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Donnerstag, 21. März 2019

Handel

„Bei Zöllen gibt es Sparpotenzial“

Von Christoph Böckmann | 14. Juni 2018 | Ausgabe 24

Welche Wege es gibt Zölle zu vermeiden oder zu minimieren erklärt die Beraterin und ehemalige Zollbeamtin Eva Rehberg im Interview.

VDI nachrichten: Die Zölle auf Stahl und Aluminium sind nun Realität. Gibt es eine Möglichkeit, diese zu umgehen?

Foto: Ebner Stolz

Rehberg: Die US-Regierung hat angekündigt, dass es Ausnahmen geben kann, wenn es sich um eine Ware handelt, die in dieser Güte und Qualität sonst nicht auf dem amerikanischen Markt zu bekommen ist.

Das sind gute Nachrichten für die deutschen Hersteller von Hightech-Stählen …

Es bleibt aber die Frage, wie lange es dauern wird, so eine Einzelgenehmigung zu bekommen.

Eva Rehberg

Dennoch ein Lichtblick. Aber was mache ich, wenn mein Aluminium oder Stahl nicht besonders ist?

Die US-Regierung hat eine Liste mit Waren veröffentlich, die betroffen sind. Wenn meine Ware darin enthalten ist, könnte ich diese vor der Einfuhr in die USA zu einer Ware weiterverarbeiten, die nicht in der Liste steht und so nicht von den neuen Zöllen betroffen ist.

Sowohl Europa als auch die USA drohen allerdings mit weiteren Zöllen.

Das ist das Problem. Durch die unsichere, sich ständig ändernde Situation besteht keine Planungssicherheit. Eine Produktionsverlagerung ist in diesem Fall eigentlich ein zu großer und kostspieliger Aufwand. Denn wir wissen nicht, ob neue Zölle kommen oder wie lange die jetzt eingeführten Bestand haben.

Auch dass Kanada und Mexiko im Visier der USA sind, macht es nicht leichter. Sonst hätten deutsche Unternehmen ihre Produktionsvorgänge über diese Länder, mit denen die USA das Freihandelsabkommen Nafta hat, umlenken können.

In dem Zoll-Bürokratiewust gibt es doch sicher weitere Schlupflöcher? Sie waren lange Zollbeamtin. Sie kennen doch alle Tricks.

(Lacht.) Also „Tricks“ ist das falsche Wort. Aber wir sollten über den Zollwert sprechen. Oft sind im angemeldeten Wert Positionen enthalten, die man bei Lichte betrachtet nicht hätte einbeziehen müssen.

Der Zollwert ist etwas anderes als der Verkaufspreis?

Ja, der Preis ist nicht zwingend auch der Wert. Der Zollwert entspricht vereinfacht gesagt dem, was aufgebracht werden musste, um diese Ware herzustellen (plus einer üblichen Marge) und in das Einfuhrland zu verbringen. Das ist eine komplexe Rechnung. Oft tauchen hier zum Beispiel auch die Kosten für Forschung und Entwicklung auf. Aber eigentlich muss man die hier nicht immer einberechnen, sondern nur, wenn sie sich konkret und direkt auf die eingeführte Ware beziehen. Grundlagenforschung wäre zum Beispiel ausgenommen. Ich sollte also prüfen, ob ich Bestandteile aus der Zollwertberechnung streichen kann. Damit sinkt der Zollwert, auf den die Zölle erhoben werden.

Wie bekannt sind diese Möglichkeiten bei den deutschen Unternehmen?

Die großen Konzerne kennen sie. Der Mittelstand hingegen zahlt sehr häufig Zölle, obwohl er es gar nicht müsste. Hier gibt es riesige Einsparpotenziale.

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