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Donnerstag, 21. März 2019

EU-Urheberrecht

Beim Bild ist Vorsicht geboten

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Unternehmen müssen künftig noch sorgfältiger mit Bild- und Videorechten umgehen.

Ende März stimmt das Europäische Parlament nach monatelangen Verhandlungen über die Urheberrechtsreform ab. Von den Regeln sind nicht nur junge Nutzer betroffen, die auf Youtube und anderen Plattformen kreativ sind und dabei etwas Geld durch Werbung verdienen. Auch Mitarbeiter von Unternehmen und Organisationen, die Bildmaterial in Webinaren, Power-Point-Präsentationen oder Whitepapers verwenden, müssen künftig vorsichtiger sein, wenn sie diese online verfügbar machen. Oftmals enthalten diese nämlich Bilder, deren Verwendungsrechte nicht eindeutig abgeklärt wurden.

Ausnahmen gibt es nach der Reform nur für Nutzer, denen kein profitorientiertes Handeln unterstellt werden kann. Doch das ist kein neues Problem: Nutzer von Creative-Commons-Lizenzen, wie sie etwa von der Fotoplattform Flickr verwendet werden, mussten hier schon immer vorsichtig sein. Im Zweifelsfall wird unterstellt, dass ein Nutzer kommerziell handelt, wenn er nicht das Gegenteil beweisen kann.

Wenn ein Nutzer ein Bild verwendet, das kommerziell verwendet werden darf, muss er sich peinlich genau an die heute schon bestehenden Lizenzregeln halten: Verlangt etwa die Lizenz „CC BY 2.0“ lediglich, den Namen des Urhebers zu nennen, muss dies auf dem Bild vermerkt sein und der Lizenztext verlinkt werden. Etwaige Änderungen müssen angegeben werden. An der Nutzungsmöglichkeit des Bildes darf technisch nichts verändert werden. Das bedeutet beispielsweise, dass man dann das Gesamtwerk nicht mit einem technischen Kopierschutz versehen darf. Anderenfalls kann der Urheber die Nutzung abmahnen.

Einen Vorteil der Urheberrechtsreform für Nutzer gibt es jedoch: Der umstrittene Artikel 13 führt eine neue Haftung für Plattformbetreiber ein. Bisher hafteten Plattformen wie Youtube und Flickr nicht für Nutzerkonten, die Bilder verbreiteten, die ihnen nicht gehörten, sondern die Nutzer, die diese Bilder irrtümlich, aber rechtswidrig verwendeten. Für die Nutzer bedeutet die neue Regelung also mehr Rechtssicherheit.

Generell müssen Nutzer darauf achten, dass ein als „kostenlos“ beworbenes Bild nicht unbedingt frei verwendbar ist. Denn die konkreten Lizenzbedingungen diktieren, unter welchen Bedingungen urheberrechtliches Material verwendet werden darf. Vorsicht ist angebracht: Die von Plattformen zugelassenen Lizenzen können sich ändern. So wechselte Anfang 2019 die Fotoplattform Pixabay von der Creative-Commons-Lizenz auf eine eigene Lizenz, mit der zahlreiche Nutzungen eingeschränkt werden.

Kleine, spezialisierte Upload-Plattformen mit freien Inhalten dürften mit der Urheberrechtsreform ein Problem bekommen, da sie in der Regel nur über wenige Mitarbeiter bzw. Filtermechanismen verfügen, um Materialien gemäß Artikel 13 vor dem Upload zu prüfen. Dazu gehört beispielsweise die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM). Der gemeinnützige Verein glaubt, dass seine ehrenamtlichen Mitarbeiter den Prüfaufwand nicht bewältigen können. Außerdem befürchtet er verklagt werden zu können, da er Werbeeinnahmen hat und damit als kommerziell eingestuft werden könnte.