berichtet Mengel, 2016 Förderprogramme auf den Weg gebracht, die insgesamt bis zum Jahr 2020 Mittel von 1,8 Mrd. € für die Mikroelektronik zur Verfügung stellen. 800 Mio. € stammen dabei aus dem BMBF, die Hälfte für klassische Projektförderung, die andere für die Unterstützung eines Mikroelektronik-Investitionsprogramms.

Dessen Kern ist die Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD), in der elf Fraunhofer- und zwei Leibniz-Institute ihre Ausstattung in einem gemeinsamen Technologiepool zusammenführen. Zudem etablieren sie eine zentrale Koordinierungsstelle, die den Partnern aus Forschung und Industrie das gesamte Technologieangebot der 13 Institute als „One-Stop-Shop“ anbietet. Start-ups werden gezielt adressiert, um die Einrichtungen der FMD für neue technologische Entwicklungen zu nutzen.

Weitere 1 Mrd. € stammen – und das ist aus Sicht von Mengel ein komplett neuer Ansatz – aus dem Wirtschaftsministerium. Sie sollen Investitionen unterstützen, die die Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte umsetzen. Denn das sei bisher ein großes Defizit: Vielfach sei Europa technologisch führend, aber in der Umsetzung in marktfähige Produkte eher schlecht.