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Donnerstag, 21. Februar 2019

Telekommunikation

Deutschland einig Kabelland

Von Jens D. Billerbeck | 17. Mai 2018 | Ausgabe 20

Vodafone will Teile des internationalen Breitbandanbieters Liberty Global erwerben. In Deutschland betrifft das Unitymedia. Noch 2004 wurde ein ähnlicher Deal abgelehnt, doch der Markt hat sich verändert.

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Foto: Reuters/Dado Ruvic/Illustration

Verbunden: Mit dem Erwerb von Unitymedia würde Vodafone fast das gesamte deutsche TV-Kabelnetz, das die Deutsche Telekom ab 2000 verkaufen musste, wieder unter einem Dach vereinigen.

Vodafone will es wissen: Der Telekommunikationskonzern greift tief in die Tasche und will für rund 18,5 Mrd. € Teile des Breitbandanbieters Liberty Global kaufen. Dazu gehört neben Netzbetreibern in Rumänien, Tschechien und Ungarn auch die deutsche Liberty-Tochter Unitymedia. Damit wäre knapp 20 Jahre nach dem erzwungenen Ausstieg der Deutschen Telekom aus dem Kabel-TV-Geschäft wieder ein großer Teil eben dieses Kabelnetzes in einer Hand.

Zur Erinnerung: Zwischen 2000 und 2003 hatte die Deutsche Telekom ihr Kabel-TV-Netz auf Druck der Wettbewerbsbehörden an verschiedene Firmen verkaufen müssen. Die Käufer hießen u. a. Ish, Iesy, Kabel BW und Kabel Deutschland. In den Folgejahren bauten diese das ursprünglich nur zur TV-Verteilung gedachte Netz aus und schufen einen Rückkanal, so dass auch Telefonie und Internet über das TV-Kabel möglich wurden. In verschiedenen Konzentrationswellen entstanden schließlich – neben kleinen, lokalen Netzbetreibern – die beiden Großen: Unitymedia in NRW, Hessen und Baden-Württemberg sowie Kabel Deutschland, seit 2014 unter dem Dach von Vodafone, im Rest des Bundesgebiets.

Mit der geplanten Übernahme greift Vodafone die Deutsche Telekom frontal an, die ihrerseits seit einigen Jahren wieder als TV-Anbieter auftritt, allerdings über das Internet. Entsprechend scharf fiel die Kritik von Telekom-Chef Timotheus Höttges aus, der die Übernahme als „wettbewerbsverzerrend“ bezeichnete: „Ich persönlich werde dafür kämpfen, dass wir im Sinne eines fairen Wettbewerbs für die Kunden alles tun werden, um nicht benachteiligt zu sein“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter sieht das naturgemäß anders: „Wir sind damit in der glücklichen Situation, erstmals ein starker Wettbewerber zur Telekom zu werden.“ Und sein Vorstandskollege Christoph Clément nimmt gleich mögliche Vorwürfe der Monopolbildung im Kabelmarkt aufs Korn: „Es gibt keinen Kabelmarkt“, schreibt er auf der Vodafone-Webseite. Vielmehr gebe es einen Breitbandmarkt in Deutschland. Und da hielte die Telekom mehr als 20 Jahre nach Beginn der Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts noch immer 75 % der Kundenanschlüsse. „Auch gemeinsam kämen Vodafone und Unitymedia lediglich auf 21 %“, stellt Clément klar. Auf dem TV-Markt sieht der Vodafone-Manager ebenfalls keine Gefahr eines Monopols, immerhin sei hier der Satellit mit 46 % Marktanteil die am weitesten verbreitete Infrastruktur.

Das nächste Wort haben nun die Wettbewerbshüter. Im Jahr 2004 hatte das Bundeskartellamt einen ähnlichen Vorstoß der damaligen Kabel Deutschland noch untersagt. Doch hält Clément die Situation von damals für nicht mehr vergleichbar. Denn in Zeiten analogen Fernsehens war der Platz im Kabel knapp, der Markt entsprechend strikt reguliert und es gab weder Telefonie noch Internet im damaligen Kabelnetz. Darüber hinaus sehe man nicht, wo Wettbewerb reduziert werde, „da sich die Kabelnetze von Vodafone und Unitymedia nirgendwo überlappen“.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) fürchtet allerdings genau diese Einschränkung des Wettbewerbs zulasten von Verbrauchern und Unternehmen. Schon heute hätten Bürger und Firmen in einigen Regionen kaum oder keine Wahlmöglichkeiten in puncto Fernseh- oder Breitbandinternet-Angebote. Außerdem beklagt der Verband einen technologischen Rückschritt: „Ähnlich wie die Deutsche Telekom mit Vectoring setzen auch die großen Kabelnetzbetreiber mit ihren Koax-Kabeln auf Kupfer auf der letzten Meile und vermeiden so Investitionen in zukunftssichere, reine Glasfaser“, stellt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers fest.

Der Fachverband Rundfunk- und Breitband-Kommunikation (FRK), die Interessenvertretung kleiner und mittelständsicher Kabelnetzbetreiber aus Handwerk und Wohnungswirtschaft, sieht in der Übernahme dagegen einen Schritt zu mehr Markttransparenz und Ehrlichkeit. Jetzt sei es dringend notwendig, die erforderliche Regulierung und Diskussionen um den freien Zugang zu den Kabelnetzen endlich zu Ergebnissen zu führen. Dazu biete der nun anstehende Genehmigungsprozess durch die Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden ausreichend Gelegenheit.