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Donnerstag, 21. März 2019

Politik

Erweiterte Horizonte

Von Bettina Reckter | 14. Juni 2018 | Ausgabe 24

Derzeit entwirft Brüssel den Rahmen für die EU-Forschungsförderung ab 2021. Die Pläne Deutschlands zeigt der jetzt vorgelegte „Bundesbericht Forschung und Innovation“.

Forschung (2)
Foto: Cern

Großforschung, wie die Entwicklung einer Weltmaschine, funktioniert nur als Gemeinschaftsprojekt. Am Cern in Genf sind 22 Mitgliedsstaaten beteiligt.

Blick nach vorne und dann immer Richtung Horizont. So könnte der Marschbefehl der EU-Kommission lauten. Sie diskutiert derzeit in Brüssel über die Ausrichtung der künftigen Forschungspolitik. Anlass ist das 9. Forschungsrahmenprogramm, das die Förderstrategien der Europäischen Union von 2021 bis 2027 bündeln soll. Getauft wurde es auf den Namen „Horizon Europe“. Klingt so ähnlich wie sein Vorgänger „Horizon 2020“.

Doch anders als beim noch geltenden 8. Rahmenprogramm will die Kommission dann richtig tief in die Tasche bzw. in die Töpfe des EU-Haushalts greifen: Von einem Fördervolumen in Höhe von fast 100 Mrd. € ist die Rede. Das wäre erheblich mehr als der aktuelle Finanzrahmen von rund 77,5 Mrd. €.

„Investitionen in Forschung und Innovation sind Investitionen in Europas Zukunft“, weiß auch Vizekommissionspräsident Jyrki Katainen. So hofft die EU-Kommission, am Ende der Laufzeit des 9. Rahmenprogramms bis zu 100 000 Arbeitsplätze in der Forschung geschaffen zu haben.

Auch bei „Horizon Europe“ sollen Forschungsprojekte finanziert werden, die sich dem Kampf gegen Krebs und gegen Plastikmüll in den Weltmeeren widmen. Und es geht um Arbeiten an Großforschungseinrichtungen. Etwa am Cern in Genf, der europäischen Organisation für Kernforschung. Riesige Teilchenbeschleuniger stellen dort den Urknall des Universums nach und untersuchen den Aufbau der Materie.

Die EU will zudem hochrisikoreiche Innovationen und deren Transfer in marktfähige Produkte pushen. Gelingen soll das über einen neu zu schaffenden europäischen Innovationsrat. Die Idee fußt auf der Beobachtung, dass Europa zwar gute Grundlagenforschung betreibe, aber die PS nicht auf die Straße bringe. So formulierte es kürzlich Dietmar Harhoff, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation. Er fordert allerdings eine klare Abgrenzung der Tätigkeiten des neuen Rates von bereits bestehenden Programmen.

Für Zukunftsthemen brauche es ambitionierte Budgets, kommentiert Bundesforschungsministerin Anja Karliczek die Nachricht aus Brüssel. „Damit Europa im harten globalen Wettbewerb weiter die Nase vorn hat, brauchen wir beste Bedingungen für Bildung, Forschung und Innovation.“

Horizon Europe könne dazu einen Beitrag leisten: „Das neue europäische Forschungs- und Innovationsprogramm soll Türen für ein besseres Morgen aufstoßen“, fordert die Ministerin. An der Ausgestaltung wolle sich die Bundesregierung gerne beteiligen.

Zwei Tage vor den Brüsseler Aktivitäten, am vergangenen Dienstag, hatte Karliczek in Berlin ihren Fahrplan für die Forschungsförderung in Deutschland vorgestellt. Einen Schwerpunkt im „Bundesbericht Forschung und Innovation 2018“ machen Bildung und Weiterbildung aus. Für den DigitalPaktSchule halte der Bund in der aktuellen Legislaturperiode 3,5 Mrd. € bereit, 2019 sollen noch 1,5 Mrd. € hinzukommen.

Neue Analysetechniken für „Smart Data“ und Technologien für die vernetzte industrielle Produktion hat die Bundesforschungsministerin außerdem auf dem Schirm – agile Logistik und Servicerobotik, 3-D-Druck und 3-D-Bildverarbeitung will sie ebenso fördern wie die Forschung, Entwicklung und Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI).

Deutschland sei ein attraktiver Wissenschaftsstandort. „Wir sind einer der weltweiten Innovationsführer“, betonte die Forschungsministerin. Doch das Umfeld wandelt sich. Aufstrebende Schwellenländer wie China, Südkorea und Singapur ziehen als starke Innovationsakteure nach. Mit dem Brexit werde die Verantwortung Deutschlands innerhalb der EU noch steigen – auch in Bezug auf Forschung und Entwicklung (F&E).

Die Bundesregierung habe sich auf das 3,5-%-Ziel für die F&E-Quote am Bruttoinlandsprodukt geeinigt, meint Anja Karliczek. Dieses Ziel soll gemeinsam mit der Wirtschaft bis zum Jahr 2025 erreicht werden. Die Einführung einer steuerlichen F&E-Förderung könne dazu beitragen. Bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung ihren Blick auf wissenschaftliche Horizonte in Zukunft wie versprochen schärfen kann.