Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Mittwoch, 20. Februar 2019

Porträt der Woche

Die Frau, die mit dem Watson tanzt

Von Jens D. Billerbeck | 1. November 2018 | Ausgabe 44

Ginni Rometty fädelte den größten Zukauf der IBM-Geschichte ein. Seit fast sieben Jahren führt sie den IT-Dino.

2_Aufmacher (2)
Foto: J. D. Billerbeck

Ginni Rometty, IBM-Chefin, bei der Cebit-Eröffnung im Sommer dieses Jahres.

Virginia „Ginni“ Rometty ist sich der Bedeutung des Augenblicks bewusst: „Wir erleben gerade einen der seltenen Momente, da Technik exponentielle Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft anstößt“, sagte sie Mitte Juni in Hannover vor den Besuchern der Cebit-Welcome-Night. In den darauf folgenden 15 min legte sie dar, wie Big Data und künstliche Intelligenz neue Formen des Lernens eröffnen, wie Technik das Leben des Menschen bereichern kann, ohne ihn in der Arbeitswelt obsolet zu machen. Sie argumentierte, dass bei aller Begeisterung über neue Technologien diese stets transparent und den Menschen erklärbar sein müssen. Vertrauen in die Technik sei ebenso Chance wie Herausforderung.

Ginni Rometty

Rometty hat die Zukunft im Blick und sie freut sich offensichtlich darauf, diese mit ihrem Unternehmen mitgestalten zu können. Denn Rometty ist seit fast sieben Jahren Chefin des Computerpioniers IBM. Der offizielle Titel lautet „Chairperson, President and CEO of IBM“. In dieser Position ist sie die erste Frau in einer Reihe von nur acht Vorgängern, die seit 1911 an der Spitze des Konzerns gestanden haben.

Ginni Rometty, 1957 in Chicago im US-Bundesstaat Illinois geboren, wuchs als Älteste von vier Kindern einer italo-amerikanischen Familie auf. Ihre Eltern trennten sich, als sie 15 Jahr alt war, und so übernahm sie schon früh Verantwortung in der Familie. Später studierte sie an der Northwestern University in Illinois und machte einen Abschluss in Informatik und Elektrotechnik.

Nach Abschluss des Studiums begann sie 1979 zunächst als Praktikantin beim Autohersteller General Motors in Detroit. Dort arbeitete sie in der Software- und Systementwicklung. Nur zwei Jahre später wechselte sie in der Autostadt als Systemtechnikerin zur IBM. Seitdem hält sie dem Technologiekonzern die Treue, in der schnelllebigen IT-Branche durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Nach einigen Jahren in technischen Positionen wechselte Rometty dann ins Management, arbeitete mit Kunden aus den Branchen Versicherung, Finanzen, Telekommunikation und Gesundheitswesen. Schließlich wechselte sie 1991 in die Consulting-Sparte der IBM.

Von vielen Beobachtern gelobt wurde Romettys Einsatz als General Manager der globalen Serviceorganisation, als es im Jahre 2002 darum ging, das Consulting-Unternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) zu kaufen. Vor allem ihr Einsatz bei der Eingliederung der PwC-Berater in die IBM-Organisation fand viel Beachtung.

Bevor die Ingenieurin dann 2012 an die IBM-Spitze berufen wurde, hatte sie mit einem Managementteam an Strategien für die künftige Geschäftsentwickelung mit Perspektiven bis ins Jahr 2015 gearbeitet. Laut einer CNN-Reportage ist es vor allem ihr Verdienst, dass IBM ins Geschäft mit Cloud-Computing einstieg und sich verstärkt um Datenanalyse kümmerte. Sie war demnach auch dafür verantwortlich, dass der Supercomputer Watson nach dem spektakulären Gewinn der Quizshow Jeopardy auch wirtschaftlich punktete.

Als Chefin führte Rometty die IBM dann durch etliche Transformationsprozesse. Ihr Ziel: das Unternehmen langfristig aufzustellen und zukunftsfest zu machen. Dazu wurden auch Geschäftsbereiche abgestoßen, neue Partnerschaften eingegangen und das Geschäft auf Cloud-Computing und künstliche Intelligenz getrimmt. Dass dabei über sechs Jahre lang der Umsatz bei IBM zurückging, brachte ihr auch Kritik ein, doch bis jetzt halten die Aktionäre ihr die Stange. Drei Quartale mit Umsatzwachstum schienen die Trendwende zu bestätigen, doch zuletzt ging es wieder bergab. Jetzt also soll der Kauf des Linux-Spezialisten Red Hat die Position von IBM im Cloud-Geschäft deutlich stärken. Rometty hat eine Zukunft im Blick, in der die Technik eine durchaus positive Rolle für den Menschen spielen soll.