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Mittwoch, 24. Januar 2018

Netzpolitik

Breitband auf die Agenda

Von Uwe Sievers | 2. November 2017 | Ausgabe 44

Auf dem Broadband World Forum in Berlin zeigten Portugal und Polen letzte Woche wie sie Glasfasernetze schneller aufbauen als Deutschland. Niedriglohn sei Dank.

BU Breitband
Foto: Sievers

Der Stoff, aus dem die Breitbandträume sind: Doch noch immer gibt es Schwierigkeiten mit der Glasfaserverkabelung, speziell in den ländlichen Regionen.

Der noch amtierende Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), Rainer Bomba, ist sich sicher: „Die nächsten vier Jahre werden für den Breitbandausbau entscheidend sein.“ So formulierte er es zur Eröffnung des Broadband World Forum (BBWF) 2017 letzte Woche in Berlin.

Damit versuchte der Ingenieur Bomba der zukünftigen Bundesregierung ein Thema auf die Agenda zu setzen. Denn ob sein Ministerium auch in der kommenden Legislaturperiode für den Breitbandausbau zuständig sein wird, ist ebenso unklar wie die Breitbandstrategie der neuen Bundesregierung.

Das letzte Merkel-Kabinett hatte sich in dieser Frage nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert: Das Breitbandziel einer flächendeckenden Versorgung mit mindestens 50 Mbit/s verschob sie von 2014 auf 2018 und auch dieser Zeitpunkt scheint inzwischen unrealistisch. Bisher stehen diese Leistungen gemäß dem Verkehrsministerium erst rund 75 % der Haushalte zur Verfügung, in ländlichen Regionen sogar nur 36 %.

Kritiker machten auf dem Weltbreitbandforum die anfangs ungenügenden Fördersummen und den schleppenden Anlauf der Förderprogramme dafür verantwortlich. Der zuständige Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Förderungen zunächst von den Erlösen aus Frequenzversteigerungen abhängig gemacht und später sukzessive nach oben korrigieren müssen.

Die Situation anderer Länder wurde beim BBWF deutlich. In diesem Forum kommen Telekommunikationsexperten aus aller Welt zusammen, das ermöglicht einen Blick über den Tellerrand und erlaubt interessante Vergleiche.

Anders als die Bundesregierung, die teilweise auf Kupferdrahttechnologien wie Vectoring setzt, verlegen andere Staaten konsequent Glasfaser und das oftmals gleich bis in die Wohnung oder zumindest bis ins Wohnhaus. FTTH oder FFTB heißt diese Technologie, ausgeschrieben „Fibre to the Home“ oder „Fibre to the Building“. Um die Verwirrung zu komplettieren, sind dafür auch andere FTT-Kürzel im Umlauf.

Portugal beispielsweise setzt auf diese Technologie, die das zentrale Thema des BBWF darstellte: „Seit 2007 ist bei uns FTTH im Einsatz, im laufenden Jahr werden wir über 4 Mio. Haushalte angeschlossen haben“, berichtet Luis Alveirinho, Director of Engineering and Network Operations von der Portugal Telecom. Bei rund 10 Mio. Einwohnern Portugals und einer dementsprechend geringeren Anzahl an Haushalten entspräche das einer Abdeckung von 90 %.

Der EU-weite Durchschnitt läge lediglich bei 24 %. Doch Alveirinho verschwieg auch nicht, warum das kleine Land so hervorsticht: „Wir sind ein Niedriglohnland“, sagte er und beschrieb damit zugleich den Hauptkostenfaktor der arbeitsintensiven Verkabelung. Jährlich verlege die Portugal Telecom über 15 000 km Glasfaserkabel. Doch der Aufwand lohnt: „Mit der FTTH-Technologie sind wir für die Gigabit-Gesellschaft bestens aufgestellt.“

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei der Versorgung mit Glasfasern schlecht ab. Doch hier gibt es noch andere Breitbandtechniken über TV-Kabel und Kupfer.

Damit spielt er auf die unter dem Stichwort Gigabit-Gesellschaft festgelegten Breitbandziele der Europäischen Kommission an: Bis 2020 sollen alle EU-Bürger über 30 Mbit/s verfügen und die Hälfte der Haushalte soll sogar auf 100 Mbit/s zurückgreifen können.

Auch im Nachbarland Polen wird laut Jean-Francois Fallacher, Chef von Orange Polska, der polnischen Tochter des französischen Konzerns, massiv auf FTTH gesetzt: „Wir schließen pro Jahr 1 Mio. Haushalte an.“ In Polen treibe der Umstieg auf Internetfernsehen den Bandbreitenbedarf voran. Neben FTTH setze man jedoch für die sogenannte letzte Meile, also die Überbrückung von der Wohnung bis zum Verteilerkasten auf der Straße, vermehrt auf WLAN.

Die drahtlose Funktechnik sei auch in Hongkong eine wichtige Technologie für die letzte Meile, ergänzte Gary McLaren, Cheftechniker vom Hong Kong Broadband Network (HKBN). Er prophezeite: „Die letzte Meile ist drahtlos.“

Im Unterschied dazu ist in Deutschland noch die Variante FTTC, „Fibre to the Curb“‚ also das Verlegen von Glasfaserkabeln bis zu den grauen Verteilerkästen, vorherrschend. Besondere Schwierigkeiten bestehen naturgemäß bei der Glasfaserverkabelung in den ländlichen Regionen, die dort zu überwindenden weiten Strecken sind kostenintensiv. „Probleme entstehen dann, wenn man sich in ländlichen Regionen auf die Marktführer verlässt – dann wird es nie eine Vollabdeckung geben“, ist sich Johannes Feldmann, Projektleiter von Atene Kom, Breitbandprojektträger des Bundesverkehrministeriums, sicher.  

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