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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Maschinenbau

Der Wettbewerb nimmt zu

Von Christoph Böckmann | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Die Chinesen drängen in den Markt. Um ihre Position zu verteidigen, konzentrieren sich deutsche Firmen auf High-Tech-Systemlösungen.

BU_maschbau
Foto: Rainer Weisflog

Die Produktion im deutschen Maschinenbau dürfte im laufenden und im kommenden Jahr um jeweils etwa 2 % ausgeweitet werden.

Gute Nachrichten: Unternehmen investieren wieder in Anlagen und Ausrüstungen. Nach dem mageren vergangenen Jahr legt die Produktion endlich wieder zu. 2017 wird das erwartete Produktionswachstum von 2 % wohl sogar deutlich übertroffen. Auch kommendes Jahr soll die Nachfrage anhalten: Hier werde sich die Produktion noch mal um etwa 2 % ausweiten, schätzen Commerzbank und VDMA in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Branchenreport.

Dass der Wettbewerb zunimmt, stellt die Studie allerdings auch fest. Insbesondere chinesische Produzenten drängen in den Markt. Um ihre Position zu verteidigen, müssten deutsche Maschinenbauer sich deshalb auf High-Tech-Produkte und innovative Systemlösungen konzentrieren. Bei der Digitalisierung sollten die Unternehmen die Vorreiterrolle annehmen, denn sie eröffne neue Geschäftsmodelle.

Sorge bereiten den Unternehmen die politischen Krisen. Der Anteil des Exports liegt bei mehr als 60 % des Umsatzes der deutschen Maschinenbaubetriebe. Zusätzlich trägt die Produktion an Auslandsstandorten immer mehr zur Bedeutung des Auslandsgeschäftes bei. „Auslandsstandorte sind ein wesentliches Element einer zielgerichteten Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie des Maschinen- und Anlagenbaus“, betont Ralph Wiechers, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des VDMA. Der deutsche Maschinenbau ist somit in hohem Maße von der Weltwirtschaft abhängig. Unsicherheitsfaktoren sind die vermehrt auftretenden protektionistischen Tendenzen, der unsichere Verlauf der Brexit-Verhandlungen und die zahlreichen politischen Krisenherde wie Syrien, Nordkorea oder die Ostukraine. Die Folgen des Brexit könnten für die Branche zwar spürbar werden, größere Wirkung könnten jedoch protektionistische Maßnahmen der neuen US-Regierung entfalten, befürchten die Analysten der Commerzbank.

Der Wettbewerb nimmt indes zu, vor allem im Mid-Tech-Segment. Gerade in Schwellenländern gibt es immer mehr lokale Anbieter, die Serienlösungen mit ausreichender Qualität („good enough“-Lösungen) anbieten können. Der Umsatz chinesischer Produzenten hat sich in zehn  Jahren verachtfacht. Auch der High-Tech-Markt ist stärker umkämpft, sodass deutsche Maschinenbauer ihre Wettbewerbsposition durch ständige Innovation, einen Ausbau des After-Sales-Servicegeschäfts sowie durch eine gezielte Internationalisierungsstrategie verteidigen müssen.

Das Angebot von Spezial- und Systemlösungen bietet eine Nische. In einem reinen Preiswettbewerb können deutsche Anbieter kaum bestehen. Daher konzentrieren sich deutsche Maschinenbauer auf technologisch hochwertige Lösungen, bei denen sie auf individuelle Kundenwünsche eingehen können. Dies erfordert eine Modularisierung der Produkte, um individuelle Lösungen effizient produzieren zu können. Der Kunde kann die Basisvariante der Maschine im Planungsprozess um zusätzliche Elemente erweitern. Diese werden standardisiert hergestellt. Neben den Speziallösungen werden deutsche Maschinenbauer vermehrt zu Anbietern von Systemlösungen. Mehrere Maschinen und Komponenten werden in einer Anlage zusammengefasst. Im Zuge der Digitalisierung kommunizieren die Maschinen des Systems zunehmend untereinander, mit dem Werkstück sowie dem Mitarbeiter und gewährleisten so den automatisierten Auftragsdurchlauf.

Digitallösungen zu implementieren wird eine Hauptaufgabe für die Maschinenbauer werden. Dies liegt zum einen daran, dass Prozesse effizienter und damit die Produktion insgesamt kostensparender durchgeführt werden können. Andererseits werden von den Abnehmern verstärkt vernetzte Maschinen nachgefragt. Digitalisierung bedeutet, dass Prozesse in eine für Maschinen verständliche Sprache übersetzt werden. Dies ermöglicht eine Kommunikation über digitale Schnittstellen zwischen Maschinen über Unternehmensgrenzen hinweg. So werden Wertschöpfungsketten zu Wertschöpfungsnetzwerken, erwartet die Commerzbank.

Das Servicegeschäft wird im Rahmen der Implementierung von Industrie-4.0-Anwendungen eine immer größere Rolle spielen. Maschinenbauer bieten mittlerweile nicht nur die eigentliche Maschine an, sondern offerieren vermehrt zusätzliche unternehmensnahe Dienstleistungen. Dazu zählen das (Nach-)Produzieren von Bau- und Ersatzteilen mittels additiver Fertigungsverfahren sowie die vorausschauende Wartung. Dabei werden Big-Data-Auswertungen genutzt, um einen Reparaturbedarf zu erkennen, bevor der eigentliche Schaden eintritt. Darüber hinaus können die Betriebe benötigte Software liefern oder die an der Maschine eingesetzten Mitarbeiter schulen. In Einzelfällen bieten die Unternehmen statt der Maschine selbst inzwischen die entsprechende Funktion an, wobei der Kunde für die Nutzung der Maschine zahlt.

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