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Donnerstag, 21. März 2019

Porträt der Woche

Architekt will die Sinne der Benutzer erfreuen

Von Ulrich W. Schamari | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Arata Isozaki gewinnt den Pritzker-Preis, die international wohl renommierteste Auszeichnung für Architekten.

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Foto: dpa Picture-Alliance/AP Images/Yomiuri Shimbun

Arata Isozaki hat den Palau Sant Jordi in Barcelona, das Kongresszentrum von Katar und die Shanghai Symphony Hall entworfen.

Gerade erst 14 Jahre alt war der 1931 geborene Arata Isozaki, als Hiroshima und Nagasaki durch Atombombenangriffe in Schutt und Asche gelegt wurden. Er erinnert sich: „Als ich alt genug war, um die Welt zu verstehen, wurde meine Heimat niedergebrannt. Sie war komplett ruiniert, und es gab keine Architektur mehr, keine Gebäude und nicht einmal eine Stadt. Nur Kasernen und Schutzräume umgaben mich. Meine erste Erfahrung mit Architektur war also die Leere der Architektur, und ich begann zu überlegen, wie Menschen ihre Häuser und Städte wieder aufbauen könnten.“

Arata Isozaki

Diese Erfahrung war die Grundlage seiner Architektur-Philosophie, dass Gebäude vergänglich sind und die Sinne der Benutzer erfreuen sollten. Mit dieser Einstellung gelangen ihm spektakuläre Bauten. Sie führten ihn auf seiner beruflichen Laufbahn ganz nach oben – bis hin zum Gewinn des diesjährigen Pritzker-Preises.

1979 von der Familie Pritzker aus Chicago über ihre Hyatt Foundation ins Leben gerufen, wird der internationale Preis jährlich an einen lebenden Architekten für bedeutende Leistungen verliehen. Er gilt als „Nobelpreis der Architektur“, zu dessen Trägern Koryphäen wie Frei Otto, Norman Foster und Oscar Niemeyer zählen. Mit Arata Isozaki erfährt die Galerie der Stararchitekten eine würdige Ergänzung. Er entwickelte eine weltweite Vision von der konstanten Veränderung, die eine Abkehr von einem einzigen dominierenden Architekturstil bedeutete und damit ihrer Zeit voraus war. Dazu erklärt er: „Weil ich den am besten geeigneten Weg für Problemlösungen finden wollte, konnte ich mich nicht auf einen einzigen Stil konzentrieren. Paradoxerweise wurde dies mein eigener Stil.“

Das Architekturstudium schloss Isozaki 1954 an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Tokio ab und arbeitete dann für Kenzo Tange, den Pritzker-Preisträger von 1987. Mit einem eigenen Architekturbüro machte er sich 1963 selbstständig. Seine Karriere begann mit vielen Gebäuden zunächst in seiner Heimatstadt Oita auf der südlichen japanischen Insel Kyushu, später in ganz Japan. Da es ihm ein Anliegen ist, den Dialog von Ost und West auch in seinem Metier zu führen, bemühte er sich um Auslandsaufträge. Der Sprung in die westliche Hemisphäre gelang ihm erstmals in den 1980er-Jahren: Als ein international führendes Unternehmen für Architektur zeichnete sein Büro von 1981 bis 1986 für die Errichtung des Museum of Contemporary Art in Los Angeles verantwortlich.

Mittlerweile zählen mehr als 100 gebaute Projekte zu seinen prominenteren internationalen Werken. Sein Schaffen umfasst unter anderem den für die Olympischen Sommerspiele 1992 entworfenen Palau Sant Jordi in Barcelona, das Team Disney Building in Florida, das Shenzhen Cultural Center, die Zentrale Akademie der Künste in Peking, den Allianz Tower in Mailand, das Nationale Kongresszentrum von Katar und die Shanghai Symphony Hall. Sechs Jahrzehnte seiner Arbeit schließen neben seinen ikonischen Gebäuden auch Philosophie, bildende Kunst, Design, Musik, Filme und Theaterstücke ein. An mehreren US-Universitäten war Isozaki als Gastprofessor tätig – darunter Harvard, Yale und Columbia.

Der 87-Jährige bekommt viel Anerkennung für sein Wirken. So betont Tom Pritzker, der Vorsitzende der Hyatt Foundation: „Isozaki war einer der ersten japanischen Architekten, die außerhalb Japans in einer Zeit bauten, als die westliche Zivilisation traditionell den Osten beeinflusste. Er machte seine Architektur, die unverwechselbar von seiner Weltbürgerschaft geprägt ist, wahrhaft international.“ In einer globalen Welt brauche die Architektur solche Kommunikation. Auch der Juryvorsitzende Stephen Breyer ist voll des Lobes: „Isozaki ist ein Pionier im Begreifen der Tatsache, dass Architektur sowohl global als auch lokal sein muss – dass diese zwei Komponenten Teil einer einzigen Herausforderung sind.“