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Dienstag, 23. Januar 2018

Heimliche Weltmarktführer

Innovationen sprießen im Grünen

Von Peter Steinmüller | 11. Januar 2018 | Ausgabe 01

Viele international erfolgreiche Unternehmen haben ihren Sitz in der Provinz. Gerade das macht ihre Stärke aus.

Weltmarktführer (3)
Foto: panthermedia.net/Jakub Krechowicz

Dort, wo einst unter weit ausladenden Walmdächern in dunklen Werkstätten an Kuckucksuhren geschraubt und geschnitzt wurde, arbeiten heute Spezialisten an Implantaten und Endoskopen. Dank der feinmechanischen Tradition gehört der Schwarzwald zu den Zentren der Medizintechnik.

Die Region ist treffendes Beispiel dafür, dass viele mittelständische Weltmarktführer, die sogenannten Hidden Champions, weitab von den Metropolen angesiedelt sind. Ihre Lage begreifen die Unternehmen keinesfalls als Hindernis – im Gegenteil. „Durch die Konzentration auf potenzialstarke Kunden und die hohe Produktions- und Wertschöpfungstiefe spielt das Thema Ein- und Ausgangslogistik keine zentrale Rolle“, sagt der Kölner Ökonom Matthias Schmieder. Wichtig sind dagegen die attraktiven regionalen Arbeitsmärkte: Laut Christian Rammer vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sind die Mitarbeiter der heimlichen Weltmarktführer betriebstreu, erfahren und besitzen eine genaue Kenntnis des Produktes und seines Marktes.

Das zeigt sich auch bei der Innovationsfreude: Nach Angaben der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners entfallen bei Hidden Champions durchschnittlich 31 Patente auf jeweils 1000 Mitarbeiter. Bei Konzernen sind es dagegen nur sechs Patente. Zur Loyalität trägt laut Unternehmensberater Hermann Simon noch ein anderer Faktor bei: So fänden „die Arbeitnehmer aufgrund der Spezialisierung in der Region so schnell keine andere attraktive Alternative“. Für ihn ist die gegenseitige Abhängigkeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein Wettbewerbsvorteil: „Das Unternehmen benötigt die Arbeitskräfte, und die Beschäftigten brauchen die Jobs, die das Unternehmen bietet.“ Das trifft auch auf FSB im ostwestfälischen Brakel zu, Hersteller hochwertiger Türklinken und Beschläge. Geschäftsführer Jochen Bauer sagt: „Wir produzieren sehr anlagenintensiv – und unser gesamtes Know-how sitzt in Brakel, in den Köpfen unserer Mitarbeiter.“

Damit dem Nachwuchs die Landlust nicht vergeht, bieten Hochschulen zunehmend duale Studiengänge an. Das Interesse ist groß: Auf ein betriebliches Angebot kommen 33 Bewerber. Der sogenannte Studiengang Plus etwa an der Technischen Hochschule Mittelhessen verfolgt die Absicht, Studierende nahe an der Hochschule und in den Firmen zu halten. Geboten werden kurze Wege, eine breite Ausbildung und gute berufliche Perspektiven. Dadurch schlägt die Initiative gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Nicht nur den Unternehmen, auch der Feuerwehr und dem Sportverein bleibt der Nachwuchs erhalten.

INTERVIEW ZUM THEMA

Foto Kuckusuhr

„Die Mitarbeiter wachsen an ihrer Aufgabe“

Unternehmensberater Hermann Simon erläutert, warum der Firmensitz auf dem flachen Land oft einen Wettbewerbsvorsprung schafft.

 

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