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Mittwoch, 20. Februar 2019

Klimaschutz

Klimaschutz für Airlines teurer

Von Ralph H. Ahrens | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

Die EU verschärft ab 2021 den Emissionshandel für innereuropäische Flüge.

w - ETS Luftfahrt BU
Foto: mauritius images/imageBROKER/Hans Lippert

CO2-Emissionen dürften für die Luftfahrtgesellschaften in Europa auf Dauer teurer werden.

Stefan Schulte, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), sprach davon, dies sei „ein absolut falsches Signal an die internationale Klimapolitik im Luftverkehr“. Der BDL setzt auf die globale Kompensationsinitiative Corsia (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation), auf die sich im Oktober 2016 die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) geeinigt hat. Die ICAO will mit Corsia ein CO2-neutrales Wachstum im Luftverkehr von 2020 an erreichen.

Doch in der EU stehen viele diesem Ansatz skeptisch gegenüber – so auch Peter Liese, CDU-Experte im EU-Parlament. „In Corsia fehlt eine Reduktionsverpflichtung.“ Die ist aber dem EU-Parlament und den EU-Staaten wichtig: Denn an dem Ziel, in der EU die Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2030 um 40 % zu senken, sollen sich alle Sektoren beteiligen. „Es kann nicht sein, dass ein Bereich ausgeklammert wird“, betont Liese. Die EU ist daher bereit, den gesamten Luftverkehr in den EU-Emissionshandel (ETS) zu integrieren, nicht nur die innereuropäischen.

Innereuropäische Flüge sind bereits seit 2012 Teil des ETS: Airlines erhalten zurzeit für 85 % jener CO2-Emissionen, die sie 2005 emittiert hatten, kostenlos Zertifikate. Da der Luftverkehr innerhalb der EU zugenommen hat, muss zum Beispiel die Lufthansa bereits für mehr als die Hälfte ihrer CO2-Emissionen Zertifikate erwerben. Und die Vorgaben werden schärfer: Von 2021 an wird die kostenlose Zuteilung jährlich um 2,2 % abnehmen – im gleichen Maße wie für Industrieanlagen, die unter den Emissionshandel fallen.

Flüge in die oder aus der EU sollen von 2024 an am Emissionshandel teilnehmen. Auch diese sollen dann jährlich 2,2 % weniger Zertifikate umsonst erhalten. Doch die EU sei bereit, von der Integration der Interkontinentalflüge abzusehen, „wird Corsia vernünftig ausgestaltet“, so Liese.

Corsia in Kürze: Der CO2-Ausstoß der Flugzeuge einer jeden Airline soll 2019 und 2020 ermittelt werden – das ist die Emissionsbasis. Emittiert eine Airline von 2021 an mehr, muss sie dies kompensieren. Offen ist, wie bei Corsia CO2-Emissionen ausgeglichen werden sollen. Bis Mitte 2018 will die ICAO Kriterien für diese Klimaschutzmaßnahmen festlegen, seien es Investitionen in Ökostromkapazitäten oder in Energieeffizienz.

Die EU-Kommission wird sich diese ICAO-Kriterien anschauen. Fände sie darin Schwachpunkte und Schlupflöcher – zum Beispiel beim Monitoring eingesparter CO2-Emissionen –, werde die EU den Emissionshandel auch auf alle Flüge mit Start- oder Zielpunkt Europa wie geplant ausdehnen, betont Liese. So oder so: Klimaschutz wird das Fliegen verteuern: Nach ICAO-Schätzungen kämen 2035 durch Corsia weltweit auf die Airlines Mehrkosten von 5 Mrd. € zu – sollte es dann rund 10 € kosten, Emissionen von 1 t CO2 auszugleichen. Das entspräche etwa 30 Cent pro Passagier auf 100 Flugkilometer. swe

Läge der CO2-Preis 2035 jedoch bei fast 40 €/t CO2, könnten es mehr als 20 Mrd. € sein, was auf 1,30 € pro Passagier und 100 Flugkilometer hinausliefe. Ein Flug von Berlin nach New York könnte somit um etwa 80 € teurer werden.