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Samstag, 16. Februar 2019

Strategie

Grüne Offensive eines Chemieriesen

Von Bettina Reckter | 6. Dezember 2018 | Ausgabe 49

BASF will mit nachhaltigen Produkten massiv wachsen und zugleich seine CO2-Emissionen auf dem derzeitigen Stand halten.

S6 Aufmacher (2)
Foto: BASF SE

Digitalisierung wird bei BASF großgeschrieben. Bis 2022 sollen die Prozesse in mehr 350 Anlagen weltweit digitalisiert sein.

Die BASF will grüner werden. Für seine strategische Neuausrichtung hat das führende Chemieunternehmen der Welt mit Stammsitz in Ludwigshafen jetzt ein Carbon-Management-Programm aufgelegt. Darin verpflichtet es sich, die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf dem Niveau von heute konstant zu halten – „trotz eines angestrebten deutlichen jährlichen Produktionswachstums“, versprach Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender und Technologiechef der BASF, Ende November in Ludwigshafen.

Foto: BASF SE

Martin Brudermüller, CEO von BASF.

Angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen seit 1990 trotz Verdopplung der Produktion seinen Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) halbiert habe, sei das in seinen Augen ein sehr ambitioniertes Ziel, meint Brudermüller. Er weiß aber auch, woran es noch hapert: „Wir haben noch gar nicht die Technologien dafür, massiv CO2 einzusparen. Die müssen wir jetzt ganz schnell entwickeln“, sagt der CEO.

Klappen soll das zum einen dadurch, dass – wo immer möglich – auf erneuerbare Energien umgestellt und die Steuerung, Effizienz und Integration der Anlagen verbessert wird. Zum anderen will die BASF ab 2025 rund 22 Mrd. € Umsatz pro Jahr, also etwa ein Drittel des aktuellen Umsatzes, mit Accelerator-Produkten erzielen. So nennt das Unternehmen Erzeugnisse, die einen substanziellen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette leisten.

Mit einem Projekt zum chemischen Recycling hat sich der Konzern etwas Neues einfallen lassen. Viele Kunden der BASF hätten sich, so der Forschungschef, verpflichtet, mehr recyceltes Material in ihren Produkten einzusetzen. Nun wollen die Ludwigshafener im Rahmen des Projekts ChemCycling recycelten Kunststoffabfall durch thermochemische Verfahren in Rohmaterialien umwandeln und wieder einspeisen.

„Die Eigenschaften der so erzeugten Verkaufsprodukte unterscheiden sich nicht von denen, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden“, erklärt Brudermüller. Kürzlich wurde dafür das erste aus Kunststoffabfällen gewonnene Pyrolyseöl im Verbund in Ludwigshafen eingesetzt.

Eine wichtige Rolle in der Wachstumsstrategie der BASF spielt der asiatische Markt. China ist mit einem Anteil von über 40 % am Weltmarkt der größte Chemiemarkt und bestimmt das Wachstum der globalen Produktion von Chemikalien. Bis 2030 werde der Anteil Chinas auf knapp 50 % wachsen, ist Hans-Ulrich Engel, Finanzchef der BASF, überzeugt. „Und wir wollen daran partizipieren“, sagt er.

Mit dem neuen Verbundstandort Zhanjiang in der Provinz Guangdong sowie mit der Erweiterung des Standorts Nanjing erhofft man sich, das Wachstum in diesem dynamischen Markt maßgeblich voranbringen zu können. „Wir glauben an China“, formuliert es Brudermüller, der selbst zehn Jahre dort gelebt hat. Er hegt keine Zweifel, dass sich China langfristig auf dem Erfolgspfad befindet.

Mit einem neuen Exzellenzprogramm, das in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden soll, will der Chemiekonzern ab Ende 2021 einen jährlichen Ergebnisbeitrag von 2 Mrd. € erbringen. Das Programm umfasst Maßnahmen in den Bereichen Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung sowie Aktivitäten für Digitalisierung und Automatisierung.

Gerade im Bereich Digitalisierung haben die Ludwigshafener einiges vor. So wollen sie Prozesse und Investitionsideen zunächst mit geringem Kostenaufwand am Rechner simulieren. Dafür werden die Mitarbeiter bereits durch Augmented-Reality-Lösungen im Betriebsalltag unterstützt. Bis 2022 will BASF die Prozesse in mehr als 350 Anlagen weltweit digitalisieren.

Auch bei der Anlagensicherheit hat sich der Chemieriese einiges vorgenommen. In der Vergangenheit habe es zu viele Anlagenausfälle gegeben, gibt der Vorstandschef zu. Dabei sei Anlagenbau immer der Stolz der BASF gewesen – und solle es wieder werden. Gerade erst musste am Stammsitz in Ludwigshafen, dem größten und wichtigsten Standort, wie Brudermüller betont, wegen Niedrigwasser des Rheins eine neue milliardenschwere Anlage für Toluoldiisocyanat (TDI) gestoppt werden. Das Wiederanfahren der Anlage hänge von der weiteren Entwicklung des Rheinpegels ab, heißt es. Immerhin 40 % seiner Güter transportiert BASF per Schiff.