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Mittwoch, 17. Januar 2018

Forschung

Im Würgegriff der Wissenschaft

Von Lisa Schneider | 27. Oktober 2016 | Ausgabe 43

Jedes Jahr werden in Deutschland knapp 3 Mio. Tiere für Versuchszwecke genutzt. Technische Systeme können sie nicht ersetzen. Noch nicht.

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Foto: PantherMedia/Roman Peleshko

Fortschritt in der medizinischen Forschung beruht noch immer zu großen Teilen auf Tierversuchen.

Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack. Jedes Jahr werden Nobelpreise für bahnbrechende Forschung vergeben. Und für Tierversuche. Der diesjährige Medizinnobelpreisträger Yoshinori Ohsumi nutzte transgene Mäuse, 90 % seiner Vorgänger verwendeten ebenfalls Tiere. Dabei stehen tierfreie Methoden in den Startlöchern.

In der Industrie werden bereits technische Systeme zum Prüfen von Chemikalien und Arzneimitteln verwendet. Bisher können sie Tiere aber nicht aus den Laboren holen. Dennoch: „Vor fünf Jahren hätte ich noch gedacht, dass wir weitere Tierversuche brauchen. Jetzt aber bin ich optimistisch, dass wir – zumindest für bestimmte Anwendungen – Tierversuche komplett technisch ersetzen können“, sagt Robert Landsiedel, Toxikologe bei BASF.

Die Wissenschaft hingegen scheint festgefahren. „Wenn jemand 30 Jahre seines Berufslebens in Affenhirnen gestochert hat, wird er diese Methode mit Händen und Füßen verteidigen“, sagt Corina Gericke vom Verein Ärzte gegen Tierversuche. Mindestens genauso lange kämpft sie für einen Paradigmenwechsel.

Mit überschaubarem Erfolg. Die Zahl der für Forschungszwecke verwendeten Tiere steigt – größtenteils in der Grundlagenforschung. „Das ist reine Neugierforschung, die nicht auf den Menschen übertragbar ist“, kritisiert Gericke und fordert ein generelles Verbot von Tierversuchen – sofort.

Die Politik sieht das anders. Sie definiert, was unverzichtbar ist: Neben genehmigungspflichtigen Tierversuchen gibt es gesetzlich vorgeschriebene, etwa für die Wirksamkeitsprüfung von Medikamenten.

„Wir versuchen über die vorgeschriebenen Tests, Verbraucher vor möglichen Schäden zu bewahren“, erklärt Michael Oelgeschläger vom Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren. Er findet es unverantwortlich, Tierversuche zu verbieten, ohne absehen zu können, wann alternative Testmethoden zuverlässig funktionieren. Die Gründung des Zentrums im vergangenen Jahr zeige, dass die Politik sich bemühe, alternative tierfreie Methoden zu fördern. Seiten 20 bis 22

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