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Montag, 22. Januar 2018

Porträt der Woche

Der Integrator auf neuer Mission

Von Peter Steinmüller | 23. November 2017 | Ausgabe 47

Im besten Rentenalter entwickelt sich Arnold Schwarzenegger zum energiepolitischen Gegenspieler von Donald Trump.

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Foto: dpa Picture-Alliance/Britta Pedersen

Mit dem Preis in der Faust: Arnold Schwarzenegger bei der Bambi- Verleihung.

Dank ihm wurde sogar der Wohlfühlpreis für Stars und Sternchen politisch. Als Arnold Schwarzenegger vergangene Woche in Berlin einen Bambi für seine Verdienste um den Umweltschutz erhielt, nutzte Regierungssprecher Steffen Seibert seine Laudatio für einen Seitenhieb auf Donald Trump: Er sei froh, dass Schwarzenegger beim Thema Klimawandel für Amerika spreche.

Arnold Schwarzenegger

Tatsächlich entwickelt sich Schwarzenegger immer stärker zum Gegenspieler des US-Präsidenten. Gerade die Parallelen zwischen beiden machen Schwarzenegger für Trump besonders gefährlich: Er ist populär bei Wählern mit einem Faible für starke Männer, ein Profi im Showbusiness und mehrfacher Millionär. Aber anders als Trump hat Schwarzenegger aktuell viel Zeit für die Dinge, die ihm persönlich wichtig sind. Vor allen Dingen kann er wirtschaftspolitische Erfolge vorweisen, von denen der Lautsprecher im Weißen Haus weit entfernt ist.

In seiner Amtszeit als Gouverneur Kaliforniens in den Jahren 2003 bis 2011 machte Schwarzenegger sich für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen und den Ausbau der erneuerbaren Energien stark. Obwohl die USA das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert hatten, erließ Schwarzenegger ein Gesetz zur Treibhausgasreduzierung, das sich an dem Abkommen orientiert. Mit einem Förderprogramm setzte Schwarzenegger die Energiewende in Kalifornien auf die Spur. In drei Jahren soll ein Drittel der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen.

Es war ein langer Weg vom Wehrdienstleistenden, der 1965 über den Kasernenzaun in Graz kletterte, um in Stuttgart an seinem ersten Bodybuilding-Wettkampf teilzunehmen. Seine Erfolge sicherten ihm den Weg nach Kalifornien, dem Zentrum des Körperkults. 1981, als Schwarzeneggers politisches Idol Ronald Reagan Präsident wurde, durchbrach das Vermögen des Polizistensohns aus Österreich die Millionengrenze. Lange Jahre galt der Superstar, der pro Film 20 Mio. $ kassierte, als die „kulturindustrielle Panzerfaust der Neokonservativen“, so der Philosoph Jörg Scheller.

Doch als die Zeit der übermenschlichen Actionhelden zu Ende ging, fand Schwarzenegger den Weg in die Politik und rückte politisch in die Mitte. Als Gouverneur setzte er auf den Interessenausgleich zwischen den politischen Lagern. Selbst George W. Bush rief den fast 1,90 m großen Integrator zu Hilfe, damit der bei gemäßigten Republikanern für den vom Irakschlamassel bedrängten Präsidenten warb.

Seit der Wahl von Trump verteidigt Schwarzenegger offensiv sein politisches Erbe. Dazu lässt er sich nicht nur bei der Bambi-Verleihung mit Helene Fischer feiern, sondern tritt auch auf der Weltklimakonferenz in Bonn auf (Seite 6). Viel wichtiger als die Kündigung des Pariser Abkommens durch Trump seien die Klimaschutzmaßnahmen der großen US-Bundesstaaten, erklärte Schwarzenegger den begeisterten Zuschauern.

Um seine Botschaften zu verbreiten, setzt der 70-Jährige immer wirkungsvoller auf die sozialen Medien. Vor zwei Jahren beschied er alle jenen, die ihn wegen seiner Ansichten zum Klimawandel auf Facebook mit Schimpfwörtern belegten: „I don’t give a ****!“ Als Trump ihn per Tweet angriff, reagierte er lässig mit einem Video: „Lass uns den Job tauschen. (...) Dann können eine Menge Leute wieder ruhig schlafen.“ Schwarzenegger hat das Zeug zum besten Ex-Präsidenten, den die USA nie hatten.

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