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Samstag, 20. Januar 2018

Kongress

Die Tugenden aus dem Schwarzwald

Von Peter Steinmüller | 21. September 2017 | Ausgabe 38

Die Weltmarktführer aus dem Mittelstand sind für den digitalen Wandel gut gerüstet, zeigen Zahlen des Unternehmensberaters Hermann Simon.

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Foto: Simon Kucher & Partners

Hermann Simon zufolge können Google & Co. den mittelständischen Marktführern wenig anhaben.

Hidden Champions? Das sind diese Bastler aus dem Schwarzwald. Deren Zeit läuft mit der Globalisierung ab“, zitierte Hermann Simon einen anonymen US-amerikanischen Kritiker seines Buches von 1996.

Damals hatte der Unternehmensberater seine erste Untersuchung zu den Hidden Champions vorgelegt, den heimlichen Weltmarktführern aus Deutschland. Es sind häufig mittelständische Familienunternehmen, der breiten Öffentlichkeit unbekannt, die doch mit ihrer Innovationsfähigkeit ihre klar segmentierten Weltmärkte mitbestimmen, weil ihre hochwertigen Produkte nicht einfach durch solche der Konkurrenz ersetzt werden können. Dass diese Weltmarktführer ihre Marktmacht noch ausgebaut haben, zeigte Simon auf dem 3. Hidden Champions Gipfel, zu der seine Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners vergangene Woche nach Frankfurt geladen hatte. Auch sie ist gewachsen: Hinter der Boston Consulting Group liegt Simon Kucher & Partners mittlerweile auf Platz zwei im deutschen Beratungsgeschäft, wie Simon verkündete.

Wie sich die Weltmarktführer der 1990er-Jahre entgegen den Unkenrufe tatsächlich entwickelten, zeigte Simon an den 100 wachstumsstärksten Unternehmen aus dieser Kategorie: Sie wuchsen seit 1995 durchschnittlich um 7 % pro Jahr und erhöhten ihren Umsatz von 600 Mio. € auf fast 3 Mrd. €. Simon stellte drei Erfolgsfaktoren vor: Globalisierung, Innovation und Digitalisierung. Für das globale Agieren nannte Simon beispielhaft den Reinigungsspezialisten Kärcher. Dessen CEO Hartmut Jenner hat sich vorgenommen, dass sein Unternehmen in den nächsten 15 Jahren in den rund 200 Staaten der UNO vertreten sein soll, aktuell sind es 105 Länder. Als Indikatoren für die Innovationskraft zitierte Simon zum einen die Statistik, der zufolge Deutschland bei den Patentanmeldungen pro 1000 Einwohner der letzten zehn Jahre auf Platz drei in Europa liegt. Zum anderen melden die Hidden Champions Simon zufolge pro 1000 Mitarbeiter fünf Mal mehr Patente an als Großunternehmen. Mit rund 2,7 Mio. € pro Patent sind die Kosten bei Großunternehmen zudem um den gleichen Faktor höher, nämlich rund fünf Mal so groß wie bei Hidden Champions.

Auch beim Thema „Digitalisierung“ gab sich der Unternehmensberater optimistisch: Bei industriellen Prozessen sei ein so tiefes Systemverständnis nötig, dass einheimische Unternehmen ihre führenden Positionen in engen Marktnischen wie Maschinenbau und Fertigung ausspielen könnten, was Google & Co. selbst mit ihrer Finanzkraft nicht einkaufen könnten. Auch beim autonomen Fahren lägen die Deutschen bei der Innovationskraft vorne: Mehr als die Hälfte der Patente in dieser Disziplin haben deutsche Firmen angemeldet, bei den Zulieferern sind es sogar drei Viertel.

Dass die Tugenden aus dem Schwarzwald und anderen beschaulichen Gegenden mittlerweile in den USA ernster genommen werden, zeigt eine Studienreise der Harvard Business School: „Die Deutschen sind besessen von Produktivität“, lautete das Fazit der Professoren.

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