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Mittwoch, 20. Februar 2019

Großprojekte

Fünfte Schleusenkammer im Verzug

Von Fabian Kurmann | 18. Oktober 2018 | Ausgabe 42

Bei der Erweiterung der Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal gibt es Probleme.

BU Probleme beim NOK
Foto: Aufwind-Luftbilder/Visum

Der Nord-Ostsee-Kanal bekommt eine fünfte Schleusenkammer, die den Transit beschleunigen soll. Bis es schneller geht, müssen Reeder nun aber noch länger warten.

Der Bau der fünften Schleusenkammer am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel verzögert sich deutlich und wird voraussichtlich um mindestens 260 Mio. € teurer als zuletzt geplant. Dies geht aus einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor. Demnach kalkuliert das Ressort nunmehr mit Gesamtkosten von 800 Mio. € und einer Freigabe für den Verkehr frühestens im Jahr 2024. Ursprünglich sollte die neue Kanalschleuse im zweiten Halbjahr 2020 fertig sein.

Mit der neuen Schleuse soll der Verkehr durch den Kanal reibungsloser ablaufen. In der Vergangenheit musste die knapp 100 km lange künstliche Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel öfter gesperrt werden, weil die über 100 Jahre alten Schleusen defekt waren.

Das Bundesministerium verweist beim Bau auf technische Probleme und Rechtsstreitigkeiten, die das Vorankommen behindern und die Kosten treiben. Zunächst waren 485 Mio. € für den Bau der Schleuse selbst und 55 Mio. € für vorbereitende und begleitende Bauarbeiten eingeplant. „Aus den bereits eingetretenen und noch zu erwartenden Verzögerungen ergibt sich aus heutiger Sicht die Verkehrsfreigabe ab 2024“, resümiert das Ministerium. Zu den Hauptgründen zählten unvorhersehbare, umfangreiche Sondierungen und Räumungen von Kampfmitteln sowie Anpassungen der Rückverankerungen für die Kammersohle und -wände in einem schwierigen Baugrund.

Der Bundesrechnungshof hat in seinem Bericht den Sachstand des Bauprojekts als bedenklich bewertet. Die Behörde führte technische Probleme, Verzögerungen und eine unklare Entwicklung der Kosten an.

Konkret kam der Rechnungshof zum Schluss, die dauerhaft tragfähige Verankerung der Schleuse mit sogenannten Düsenstrahlpfählen (s. VDI nachrichten 11/2018) sei mit Risiken behaftet.

Die Funktion der Düsenstrahlpfähle solle 100 Jahre erhalten bleiben, aber Langzeiterfahrungen mit dieser Verankerungstechnik lägen bisher gar nicht vor. Substanzen im Grundwasser könnten die Betonoberfläche der Düsenstrahlkörper schädigen, schreibt die Institution.

Weiter seien bei Wasserbauwerken dieser Art Unwägbarkeiten üblich, so der Rechnungshof. „Nach bewährter ingenieurwissenschaftlicher Vorgehensweise sollte diesen allerdings mit auf der sicheren Seite liegenden Annahmen begegnet werden.“ Das Ministerium habe dagegen die Anforderungen an die Rückverankerung reduziert. Damit nehme es in Kauf, dass die fünfte Kammer – „gemessen an der angenommenen Nutzungsdauer des Bauwerks von 100 Jahren – vorzeitig saniert werden muss oder nicht mehr betrieben werden kann.“

Der Rechnungshof bezweifelt weiter in dem Bericht, „dass das BMVI (Bundesverkehrsministerium) unter diesen Voraussetzungen überhaupt in der Lage ist, seine Bauprojekte im Bereich der Bundeswasserstraßen zu steuern“.

Mit Material von dpa.