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Donnerstag, 21. Februar 2019

Forschungsförderung

„Eine krasse Benachteiligung privater Institute“

Von Bettina Reckter | 13. September 2018 | Ausgabe 37

Privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinstitute sollten bundesweit einheitlich gefördert werden, fordert Ralf-Uwe Bauer, Präsident der Zuse-Gemeinschaft.

VDI nachrichten: Die Zuse-Gemeinschaft sieht sich hinter den Großforschungsverbünden und den Hochschulen als dritte Säule in der Forschungslandschaft. Wie steht der Verband heute da?

Foto: TITK / André Kranert

Ralf-Uwe Bauer: Die Zuse-Gemeinschaft hat sich vor drei Jahren gegründet, weil privatwirtschaftlich organisierte Forschungsinstitute in Deutschland keine bundesweit einheitliche Unterstützung erfahren. Sie wollten eine Plattform schaffen, um deutlich zu machen, welchen Beitrag sie für den Forschungstransfer in den Mittelstand zu leisten imstande sind.

Ralf-Uwe Bauer

Und? Ist dies gelungen?

Als Verband sehen wir uns mit mehr als 70 Mitgliedern in zwölf Bundesländern gut aufgestellt. Unsere bundespolitischen Ziele aber haben wir noch nicht erreicht.

Woran liegt das?

Die jetzige Koalition hat in ihrem politischen Programm verankert, wie Deutschland auf Wachstumskurs gebracht werden soll. Das geht nur über eine Steigerung der Arbeitsintensität. Dazu braucht es ein hohes Bildungsniveau, dann Investitionen, um die Produktivität zu steigern, und – besonders wichtig – Forschung und Entwicklung, um zu neuen Produkten, Technologien und Dienstleistungen zu gelangen.

Dafür sind wir die richtigen Partner. Allerdings gibt es für unsere Institute noch kein einheitliches Förderkonstrukt. Was fehlt, ist die konkrete Umsetzung der im Koalitionsvertrag angesprochenen Punkte u. a. zum Technologietransfer.

Was bedeutet das?

Momentan ist es – je nach geografischer Lage – eher Zufall, ob man für bestimmte Förderprogramme infrage kommt. Hinzu kommt eine Ungleichbehandlung der privatwirtschaftlich organisierten Institute beim Zugang zu Förderprogrammen. Beides zusammen ist eine krasse Benachteiligung.

Was fordern Sie von der Politik, um diesen Missstand zu beheben?

Wir benötigen einen eigenen Haushaltstitel für die Unterstützung der Basisförderung privatwirtschaftlich organisierter Institute. Das wichtigste Thema ist die Unterstützung marktvorbereitender Forschung. Diese mündet ja meist innerhalb von drei bis fünf Jahren in ein neues Produkt oder eine neue Technologie. Damit wir hier weiter erfolgreich sein können, brauchen wir erstens Geld für die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Exzellenz und die Erschließung industrienaher Technologiefelder sowie zweitens Mittel für Investitionen.

Ganz konkret: Wie stark müsste die Finanzspritze sein?

Auf der jetzigen Basis kalkulieren wir für den ersten Punkt 200 Mio. € pro Jahr – natürlich auch für die Institute, die sich der Zuse-Gemeinschaft noch nicht angeschlossen haben. Für Investitionen in Gebäude und Maschinen veranschlagen wir dann noch mal etwa 300 Mio. € pro Jahr.

Wie würden die Gelder verteilt?

Man muss nichts Neues erfinden: Es gibt bereits eine gute Modelllösung. In strukturschwachen Regionen hat sich das Förderprogramm „Innovationskompetenz – Inno-Kom“ bewährt. Das müsste man nur deutschlandweit öffnen, damit im Sinne der Fairness Forschungsinstitute unabhängig vom Standort zum Zuge kommen können.

Am 20. September findet der Zuse-Tag statt. Wie kann das Event helfen, Ihre Ziele zu erreichen?

Unsere Institute planen vielfältige Aktivitäten an rund 30 Standorten quer durch die ganze Republik. Es wird eine bunte Leistungsschau – von Biotechnologie und Ernährungsforschung über Medizintechnik und Textilien bis zu Mikrosystem- und Werkzeugtechnik. Von der vernetzten Stickmaschine bis zum Blockchain-Demonstrator zeigen die Institute, was in ihnen steckt. Wir wollen klar machen: Die Zuse-Gemeinschaft verdient Wertschätzung. In Wirtschaft und Gesellschaft ist das angekommen, in der Bundespolitik bleibt noch viel zu tun.