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Mittwoch, 20. Februar 2019

Internet

Frankreichs Suche

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Auf ihrem Expansionskurs profitiert die französische Suchmaschine Qwant von den strengen europäischen Datenschutzregeln. Im Gegensatz zu Google.

Europäische Internetdienste, deren Geschäftsmodell nicht auf der Vermarktung personenbezogener Daten beruht, könnten von dem strengen europäischen Datenschutz profitieren. Dem in Frankreich gegründeten Suchdienst Qwant gelang es in den letzten Monaten, sich in den Schulen, Behörden und sogar im französischen Militär zu etablieren. 90 % der französischen Kommunalverwaltungen sind inzwischen zu Qwant gewechselt. Der Dienst, der keine personenbezogenen Daten monetarisiert, wird dort inzwischen als Standardsuche verwendet. Das gilt seit letzter Woche auch für den Luftfahrtkonzern Safran.

Der neue Deutschlandchef von Qwant formuliert es so: „Uns gehören nicht die Daten, wir vermitteln nur. “ Wolf Hisserich ist überzeugt: Die Entscheider in den Behörden hätten Qwant als funktionierende Alternative zu Google anerkannt. In Frankreich hat Qwant bereits 160 Mitarbeiter, in Deutschland sind es in Frankfurt/Main bis jetzt nur fünf.

In die Serverinfrastruktur nebst KI, die die Qualität des Index verbessern soll, flossen hohe Millionenbeträge. Hisserich soll nun Qwant in Deutschland nicht nur bekannter machen, sondern auch Partner und Investoren gewinnen, um weitere Servercluster auch in der Schweiz und Österreich aufzubauen.

Partner in Deutschland sucht Qwant zunächst im Bereich „vernetztes Fahren“: Dabei sollen über die ID des Fahrzeugs lokale Konsumangebote etwa Restaurants vermittelt werden, aber auch der im Fahrzeug getätigte Medienkonsum soll sich künftig für die Automobilhersteller auszahlen. In den nächsten Monaten will Hisserich mit allen deutschen Automobilherstellern Kooperationsmöglichkeiten sondieren. Volkswagen z. B. hat sich noch nicht für einen Suchanbieter entschieden. In Frankreich hat Qwant Renault allerdings nicht überzeugen können. Der Autobauer entschied sich für Google. Ein kleiner Eklat folgte, als Qwant daraufhin seine Teilnahme am Pariser Autosalon absagte.

Mit dem Axel-Springer-Verlag ist bereits ein großes deutsches Unternehmen mit an Bord. In der News-Suche finden sich bereits Beiträge aus den verschiedenen Medienangeboten des Verlags, der sich in Deutschland und in der Europäischen Union für das Leistungsschutzrecht – und damit dem Schutz vor Zugriffen von Suchmaschine auf verlegerische Leistungen – einsetzte.

Bei der News-Suche von Qwant wird der Verlag denn auch an den Werbeeinnahmen beteiligt. Hisserich will in den nächsten drei Monaten weitere Verlage mit einem „Fair Share“-Konzept gewinnen. Google hingegen spielt mit dem Gedanken, die News-Suche wegen des Leistungsschutzrechts einzustellen. Der US-Konzern beherrscht den europäischen Suchmaschinenmarkt, doch das Datenschutz- und Wettbewerbsrecht greift allmählich. Qwant hingegen wirbt für sich als Suchmaschine, „die Ihre Privatsphäre respektiert“. Sie kommt ohne Cookies aus, gibt das Unternehmen in seinen Datenschutzbestimmungen an. Sie nutze auch keine Techniken wie Pixel oder digitale Fingerabdrücke, mit denen individuelles Suchverhalten verfolgt werden und ein personenbezogenes Profil angelegt werden kann.

Das regulatorische Umfeld stützt das: Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat Google kürzlich zu einer Strafe von 50 Mio. € verdonnert. Das ist die bisher größte Strafe im Zusammenhang der seit Mai 2018 greifenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Sie ist aber relativ niedrig im Vergleich zu den Milliardenstrafen, die die EU-Kommission bereits verhängt hat. Erst 2018 hatte die Kommission die Bündelung von Google-Apps und dem Play Store auf der Smartphone-Plattform Android untersagt und eine Strafe von 4,3 Mrd. € verhängt. 2017 ordnete die EU-Kommission eine Rekordstrafe von 2,4 Mrd. € wegen Googles Produktsuche an. In den kommenden Wochen wird eine Entscheidung der EU-Kommission zum Google-Werbedienst „Adsense for Search“ erwartet.