Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. März 2019

Wirtschaft

Der Schwung ist raus

Von Peter Kellerhoff | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Automobilzulieferer erwarten ein schwieriges Jahr 2019. Sie verabschieden sich von Wachstumszielen und kündigen Sparprogramme an.

Bei Continental ist die Stimmung gedämpft: Das neue Jahr habe für den Automobilzulieferer verhalten begonnen, heißt es aus der Vorstandsetage. Doch wie dort sieht es auch bei anderen Automobilzulieferern aus. Nicht nur dieses Jahr fängt verhalten an, auch das vergangene stimmte einige Zulieferer wenig zuversichtlich.

So musste Continental 2018 zweimal Gewinnwarnungen aussprechen. Schaeffler hat sich kürzlich von seiner für das Jahr 2020 geplanten Zielrendite von 12 % bis 13 % verabschiedet und legt ein umfangreiches Sparprogramm auf. Bei Pressenhersteller Schuler war im vergangenen Jahr der Gewinn auf 13,5 Mio. € eingebrochen – nach 67,4 Mio. € im Vorjahr.

Schmierstoffhersteller Liqui Moly sorgte im vergangenen Jahr noch für Schlagzeilen, als jeder Mitarbeiter eine Erfolgsprämie von 11 000 € erhielt. Doch statt um 10 % wuchs das Unternehmen nur um 2 % auf 544 Mio. €, für die Mitarbeiter schrumpfte die Erfolgsprämie auf 2000 €. Bosch wiederum hat mit der Flaute im Dieselgeschäft in Folge des Abgasskandals zu kämpfen. Viele Beschäftigte fürchten um ihre Arbeitsplätze und gehen deshalb auf die Straße. So Mitte der Woche in Stuttgart Feuerbach. Auch Zulieferer ZF erwartet für das Jahr 2019 deutlich weniger Umsatzwachstum als 2018. „Verglichen mit den Jahren zuvor wird 2019 ein schwieriges Jahr“, sagte ZF Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider auf dem Genfer Autosalon.

Das Problem, mit dem alle zu kämpfen haben, liege laut Scheider an den eingetrübten Geschäftsaussichten der gesamten Automobilbranche. Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen, macht gleich mehrere Faktoren dafür verantwortlich. So seien die Nachfragen aus China und der Türkei wegen der Wirtschaftslage und aus dem Iran wegen der US-Sanktionen eingebrochen. Des Weiteren bereite der bevorstehende Brexit der Autobranche ebenso Kopfzerbrechen wie drohende US-Strafzölle.

Während des Genfer Autosalons betonte Dudenhöffer, dass die stärkste Belastung der Nachfragerückgang in China sei: „Der größte Einzelmarkt der Welt ist im vergangenen Jahr erstmals seit 20 Jahren geschrumpft, um 6 %.“ Das spüre jeder. Der Autosalon in Genf leite seiner Ansicht nach ein Jahr der Gewinnwarnungen statt eines der großen Erfolge ein.

Continental arbeitet weiter an der Mitte 2018 angekündigten Neuaufstellung des Konzerns, zu der auch der mögliche Teilbörsengang des Mobilitäts- und Automobilsektors gehören könnte. Für das Geschäftsjahr 2018 sollen die Beschäftigten in Deutschland jeweils rund 750 € Prämie erhalten. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor bekam jeder Mitarbeiter mit 1140 € rund 50 % mehr. Bei Schaeffler wiederum sollen in der Autozulieferersparte rund 900 der insgesamt 55 000 Arbeitsplätze wegfallen, teilte der Konzern vergangene Woche auf seiner Bilanzpressekonferenz mit.

Auch will Schaeffler kleinere Teile des Motoren- und Getriebegeschäfts verkaufen. „Das Problem in der Automotivesparte ist, dass wir ein sehr breites Portfolio haben“, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden uns von einigen Aktivitäten trennen müssen.“ Ein ähnliches Ziel verfolgt Pressenhersteller Schuler – auch er will sich von verlustreichen Geschäftsbereichen trennen und sich auf das rentable Kerngeschäft des Konzerns konzentrieren.

Von Bosch ist zu hören, dass eine generelle Absenkung der wöchentlichen Arbeitszeit für die Betroffenen am Standort Feuerbach auf 30 Stunden ohne Lohnausgleich im Raum stehe. Dagegen fasst es ZF-Chef Scheider noch milde zusammen: „Wir stehen nicht mehr mit Vollgas auf dem Gaspedal.“