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Donnerstag, 21. Februar 2019

Verkehr

Technik lindert – zumindest ein wenig

Von Regine Bönsch | 31. Mai 2018 | Ausgabe 22

Hochaktuelle Infos, Echtzeitnavigation, Big-Data-Analysen, künstliche Intelligenz – das alles hilft, Staus zu reduzieren.

Stau B (2)
Foto: imago/Frank Sorge

Echtzeitdaten und Navigation sollen verhindern, dass Autofahrer in diese Situation kommen. Vorausschauende Analysen hätten möglicherweise das Staurisiko erkannt.

Erfurt hat ein Problem. Die Stadt mit ihrer historischen Gebäuden ist einfach zu schön. In der alten Bausubstanz mussten neue Wege gesucht werden, um den Verkehr zu steuern und damit Staus zu verringern. Eine Lösung kam von PTV, einem Anbieter von Verkehrsmanagementtools, der Echtzeitprognosen für die thüringische Landeshauptstadt erstellt. Bis zu 60 min vorausschauend kann die Software von PTV ein Bild der Verkehrslage zeichnen. Die Daten bezieht sie aus diversen Quellen – von Taxi-GPS-Daten über Verkehrsmeldungen der Polizei, Sensoren und Webcams bis hin zu Daten der öffentlichen Verkehrsmittel.

„Forscher wissen bereits seit Langem, dass der Bau neuer Straßen lediglich dazu führt, dass die Menschen noch häufiger fahren“, weiß Luca Paone, Solution Director Realtime der PTV Group. Der intelligente Einsatz von IT sei da der klügere Weg. „Intelligente Verkehrs- und Transportsysteme, kurz ITS, ermöglichen Städten auf der ganzen Welt, die Leistung ihrer Verkehrssysteme zu steigern“, so Paone. Sensorik und Mikrochips machten das möglich. „Mit ITS“, sagt der PTV-Experte, „lässt sich das Stauaufkommen um 20  % und mehr reduzieren.“

Immerhin, das attestiert auch ein Bericht der Itif-Stifung, eines der weltweit führenden Technologie-Thinktanks, ließen sich mit Echtzeitdaten beeindruckende Ergebnisse erzielen. Würden sie an Signalanlagen weitergereicht und umgesetzt, so bedeute das: 40 % weniger Stopps an Ampeln, 10 % weniger Kraftstoff und 22 % weniger Emissionen.

Der Navigationsspezialist Tomtom versucht vieles, um seine Verkehrsinformationen noch exakter zu machen und sie zudem noch einfacher an den Mann oder die Frau zu bringen. Das Geheimnis der Niederländer sind Big-Data-Analysen und ausgeklügelte Navigationslösungen. Laut Andreas Erwig, Vice President of Business Development, unterstütze man Autofahrer dabei, Staus zu vermeiden und den Verkehrsfluss z. B. in Städten stabil zu halten. „Wir erkennen, ob das Abbiegemanöver des Fahrers tatsächlich vom Stau betroffen ist.“ Wetterinformationen werden akribisch integriert, denn die haben einen „erheblichen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Verkehrs“. Aber: Das Ende der Staus ist auch hier nicht in Sicht.

Das ist es auch mit noch so viel Technik im Fahrzeug selbst nicht zu erkennen. Geht es nach einer Studie, die der Navigationsspezialist Here schon 2016 gemeinsam mit dem auf automobile Techniken spezialisierten Marktforscher SBD gemacht hat, dann verschlimmern autonome Fahrzeuge in naher Zukunft die Verkehrslage noch zusätzlich.

„Um Verkehrsprobleme in der Übergangsphase von traditionellen zu hochautomatisierten Fahrzeugen gering zu halten, wird es insbesondere darum gehen, Datensilos aufzulösen“, erklärt Helmuth Ritzer, Vice President Connected Vehicle Services bei Here. In Kollaboration zwischen Automobilindustrie und öffentlichen Verkehrsbehörden müsse der Austausch von Fahrzeug-, Straßen- und Infrastrukturdaten vorangetrieben werden. Doch bis dahin rollt noch eine Welle von mehr Fahrzeugen auf den Straßen der Welt. Jährlich, so das Whitepaper, wachse die Zahl um 3 % bis 4 %, bis 2030 rechnen die Marktforscher mit 2 Mrd. Fahrzeugen. Drosselung durch Maßnahmen wie Maut, Teilen, also Carsharing, und Informieren in Form von Echtzeitdaten – das sind nach Aussagen der Studie die aktuellen Lösungen, um einen Verkehrsinfarkt zu verhindern. Ritzer sieht das ähnlich wie seine Kollegen von PTV und Tomtom: „Wir gehen davon aus, dass die Verknüpfung von Fahrzeug- und Straßensensordaten sowie ortsbezogenen Echtzeitdiensten dazu beiträgt, Staus zu verringern.“

Doch das Unternehmen Here, dessen Mütter u. a. BMW, Audi und Daimler sind, will zeigen, dass es auch die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander beherrscht. So sollen BMW-Fahrern ab Mitte des Jahres noch mehr sicherheitsrelevante Informationen zur Verfügung stehen. Sie aggregieren sich aus Daten unterschiedlicher Hersteller, die auf der Straße generiert werden – von Warnblinklichtern, Nebelscheinwerfern, Kameras, Notfallbremssystemen und elektronischer Stabilitätskontrolle. Und sollen angezeigt oder direkt in Assistenzsysteme einfließen. Kein Weg aus dem Stau heraus, aber vielleicht einer, um den Weg hinein zu verhindern.