Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Samstag, 23. Februar 2019

Porträt der Woche

„Früher war der Ingenieur oft ein Tüftler“

Von Rolf Müller-Wondorf | 7. September 2017 | Ausgabe 36

Manfred Weck wird am 8. September mit dem Aachener Ingenieurpreis ausgezeichnet.

2_Portrait (2)
Foto: RWTH Aachen/Peter Winandy

Manfred Weck erhält am 8. September den Aachener Ingenieurpreis.

Maschinenbaustudenten der RWTH Aachen verbinden seinen Namen heute vor allem mit einem Gebäude auf dem Gelände des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der Hochschule, das nach ihm benannt wurde. Und auch heute ist Manfred Weck, obwohl bereits seit 2004 emeritiert, noch regelmäßig in dem Bau anzutreffen, dessen Entstehen er als Leiter des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen forciert hatte. Für sein Engagement wird der Maschinenbauprofessor und ehemalige WZL-Direktor am 8. September im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit dem Aachener Ingenieurpreis 2017 ausgezeichnet.

Zur Person: Manfred Weck

„Manfred Weck hat mit seinem Wirken wesentlich zum Verständnis und zur Verbesserung der Werkzeugmaschine beigetragen, die das Zentrum der industriellen Produktion bildet. Er hat sie bis in die kleinsten Funktionsmechanismen erforscht“, begründet RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg die Verleihung.

Dabei verlief der Weg des designierten Preisträgers aus dem elterlichen Betrieb, der Firma Gustav Weck in Solingen, in das Aachener Hochschulinstitut keinesfalls geradlinig. Denn nach dem Willen seiner Eltern sollte Weck nach Abschluss einer Lehre als Werkzeugmacher in den Solinger Produktionsbetrieb für Chirurgie-Instrumente, der übrigens im Jahr 2007 den Betrieb einstellte, einsteigen. Doch Weck entschloss sich, stattdessen die Ingenieurschule in Iserlohn zu besuchen und sich anschließend für Maschinenbau in der Fachrichtung Fertigungstechnik an der TH Aachen einzuschreiben. Bereits nach drei Jahren erwarb er dort im Jahr 1966 sein Diplom und promovierte später am WZL.

Der Aachener Ingenieurpreis

Nach einem kurzen Abstecher in die Industrie - ab 1971 als Geschäftsführer Technik bei der Firma Wolf-Geräte in Betzdorf - wurde Weck 1973 Institutsleiter an der Aachener Hochschule. In dieser Funktion baute er gemeinsam mit den weiteren WZL-Direktoren Walter Eversheim, Wilfried König und Tilo Pfeifer nicht nur das WZL weiter aus, sondern auch das 1980 gegründete Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT. An diesem trieb Weck vor allem den Leichtbau für hochdynamisch bewegte Maschinenstrukturen und die Ultrapräzisionsfertigung insbesondere für optische Anwendungen, voran.

Während seines Berufslebens hat Weck zahlreiche technische Innovationen aktiv begleitet. Von den ersten Schritten der Digitalisierung mittels Lochkarten bis hin zu Mikroprozessrechner-gesteuerten Maschinen. So stand die europaweit erste numerisch gesteuerte Maschine in Aachen am WZL. „Die Werkzeugmaschine ist heute ein hochpräzises Hightech-Gerät. Dank umfassender Berechnungs- und Simulationstechniken ist man jetzt dazu in der Lage, die Fertigungszeit und Qualität der auf der angedachten Maschine zu fertigenden Werkstücke zu beschreiben, obwohl die Maschine überhaupt noch nicht existiert“, erklärt Weck. „Früher mussten aufwendige Modelle der geplanten Maschine konstruiert, gebaut, getestet und optimiert werden, bevor dann der erste Prototyp erstellt wurde, der seinerseits häufig noch weitere Optimierungsschleifen zu durchlaufen hatte.“

In dieser Zeit, so Weck weiter, sei der Ingenieur noch eher ein Tüftler gewesen. Dennoch sieht er klar die zahlreichen Vorteile der Digitalisierung, die ebenfalls auf die Kreativität und das Wissen des Ingenieurs angewiesen sei: „Der Konstrukteur muss nach wie vor die entscheidende Idee haben“, betont Manfred Weck. Allerdings seien weitere Aspekte hinzu gekommen, die einen guten Ingenieur ausmachen: „Beispielsweise die Verantwortung für die spätere umweltverträgliche Anwendung seines Werks.“ Des Weiteren seien die Beherrschung des Kosten- und Zeitmanagements, das Wissen über Normen und Gesetzesvorgaben, Mitarbeiterführung und Teamfähigkeit wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Wirken.

Nach Ansicht seiner Wegbegleiter hat Weck diese Ansprüche selbst stets erfüllt. „Mit ihm Industrieprojekte gemeinsam zu akquirieren, war immer Freude und Herausforderung zugleich. Wenn er den Bedarf an eine Maschine geschildert bekam, ließ er sich sofort die technische Zeichnung kommen, beugte sich darüber und zeichnete so eben eine konstruktive Lösung ein“, erinnert sich der aktuelle WZL-Geschäftsführer Günther Schuh an die gemeinsame Vergangenheit mit dem designierten Preisträger.

Bei all seinem Engagement hat Weck, der übrigens am 20. November dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiern wird, stets für einen Ausgleich abseits des Berufslebens gesorgt. In jungen Jahren war er ein guter Geräteturner, entspannt sich noch heute beim Tennis, wandert, spielt Klavier und gilt als leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Und wenn er es einmal ganz ruhig angehen lassen will, entspannt er sich gerne in seinem großen Garten, die Koikarpfen beobachtend, die dort im Teich ihre Bahnen ziehen.