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Mittwoch, 20. Februar 2019

Verkehr

Jeder Tropfen zählt

Von Peter Kellerhoff | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Die EU erhöht den Druck auf die Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge. Bis 2030 soll der Kraftstoffverbrauch um fast ein Drittel sinken.

S1 Aufmacher Lkw (2)
Foto: mauritius images / imageBROKER / Carsten Leuzinger

Hersteller von Lkw und deren Zulieferer stehen vor großen Herausforderungen: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 30 % sinken. Als Basis für den Grenzwert wird der Emissionsdurchschnitt genommen, der im Jahr 2019 erreicht wird. Darauf verständigten sich das EU-Parlament und die EU-Umweltminister kurz vor Weihnachten. Im April soll das Abkommen in Kraft treten. Ein ambitioniertes Ziel. Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), bezeichnete die drastischen EU-Sparziele daher auch als „nicht umsetzbar“.

3 Mio. Lkw sind allein in Deutschland angemeldet. Jährlich kommen rund 100 000 dazu. In Europa steuern Lkw etwa ein Viertel der CO2-Emissionen im Verkehr bei. Die Branche und vor allem ihre Kunden stehen unter enormem ökonomischen Druck. Spediteure müssen hart kalkulieren. Die Kraftstoffkosten machen aktuell ein Drittel ihrer mobilen Betriebskosten aus. Jeder Liter weniger ist daher ein Wettbewerbsvorteil.

Nach den neuen EU-Vorgaben müsste bei Jahresfahrleistungen von durchschnittlich 100 000 km im Fernverkehr 9000 l Diesel pro Fahrzeug eingespart werden. Für den aktuellen Mercedes Actros 1845 würde das bedeuten, dass der durchschnittliche Dieselverbrauch von derzeit 30 l/100 km innerhalb der nächsten Dekade um 9 l sinken muss. Im Motorbereich steckt da nicht mehr viel Luft, der thermische Wirkungsgrad von circa 45 % ist bei aktuellen Nutzfahrzeug-Dieselmotoren bereits sehr hoch.

Die Hersteller kämpfen schon seit Jahren um jeden Tropfen Kraftstoff und um jedes Gramm CO2. Doch die Ingenieure haben noch weitere Ideen, um Lkw auf Emissionsdiät zu setzen. So erwarten Experten beim Einsatz eines variablen Ventiltriebs ein Einsparpotenzial von 5 %. Die Hybridisierung des Antriebsstrangs könnte sogar je nach Größe der Batterie, des Fahrzyklus sowie der Topographie bis zu 15 % bringen. Alternative Kraftstoffe wie verflüssigtes Erdgas (LNG) oder der Zusatz von synthetischen Kraftstoffen bergen weiteres Verbesserungspotenzial. Sie stoßen dank ihres hohen Sauerstoffgehalts weniger schädliche Abgase aus als herkömmliche Kraftstoffe.

Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren versprechen weitere Sparmöglichkeiten. Zum Hoffnungsträger gedeihen für manch einen in der Branche auch vernetzte Lkw-Konvois, Platooning genannt. Zulieferer Continental kalkuliert beispielsweise, dass sich mit dem „Windschattenfahren“ bis zu 15 % weniger Verbrauch realisieren ließe. „Die Chance auf eine so große Kraftstoff- und damit CO2-Einsparung darf nicht ungenutzt bleiben“, fordert Michael Ruf, Leiter des Geschäftsbereichs Commercial Vehicles. Daimler dagegen hat die Entwicklungen in diesem Bereich vorerst auf Eis gelegt. Tests hätten das Einsparpotenzial nicht bestätigt.