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Mittwoch, 24. Januar 2018

Gründer

Es fehlt an Helden!

Von Stefan Asche; Christoph Böckmann | 19. Oktober 2017 | Ausgabe 42

Startkapital und Know-how gibt es genug. Trotzdem heben in Deutschland kaum Marktführer ab. Eine Spurensuche.

S1 Start up BU
Foto: panthermedia.net / Valeriy Kachaev

Durchstarten ist für Gründer in Deutschland relativ leicht. Höhere Umlaufbahnen erreichen sie aber nur selten. Was fehlt, sind Mut und finanzielle Booster.

Beinahe alle disruptiven Geschäftsmodelle der letzten Jahre haben ihren Ursprung in den USA. Beispiele sind Google, Facebook, Amazon, Uber, Tesla. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Und in Deutschland? Warum starten bei uns so wenige weltverändernde Wachstumsraketen?

Ganz sicher liegt es nicht an mangelndem Startkapital. Angesichts des beinahe ausufernden Angebots sah sich das Bundeswirtschaftsministerium schon vor Jahren genötigt, einen Förderlotsen zu kreieren. Das Webtool lenkt Jungunternehmer aller Branchen nun ohne Umwege zu sprudelnden Geldquellen.

Auch liegt es nicht an fehlender Bildung. Einschlägige Lehrstühle, an denen man das grundlegende Handwerkszeug lernen kann, schießen wie Pilze aus dem Boden. „Es gibt wohl keine BWL-Fakultät in Deutschland mehr, die das Thema nicht aufgreift“, unterstreicht Jörn Block, Präsidiumsmitglied im Förderkreis Gründungs-Forschung (FGF). Und wer technologisches Fachwissen sucht, rennt bei verschiedenen Forschungseinrichtungen offene Türen ein. Alternativ kann er bei kooperationswilligen Firmen anklopfen. „Es gibt eine große Aufgeschlossenheit seitens des Mittelstands und der Großunternehmen“, sagt Michael Brandkamp, Geschäftsführer des halbstaatlichen Hightechgründerfonds. Viele gestandene Chefs hießen Jungunternehmer gerne willkommen, um frischen Wind in die eigenen Werkshallen zu bringen.

Die Defizite des Gründerstandortes Deutschland liegen also woanders. Frank Thelen, erfolgreicher Serial Entrepreneur und Investor in der TV-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“, behauptet: „Es fehlt an Helden!“ Gemeint sind mutige High-Potentials, die sich in das Abenteuer einer Unternehmensgründung stürzen, statt es sich im gut bezahlten Angestelltenverhältnis bequem zu machen.

Laut Thelen mangelt es außerdem an kompetenten Eigenkapitalgebern für spätere Unternehmensphasen und innovative Technologien. „Es gibt nur wenige Wagnisfinanzierer, die sich an wirklich neue Themen herantrauen.“

In eine ähnliche Richtung schießt der jüngste „Deutsche Startup Monitor“ (DSM). Nach den am Montag veröffentlichten Ergebnissen bekommen nur 16 % der Gründer Venture Capital. Befragt wurden über 4250 Jungunternehmer, die sich mit einer innovativen Technologie oder einem skalierbaren Geschäftsmodell am Markt versuchen.

Tanja Rosendahl von der Beratungsgesellschaft Network Corporate Finance bringt es auf den Punkt: „Es fehlt an Venturefonds in Europa.“ Während es für Start-ups am Anfang relativ einfach sei, mit überzeugendem Geschäftsmodell ein paar Hunderttausend Euro einzusammeln, würde die Luft deutlich dünner, wenn es darum ginge, mit Millioneninvestments die Modelle richtig hochzufahren.

Helfen könnte laut Thelen die Politik. Sowohl Gründer als auch Finanzierer müssten in den Genuss eines vereinfachten Steuersystems kommen.

Eine weitere Forderung kommt vom Bundesverband Deutsche Startups (BVDS). Vorsitzender Florian Nöll pocht auf ein „bedarfsorientiertes Einwanderungsgesetz“ für Deutschland. Hintergrund: Jedes dritte Jungunternehmen habe Schwierigkeiten, IT-Spezialisten aus dem außereuropäischen Ausland einzustellen.

INTERVIEW ZUM THEMA

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„Wir brauchen mehr Helden!“

Frank Thelen über Defizite am Gründerstandort Deutschland und den Bildungsauftrag der Löwen

 

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