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Samstag, 20. Januar 2018

Erneuerbare Energien

Biogasbranche vor der Wende

Von Thomas Gaul | 5. Oktober 2017 | Ausgabe 40

Die Zeit der garantierten Vergütung für den produzierten Strom geht dem Ende entgegen. Auch für Biogas legen jetzt Ausschreibungen den Zuschlag fest.

w - Biogas BU
Foto: dpa picture alliance/Maurizio Gamb

Mist und Gülle sollen verstärkt in Biogasanlagen verarbeitet werden. Neu bauen will solche Anlagen derzeit kaum jemand.

Hatte der Fachverband Biogas noch damit gerechnet, dass sich etwa 50 bis 100 Biogasanlagenbetreiber an der ersten Ausschreibungsrunde für Biogasanlagen beteiligen würden, so gingen insgesamt nur 33 Gebote ein. Das Gebotsvolumen habe mit 40 912 kW deutlich unter 122 446 kW gelegen, die ausgeschrieben waren, so die Bundesnetzagentur.

Das neue Ausschreibungsverfahren sollte vor allem jenen Besitzern bestehender Biogasanlagen eine Perspektive eröffnen, deren restliche Laufzeit der Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weniger als acht Jahre beträgt. Für rund 600 Anlagen endet am Jahresende 2020 der Vergütungsanspruch. Von den 24 Geboten, die einen Zuschlag erhielten, entfielen 20 auf Bestandsanlagen. Dass in der Praxis kaum neue Biogasanlagen geplant werden, schlug sich auch bei den Ausschreibungen nieder: Nur vier Gebote wurden für Neuanlagen eingereicht

Wie zu erwarten, lag der Höchstwert für Neuanlagen in der Biomasseausschreibung deutlich über den Höchstwerten für Photovoltaik- und Onshore-Windanlagen. Denn Strom aus Biogas wird nie so günstig zu produzieren sein wie die übrigen Formen erneuerbarer Energien, da die Biomasse eingekauft werden muss.

Dennoch lagen die bezuschlagten Gebote mit durchschnittlich 14,30 Cent/kWh weit unter den bisherigen Sätzen, die das EEG bislang garantiert. Offensichtlich ist es Betreibern gelungen, die Anlagen effizienter zu betreiben und so Kostensenkungen möglich zu machen. Neuanlagen erhielten einen mittleren Zuschlagswert von 14,81 Cent/kWh, Bestandsanlagen von 14,16 Cent/kWh.

Die Verbände der Bioenergie kritisieren nach den Ergebnissen der ersten Ausschreibungsrunde das neue Verfahren. Da die Zuschläge allein von der Gebotshöhe abhängen, sehen sie insbesondere kleinere landwirtschaftliche Anlagen im Nachteil. Diese sind jedoch besser an den Standort angepasst und vergären neben angebauten Energiepflanzen wie Mais auch Mist und Gülle. Genau dies ist aber für den Klimaschutz von Bedeutung, da so Methanemissionen aus der Tierhaltung reduziert werden können. Bei dem durch die Ausschreibung ermittelten, garantierten Strompreis findet dieses Kriterium aber keine Berücksichtigung.

Der Klimaschutzplan 2050 sieht konkret vor, die Vergärung von Gülle gegenüber dem heutigen Stand auszubauen. Das ist jedoch nach derzeitiger Einschätzung kaum wirtschaftlich, da der Gesetzgeber die Anlagengröße der kleineren Anlagen auf sogenannte Güllekleinanlagen begrenzt, die eine maximale installierte Leistung von 75 kW haben. Nach Ansicht der Branchenvertreter sollte diese Anlagenklasse auf bis zu 150 kW erweitert werden, um die Besatzgrößen der tierhaltenden Betriebe zu berücksichtigen. Im Gegenzug dazu könnte gegebenenfalls die Vergütung abgesenkt werden.

Den Zahlen des Fachverbands Biogas zufolge wurden im Jahr 2016 über 190 Güllekleinanlagen gebaut, von 195 Neuanlagen insgesamt. Der Fachverband geht davon aus, dass die Zahlen in diesem Jahr in einer ähnlichen Größenordnung liegen.

Der Biogasrat sieht generell die Neuanlagen beim Ausschreibungsverfahren im Nachteil. „Neuanlagen haben gegenüber Bestandsanlagen zusätzliche Kapitalkosten von durchschnittlich 2,0 Cent/kWh. Wenn es tatsächlich einen Ausbau von 150 MW pro Jahr und perspektivisch von 200 MW pro Jahr bei der Stromerzeugung aus Biomasse geben soll, dann müssen Neuanlagen im Ausschreibungsverfahren eine wettbewerbliche Chance bekommen“, erklärt Geschäftsführerin Janet Hochi.

Zudem finden in der Praxis umfangreiche Repoweringmaßnahmen statt, um ältere Anlagen fit für den Strommarkt der Zukunft zu machen. 408 MW des Bestands wurden bereits flexibilisiert, bedeutet: Strom wird nur dann produziert, wenn dafür auch Bedarf besteht – und die Preise an der Strombörse entsprechend hoch sind. Tatsächlich ist wohl zu erwarten, dass die Zahl der Biogasanlagen zurückgehen wird. Damit geht auch die von ihnen erzeugte Strommenge zurück, denn die nominell erhöhte Leistung durch Flexibilisierung wird nur noch kurzzeitig abgerufen.

Viele Betreiber gerade landwirtschaftlicher Biogasanlagen dürften eine andere Strategie verfolgen, erwartet Claudius da Costa Gomez, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Biogas. Viele Bestandsanlagen würden „nach unten“ flexibilisieren, also die installierte Leistung halbieren. „Dies wird vor allem für Anlagen mit einer Bemessungsleistung von weniger als 500 kW der Fall sein, da diese nach derzeitiger Einschätzung nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. Bei diesen Anlagen ist auch zu erwarten, dass sie bei größeren Reparaturen stillgelegt werden, da eine Sanierung dann nicht wirtschaftlich darzustellen ist.“

Ob die nächste Bundesregierung das Ausschreibungsdesign noch einmal verändert, bleibt im Zuge der Koalitionsvereinbarungen abzuwarten. Die nächste Ausschreibungsrunde für Biomasse findet erst wieder im September 2018 statt. Das nicht genutzte Ausschreibungsvolumen der ersten Runde wird auf das nächste Jahr übertragen.

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