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Donnerstag, 12. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 41

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Automobil

Das Dieseltrilemma

Von Peter Kellerhoff | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Softwareupdates sollen 60 % der Diesel-Pkw sauberer machen. Doch bei der digitalen Orchestrierung von NOx, CO2 und Partikeln zeigen sich Missklänge.

S1 Aufmacher Diesel (2)
Foto: Foto[M]: panthermedia.net/annkozar/nikkytok/VDIn

Die drei verschiedenen Schadstoffemissionen bei Dieselfahrzeugen lassen sich gemeinsam nicht in Einklang bringen.

Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sollen unbedingt vermieden werden. Doch die Ergebnisse des Dieselgipfels mit Vertretern der deutschen Automobilindustrie und der Politik, werden von vielen Seiten als Enttäuschung bezeichnet.

Ein Softwareupdate soll den Stickoxidausstoß bei Euro-5- und Euro-6-Diesel-Pkw um 25 % bis 30 % reduzieren. Abgesehen davon, dass dieses Softwareupdate ältere Dieselautos mit den Abgasgrenzwerten Euro 4 und niedriger außen vor lässt – und damit mehr als 40 % des Dieselbestands von 15 Mio. Fahrzeugen in Deutschland – bleiben die Emissionswerte auch danach um ein Vielfaches über den Grenzwerten, die der Gesetzgeber vorschreibt.

„Die vereinbarten Softwareupdates sind nicht ausreichend“, kritisierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie rechne mit einem Rückgang der Stickoxidemissionen um weniger als 10 %. Das reiche ihrer Ansicht nach nicht aus, um Fahrverbote zu verhindern.

Ein Softwareupdate sei auf jeden Fall besser als nichts, meint Automobilexperte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM). Im Vorfeld des Dieselgipfels hatte er noch „drastische Schritte von Unternehmen und Politik“ gefordert. Dabei sollten die Kosten einer effektiven Nachrüstung von Dieselfahrzeugen oder eine angemessene Kompensation für entstandene Schäden von den Herstellern vollständig übernommen werden. Von einer hardwareseitigen Nachrüstung ist nach dem Gipfel keine Rede mehr. Für Bratzel wäre durch eine Hardwarelösung, etwa durch Katalysatoren, eine deutlich stärkere Stickoxidreduzierung möglich – allerdings auch zu deutlich höheren Kosten.

Bei einer reinen Softwarelösung stehen die Hersteller vor Problemen, die man als Dieseltrilemma bezeichnen könnte. „Man kann einen Dieselmotor innermotorisch nur über die Parameter Partikel, Stickoxide und Verbrauch optimieren. Gemeinsam sind sie nicht optimierbar“, sagt Ralph Pütz, Professor an der Uni Landshut und Geschäftsführer des An-Instituts für angewandte Nutzfahrzeugforschung und Abgasanalytik.

„Wenn ich an einer Stellschraube eine Verbesserung erziele, verändern sich automatisch ein oder mehrere andere Parameter zum Nachteil“, so Fahrzeugexperte Pütz. Zugleich warnt der Landshuter Professor davor, dass der Verbrauch steigen und beim Abgasstrang Verschleißerscheinungen auftreten könnten.

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