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Dienstag, 23. Januar 2018

Forschung

Hohe Innovationsrate in der chemischen Industrie

Von Bettina Reckter | 31. August 2017 | Ausgabe 35

Die Ausgaben deutscher Chemieunternehmen für F&E erreichten im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 10,8 Mrd. €.

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Foto: BASF SE

Neue Verfahren der Fermentation werden zunächst in Reaktoren im Technikumsmaßstab erprobt.

Die Lage der deutschen Chemieindustrie ist zurzeit äußerst positiv. „Wir erwarten auch für die zweite Jahreshälfte anhaltend gute Geschäfte im In- und Ausland“, kommentierte Kurt Bock, Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), kürzlich die wirtschaftliche Entwicklung der Branche in diesem Jahr. Ihren Umsatz konnten die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie, die vor allem vom Mittelstand geprägt ist, im ersten Halbjahr 2017 um rund 5 % auf knapp 100 Mrd. € steigern.

Zudem scheint Deutschland ein guter Standort zu sein, wenn es darum geht, aus Ideen Innovationen zu entwickeln. „Aber er gehört nicht zur absoluten Spitze im internationalen Innovationswettbewerb“, kritisierte Thomas Wessel, VCI-Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung, vergangene Woche in Frankfurt am Main.

Derzeit auf Platz vier der weltweiten Chemie- und Pharmaforschungsstandorte liegt Deutschland – hinter den USA, China und Japan. Dafür sind im vergangenen Jahr rund 10,8 Mrd. € in Forschung und Entwicklung (F&E) der Branche flossen. Damit lagen die Investitionen hier um rund 4 % höher als im Vorjahr. Und im laufenden Jahr werde das F&E-Budget der Chemieindustrie die Marke von 11 Mrd. € sogar noch übersteigen, prognostizierte Wessel.

Innerhalb Europas bleibt die hiesige Chemiewirtschaft weiterhin unangefochten auf dem ersten Platz. Und auch bei den Patentanmeldungen aus der Chemie – wenn auch ohne den Pharmabereich – sowie beim Handel mit Chemiewaren zählt Deutschland zur Spitze. Dennoch seien weitere Bemühungen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, fordert Wessel. Die Politik hat derweil das Ziel ausgegeben, die gesamtwirtschaftlichen Forschungsinvestitionen von 3 % auf 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen.

Über 70 % der Chemie- und Pharmaunternehmen forschen kontinuierlich. Mehr als 5 % ihres Umsatzes steckt die Branche jedes Jahr in F&E.

Fünf wesentliche Treiber hat der Branchenverband identifiziert, mit denen dieses Ziel erreicht werden könnte: steuerliche Anreize seitens der Politik sowie mehr Unterstützung bei der Genehmigung neuer Präparate aus den Life Sciences, ein Innovationscheck bei Gesetzesvorgaben, der helfen soll, bürokratische Hürden abzubauen, mehr Offenheit für neue Technologien etwa durch einen von der Bundesregierung initiierten BioDialog nach dem Vorbild des bereits etablierten und erfolgreichen NanoDialogs sowie mehr Mint-Bildung.

Die größte Hoffnung der Branche gilt der steuerlichen Forschungsförderung – in Ergänzung zur bisherigen Projektförderung. Immerhin zwei Drittel der OECD-Staaten und die Hälfte der EU-Länder fördern die Forschung bereits steuerlich. Nachbarland Österreich beispielsweise hat kürzlich – zum zweiten Mal hintereinander – seine steuerliche Forschungsprämie um 2 % auf 14 % erhöht. „Drei unserer Unternehmen haben deshalb gerade ihren Forschungsstandort nach Österreich verlagert“, bestätigt Gerd Romanowski, VCI-Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt, den VDI nachrichten.

Steueranreize für die Forschung, sagt Wessel, versprächen auch einen volkswirtschaftlichen Gewinn. „Wissenschaftlichen Studien zufolge bringen Unternehmen je Euro steuerlicher Forschungsförderung einen zusätzlichen Euro auf, den sie ohne das staatliche Engagement nicht investiert hätten.“

Der VCI schlägt deshalb ein Modell vor, bei dem ein forschendes Unternehmen 10 % seiner eigenfinanzierten F&E-Aufwendungen von seiner Steuerschuld erstattet bekommen soll. „Das würde den Staat etwa 5,4 Mrd. € jährlich kosten“, rechnet Wessel vor. Vielleicht findet der Vorschlag ja diesmal Gehör. Kurz vor der Bundestagswahl scheinen die meisten Parteien dafür offen zu sein.

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