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Freitag, 18. Januar 2019

Fokus Verpackungsgesetz

Jetzt reichts!

Von Bettina Reckter | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Die Politik zieht beim Thema Plastikmüll die Reißleine. Jetzt müssen Wirtschaft und Verbraucher liefern.

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Foto: panthermedia.net /smithore

Das kann kein Zufall sein: Bei einer solchen Menge an leeren Getränkeflaschen liegt der Verdacht nahe, dass hier jemand seinen Abfall illegal abgeladen hat. Gäbe es EU-weit ein Zwangspfand auf alle Flaschen, würde das Müllsammeln wieder lukrativ.

Eines ist gewiss: Wenn Müll in der Umwelt landet, steckt fast immer ein Mensch dahinter. Egal, ob Freunde und Familie ihre Picknickreste auf der Wiese liegen lassen oder kriminelle Banden Gefahrenstoffe gewerbsmäßig im offenen Meer entsorgen.

Damit muss Schluss sein. Mit dem Verpackungsgesetz, das in Deutschland seit dem 1. Januar die alte Verpackungsverordnung ablöst, sollen Verpackungen vermieden oder – wo das nicht geht – in höheren Quoten recycelt werden. Und eine neue EU-Richtlinie will ab 2021 Einwegprodukte aus Plastik verbieten.

Ob gezwungenermaßen oder aus eigenem Antrieb: Wirtschaft und Verbraucher müssen jetzt liefern. Schon im Rahmen ihrer Kampagne „Nein zur Wegwerfgesellschaft“ hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze im November einen 5-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling vorgelegt. Er setzt auf eine Mischung aus gesetzlichen und freiwilligen Maßnahmen. „Damit leiten wir eine Trendwende im Umgang mit Plastik ein“, gibt sich die Ministerin zuversichtlich.

Dass politische Vorgaben etwas bringen, zeigt das Verbot von kostenlosen Plastiktüten vom Juni 2016. Laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hatte sich bereits 2017 der Verbrauch an Kunststofftüten verglichen mit dem Vorjahr um rund ein Drittel auf 2,4 Mrd. Stück verringert. Das ist zwar immer noch eine ganze Menge, aber trotzdem ein Fortschritt.

Noch im Dezember legte die EU-Kommission nach – und gab den Startschuss für eine Allianz der wichtigsten Industrieakteure, die die gesamte Angebots- und Nachfragekette für Kunststoffe abdecken. Sie soll als Teil der EU-Kunststoffstrategie dazu beitragen, bis 2025 rund 10 Mio. t recycelte Kunststoffe in neuen Produkten auf den EU-Markt zu bringen. „Der Industrie ist bewusst, dass dies eine Chance ist, innovativ zu sein und bei neuen Technologien und Materialien auf dem Weg hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft weltweit in Führung zu gehen“, sagt Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission.

Die Verbraucher selbst könnten oft auf Verpackungen verzichten. Dazu braucht es allerdings mehr Anreize etwa zum Verkauf von losem Obst und Gemüse. Wo das nicht geht, stehen schon längst kunststofffreie Behältnisse bereit.

Zudem entwickeln Forschung und Wirtschaft laufend Technologien, mit denen sich Verpackungsmaterial sortenrein zu gleichwertigen Werkstoffen recyceln lässt. Möglich ist es also, man muss es nur auch wollen.Seiten 20 bis 22