Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Samstag, 16. Februar 2019

Elektromobilität

Ladehemmung

Von Regine Bönsch, Stephan W. Eder | 31. August 2017 | Ausgabe 35

Damit das Elektroauto aus den Puschen kommen kann, muss die Infrastruktur da sein. Die Hindernisse sind vielfältig.

1_BU
Foto: imago/Westend61

Alles so schön grün hier: Elektroautos sollen helfen, den Klimaschutz im Verkehrssektor voranzubringen.

Die Dieseldebatte setzt die Elektromobilität und ihren Ausbau auf die Tagesordnung, auch dem Wahlkampf sei Dank. So fordert SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz eine Quote für Elektroautos in Europa, begrüßt von seiner Parteigenossin Barbara Hendricks. Die Bundesumweltministerin meint, anders seien die Klimaschutzziele in der EU für den Verkehr gar nicht zu erreichen.

Nur: War da nicht was? Vom einstigen Ziel der Bundesregierung – 1 Mio. Elektroautos bis 2020 – ist man hierzulande mit rund 60 000 E-Fahrzeugen meilenweit entfernt. Die deutsche Elektromobilität kommt nicht aus den Puschen.

Es scheint ein Henne-Ei-Problem: Wer glaubt, er komme mit seinem Stromvehikel nichts ans Ziel, kauft keines. Es fehlen die Ladesäulen. Aber warum soll die jemand aufstellen, wenn die Autos nicht da sind, sprich, die Kundschaft fehlt? Also fördert die Bundesregierung den Ladesäulenaufbau über die Infrastrukturförderung.

Ein Anfang; die wirklichen Tücken aber sind vielfältiger. Mentalität, Gesetzgebung, Vorschriften – das ganze deutsche Verkehrskonzept ist auf die Elektromobilität nicht vorbereitet. „Von den Dänen lernen“ heißt daher das Motto des Essener Energiekonzerns Eon, der im Nachbarland seit 2013 ungefähr 2500 Ladepunkte betreibt. Die Bundesnetzagentur zählt aktuell in Deutschland nur 3216 Ladestationen.

Eon will die Erfahrungen in Dänemark als Blaupause für das Engagement in Deutschland nutzen, wenn man hier weitere 800 Ladepunkte im Rahmen der Infrastrukturförderung aufbaut. „Speziell in Kopenhagen läuft in Kooperation mit Anbietern von Carsharing-Angeboten Elektromobilität sehr gut und voll vernetzt“, weiß Andreas Pfeiffer, Leiter E-Mobilität bei Eon. „Rund 40 % der Ladevorgänge laufen über unsere öffentliche Ladeinfrastruktur.“

Die Herausforderung lockt Quereinsteiger wie den Windkraft-Anlagenhersteller Enercon aus Aurich. „Uns geht es hier darum, Reichweitenangst abzubauen – ‚Lerne von Tesla!‘ sozusagen“, erklärt Jens Winkler, Leiter Energiewirtschaft. Die Friesen wollen Technik liefern für Schnellladestationen entlang hoch frequentierter Verkehrsknoten, Bundesstraßen und -autobahnen.

„Eine klare Korrelation zwischen dem Erfolg der Autos und der Verfügbarkeit von Ladestationen“ erkennt Claas Bracklo, Seniormanager der Koordinierungsstelle Elektromobilität im Verband der Automobilindustrie. Sein Arbeitgeber BMW hat verkündet mit Daimler, Ford und Volkswagen europaweit ein Schnellladenetz aufzubauen. Bund und Länder kommen mit weiteren Millionenförderprogrammen.

In der Elektromobilität sollte der Fokus stärker auf das Laden im privaten Raum gelenkt werden, wünscht sich hingegen Peter Siegert, Experte des Berliner Abrechnungsspezialisten Ubitricity. Die Masse lade „nämlich dort, wo man steht“, das zeigten viele Studien. Die Ladestationen steht also zu Hause oder bei der Arbeit.

Vor allem zu Hause könnte das zum Problem werden; dann nämlich, wenn das Heim nicht das eigene ist, sondern man es sich mit anderen teilt oder zur Miete wohnt. „Wir haben in Deutschland durch das Mieter- und Eigentümerrecht starke regulatorische Vorgaben, die den Rollout in Parkgaragen verhindern“, weiß Siegert.

Zur Erinnerung: Elektromobilität soll dabei helfen, im Verkehrssektor die Treibhausgasemissionen zu senken. Ökostrom zu tanken ist deshalb Pflicht für Elektroautofahrer, die meist ohnehin schon Grünstrom-Verträge haben.

Selbst beim deutschen Strommix – Ökostrom-Anteil 2016 waren 32 % – fällt die Bilanz im Vergleich zu Verbrennern nicht negativ aus: „Die Treibhausgasemissionen eines Elektroautos mit einem Energieverbrauch von 15 kWh/100 km liegen auf Basis des aktuellen deutschen Strommix für das Fahren bei ca. 125 g/km“, errechnet Lars Mönch, Experte des Umweltbundesamts, für die VDI nachrichten. „Sie sind damit vergleichbar mit jenen eines modernen Diesel der Kompaktklasse im Realbetrieb.“

Durchsetzen werde sich das Elektroauto so oder so, ist sich VDA-Koordinator Bracklo sicher: „Es bietet einfach langfristig die bessere Leistung zum besseren Preis.“