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Sonntag, 21. Januar 2018

E-Mobile

Von der E-Achse bis zur Tesla-Konkurrenz

Von Notker Blechner | 7. September 2017 | Ausgabe 36

Elektromobilität spielt nächste Woche auf der IAA eine zentrale Rolle – doch die „grüne Revolution“ findet nicht statt.

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Foto: Daimler AG

Konzept: Mercedes-Benz präsentiert als Weltpremiere die Studie seines rein elektrischen EQ-Modells EQA.

Wo ist Tesla? Das dürfte sich so mancher IAA-Besucher fragen, der auf der Suche nach neuen Elektromobilen ist. Der Elektroautopionier kommt diesmal nicht zur weltgrößten Automesse. „Das wichtigste Auto des Jahres ist auf der IAA nicht zu sehen“, kritisiert Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer mit Blick auf das Model 3.

Stattdessen fahren die Chinesen unter Strom: Geely zeigt auf der „New Mobility World“ die berühmten Londoner Taxis, die gut 110 km rein elektrisch fahren können, bevor sich der Benzinmotor einschaltet. Die Hybridfahrzeuge sollen Ende des Jahres nach London kommen, denn 2018 verschärft die britische Metropole die Abgasvorschriften. Dann rollen die grünen „Black Cabs“ nach Deutschland.

Die neuen Elektrofahrzeuge der deutschen Hersteller sind dagegen fast nur Concept Cars. So präsentiert Mercedes sein erstes elektrisches EQ-Kompaktfahrzeug, den EQ-A, der eine Reichweite von 400 km schafft. Als serienreifes Fahrzeug wird er erst ab 2020 erhältlich sein. Smart wird die Studie Smart Vision EQ präsentieren, ein autonom fahrendes E-Auto ohne Lenkrad und Pedale.

VW wird nach zahlreichen Designkonzepten wohl eine weitere Studie vorstellen. Audi hat den viertürigen batterieangetriebenen Grand-Turismo-Sportwagen e-tron Sportback als Konzeptfahrzeug im Gepäck. Er soll 2019 gefertigt werden und mit über 500 km Reichweite Tesla angreifen.

Foto: BMW AG

Dreitürer unter Strom: BMW zeigt ein Mini-Modell, das extra für E-Mobiltät designt ist und 2019 kommt.

Einzig BMW bringt zwei Stromer auf die IAA, die schon ab November im Handel erhältlich sein werden: den neuen i3 als Facelift und die sportlichere Variante i3s. Allerdings schaffen sie es im Alltagsbetrieb nur 200 km weit, ein optionaler Range Extender kann aber die Reichweite um nochmals 150 km erhöhen. Dazu wird es ein Konzeptfahrzeug der BMW-Tochter Mini geben, denn auch mit dieser Marke soll es spätestens 2019 ins elektromobile Zeitalter gehen. Neu ist der laut BMW weltweit einzigartige Digital Charging Service, der in Verbindung mit einer Wallbox günstiges Laden erlaubt. Der i3-Fahrer kann selbsterzeugten Solarstrom laden und über die Einbindung in Smart-Grid-Systeme sogar Geld verdienen, teilt BMW vollmundig mit.

Die größte Attacke auf Tesla kommt nicht aus Deutschland, sondern aus England: Jaguar wird auf der IAA seinen Premiumstromer i-Pace vorstellen, der eine Reichweite von 500 km aufweist. Der 294,2 kW (400 PS) starke E-SUV soll schon im nächsten Jahr durchstarten.

Foto: Nick Dimbleby/Jaguar

Tesla-Herausforderer: Jaguar will schon 2018 mit dem neuen Premiumstromer i-Pace brillieren.

Bei den asiatischen Herstellern wird Hybrid ganz groß geschrieben. Hyundai präsentiert nächste Woche in Frankfurt sein Öko-Trio Ionic mit drei elektrifizierten Antrieben als Hybrid, Plug-in-Hybrid und Elektro. Die E-Variante des neuen Kona und die zweite Generation des Brennstoffzellenfahrzeugs ix35 Fuel Cell werden erst im nächsten Jahr eingeführt und noch nicht in Frankfurt zu sehen sein.

Zulieferer rücken das Thema Elektromobilität stärker in den Vordergrund als so mancher Autobauer. Bosch will mit einem neuartigen elektrischen Achsantrieb die Reichweite von Elektroautos erhöhen. „Die e-Achse vereint Motor, Elektronik und Getriebe in einem Bauteil“, erklärt Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander. Das mache den Antrieb effizienter und günstiger. „Die neue E-Achse bringt das All-in-one-Prinzip in den Antrieb.“ Diese lasse sich in verschiedene Fahrzeuge einbauen und auch für kleine Hersteller anpassen. „Wirtschaftlich kann die E-Achse zum großen Wurf werden“, meint Bulander. Die Schwaben erhoffen sich Milliardenumsätze von dem neuen Bauteil, das 2019 in Serie gehen soll, und wollen von 2020 an weltweiter Marktführer bei der Elektromobilität werden.

Auf neue Antriebe setzen auch andere Zulieferer. Schaeffler stellt auf der IAA eine E-Achse vor, die ebenfalls mehr Reichweite bei Stromern verspricht. ZF zeigt auf der IAA „mStars“, ein modulares Hinterachssystem, in das der elektrische Achsantrieb integriert werden kann. Nur geringe Änderungen an der Karosserie sind nötig, um das mStars-System anstelle konventioneller Achsen in Fahrzeugen zu verbauen.

Eine ganze Elektrooffensive mit neuen Ladelösungen und Batteriesystemen plant Webasto zur Messe. Der Zulieferer stellt eine Wandladestation vor, mit der ein Elektroauto zu Hause geladen werden kann. Zudem steigt die Firma in das Geschäft mit Antriebsbatterien ein.

Auf der „New Mobility World“ in Halle 3.1 sind dann übergreifende Konzepte für die Mobilität von morgen zu sehen. Sie bringt Autohersteller, -zulieferer, Internet-, Hard- und Softwarefirmen wie Google, Qualcomm und Facebook zusammen. Zu den fünf Hauptthemen zählt das vernetzte Auto, autonomes Fahren ebenso wie die Elektromobilität. Letztere werde diesmal besonders im Fokus stehen, glaubt Dirk Evenson, Leiter der New Mobility World: „Die Dieseldiskussion hat das Thema Antriebe und E-Mobilität in den Vordergrund gerückt.“

Auch in den Themenparks der IAA werden innovative Lade- und Speicherlösungen sowie Mobilitätsdienste vorgestellt. Auf Foren diskutieren über 100 Entscheider, Pioniere und Visionäre über e-mobile und Batteriethemen von morgen. Und natürlich lassen sich auf der Freifläche der Messe auch einige E-Autos testen.  

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