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Donnerstag, 21. Februar 2019

Fokus Deutsch-russisches Verhältnis

Charmeoffensive

Von Stephan W. Eder, Christoph Böckmann | 14. Juni 2018 | Ausgabe 24

Jenseits der Sanktionen rollt der Rubel für die deutsche Industrie. Dass jetzt die Fußball-WM gestartet ist, hellt die trübe Stimmung auf.

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Foto: dpa Picture-Alliance/Sputnik/Alexey Filippov

Der Ball rollt wieder. 32 Nationen kämpfen ab sofort um den goldenen Pokal. Vier Wochen herrscht Ausnahmezustand – König Fußball regiert für einen Monat die Welt. Für Gastgeber Russland bietet dieses Event die Möglichkeit, sich von seiner besten Seite zu präsentieren – und so aus dem politischen Abseits zu kommen.

Eine Charmeoffensive kann Russland gut gebrauchen. Der anhaltende Ukrainekonflikt brachte Sanktionen und den Ausschluss aus den damaligen G8-Gipfeltreffen. Der Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal vertiefte die Gräben. Zusätzlich wird Russland vorgeworfen, westliche Wahlen zu manipulieren.

Doch wie soll es nun weitergehen? Deutsche Firmen, die ihre Produkte in die Föderale Republik verkaufen, wollen nicht nur den Ball, sondern auch den Rubel rollen sehen. „Wirtschaftssanktionen lösen keine politischen Probleme – es ist höchste Zeit für mutige Diplomatie!“, fordern die deutsch-russische Außenhandelskammer, der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und der russische Unternehmerverband RSPP.

Nach Angaben der deutsch-russischen Außenhandelskammer investierten deutsche Firmen in Russland seit Jahren in die reale Produktion – so viel wie keine andere Unternehmerschaft. 2017 seien es 1,6 Mrd. € an Netto-Direktinvestitionen gewesen.

Bei Gebrauchsgütern liefert Russland vor allem Öl, Gas und petrochemische Produkte, im Gegenzug schickt die deutsche Industrie einen bunten Produktstrauß nach Osten. Vornean sind es mit fast einem Viertel Maschinen, gefolgt von fast 15 % an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen. Alles in allem ist Deutschland nach China der wichtigste Lieferant für Wladimirs Putins Reich.

Also Schluss mit Sanktionen? „Nein!“, sagt Sabine Fischer, Forschungsgruppenleiterin Osteuropa und Eurasien der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Sie sieht sie weiterhin als nötig an. Sollte die EU von den Sanktionen Abstand nehmen, sieht Fischer die Gefahr, dass sich der Krieg in der Ostukraine weiter verschärfe. Im Übrigen würden die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen für Deutschland überschätzt.

Zumindest was die Energierohstoffe angeht, sollen die wirtschaftlichen Beziehungen ausgebaut statt zurückgefahren werden. Die neue Gaspipeline Nord Stream 2 würde die Kapazität für den Gastransport nach Deutschland verdoppeln. Die Bundesrepublik könnte sich so zu einem neuen Knotenpunkt für die Energieversorgung in der EU entwickeln.

INTERVIEW ZUM THEMA

S20 Bu

„Sanktionen brachten politische Erfolge“

Warum es weiterhin Sanktionen gegenüber Russland braucht und was diese bisher bewirkt haben, erklären Sabine Fischer und Janis Kluge von der Stiftung für Wissenschaft und Politik.