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Donnerstag, 21. März 2019

Werkstofftechnik

„Leichtbau sichert die Wettbewerbs-fähigkeit“

Von Martin Ciupek | 14. März 2019 | Ausgabe 11

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier macht sich für den Leichtbau stark. In Verbindung mit dem Klimaschutz sieht er große Potenziale und regt Forschung und Wirtschaft zum Dialog an.

Altmaier-leicht-BU
Foto: Thomas Koehler/Photothek via Getty Images

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier möchte den Industriestandort Deutschland zum Leitmarkt für Leichtbau machen.

VDI nachrichten: Wieso ist Ihnen Leichtbau wichtig?

Altmaier: Leichtbau ist eine Schlüsseltechnologie und steht für mich für Innovation, Ressourceneffizienz und Klimaschutz: Durch die Gewichtsreduzierung und Funktionsintegration von Produkten, Bauteilen und Systemelementen können wir Energie, Rohstoffe und Emissionen einsparen. Damit ist der Leichtbau ein wichtiger Treiber von Energie- und Ressourceneffizienz und hilft uns, die Klimaziele zu erreichen.

1. Lightweighting Summit

Durch innovative Materialien und Konstruktions-, Füge- und Fertigungsverfahren entstehen zudem Güter mit verbesserten Eigenschaften. Im Zusammenspiel mit Digitalisierung und Bionik eröffnen sich hier neue Zukunftsmärkte. Der Leichtbau sichert dadurch nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland.

Ich freue mich daher besonders, dass der Leichtbau auf der diesjährigen Hannover Messe einen Schwerpunkt darstellt und auf dem 1. Lightweighting Summit eine politische Bühne gefunden hat.

Wie sieht die Strategie ihres Ministeriums bei diesem Thema aus?

Leichtbau ist nicht nur für mein Ministerium wichtig. Wir haben das Thema im Koalitionsvertrag verankert. Das ist ein wichtiger Schritt, um diese Schlüsseltechnologie für den Industriestandort Deutschland voranzutreiben. Und genau das tun wir im Bundeswirtschaftsministerium. So haben wir z. B. den digitalen Leichtbauatlas initiiert und beauftragt. Hierbei handelt es sich um ein interaktives Portal, das auf einen Blick die Kompetenzen beim Leichtbau von rund 550 Unternehmen in Deutschland und Europa aufzeigt.

Wir bringen gemeinsam mit der Initiative Leichtbau im „Forum Leichtbau“ Wirtschaft, Wissenschaft und öffentliche Hand zusammen. Und wir fördern den Leichtbau bereits seit Jahren auch finanziell, zum Beispiel im Rahmen der technologie- und branchenoffenen Programme Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).

Das Thema hat zudem einen festen Platz in unserer Luftfahrtforschung. Denn in der Luftfahrt gilt in besonderem Maße: Jedes eingesparte Kilogramm Gewicht senkt unmittelbar den Kraftstoffverbrauch und spart CO2 ein. Seit 2018 haben wir daher im Luftfahrtforschungsprogramm LuFo Leichtbau mit 65 Mio. € gefördert – ohne Zweifel eine gute Investition in Innovation und Nachhaltigkeit.

Das ist die Gegenwart. Wie geht es weiter?

Ein nächster großer Schritt wird ein neues Technologietransferprogramm Leichtbau sein, das wir derzeit erarbeiten. Im Fokus sollen branchen- und materialübergreifende Technologietransferprojekte stehen. Auf diese Weise soll der Leichtbau mehr noch als bisher in die breite industrielle Anwendung gebracht werden.

Wir wollen den Industriestandort Deutschland zum Leitmarkt für Leichtbau machen.

Wie können auch Mittelständler vom Leichtbau profitieren?

Unsere Erfahrungen z. B. aus der Luftfahrtforschung zeigen, dass beim Thema Leichtbau gerade auch unsere Mittelständler im Markt sehr erfolgreich aufgestellt sind.

Diesen Erfolg müssen wir aber in die Breite tragen. Daher fördern wir den Mittelstand und die Querschnittstechnologie Leichtbau gezielt mit dem Technologie-Transferprogramm Leichtbau.

Wir beabsichtigen mit dem Programm neben OEMs, Großunternehmen, KMU und Forschungseinrichtungen ins Boot zu holen und in langfristigen Kooperationen zu verstetigen. Dadurch sollen die Potenziale des Leichtbaus entlang der ganzen Wertschöpfungskette und in all seinen Ausprägungen gehoben werden. Zudem können durch das Technologie-Transferprogramm Leichtbau Branchen, die bislang über keine eigenen oder nur sehr wenige Fachprogramme verfügen, etwa die Bauwirtschaft oder der Maschinen- und Anlagenbau, als Leichtbauanwender und Anbieter von Produktionstechnologien für Leichtbaukomponenten erschlossen werden.

Welche volkswirtschaftliche Bedeutung hat dieser Bereich?

Die Vielfältigkeit des Leichtbaus lässt aktuell das Potenzial an innovativen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen bei weitem noch nicht abschätzen – und dies branchenübergreifend. Für die Wettbewerbsfähigkeit des Industrie- und Innovationsstandortes Deutschlands ist Leichtbau als Schlüsseltechnologie von großer Bedeutung. Und die Prognosen für Arbeitsplatzsicherung, -ausbau und Wertschöpfung zeigen in die richtige Richtung.

Leichte Materialien sparen im Einsatz Energie, sind aber oft besonders energieintensiv in der Produktion und bringen Nachteile beim Recycling mit sich. Welche Leichtbaulösungen haben vor dem Hintergrund für Sie Zukunft?

Bei der Bewertung von Leichtbaulösungen muss der ganze Lebenszyklus betrachtet werden, vom Design bis zum Recycling der verwendeten Materialien. Gerade in der Designphase lohnt es, sich darüber Gedanken zu machen. Denn je länger die Nutzungsdauer ist, desto vorteilhafter sind Leichtbaulösungen, die möglicherweise Nachteile beim Recycling mit sich bringen. Deshalb gibt es nicht die Leichtbaulösung. Die Zusammenhänge dahinter sind so komplex, dass beim Einzelfall geschaut werden muss, welches die richtige Leichtbaulösung ist.

Recycling muss man auch immer anhand von neuen Produkten, Werkstoffen und Strukturen neu bewerten. Denn Ressourceneffizienz, Materialmix sowie neue Materialien und Recycling unterliegen einer immensen Dynamik. Die Überarbeitung von Recyclingquoten oder ein konsequentes „Design for Recycling“ sind zwei Beispiele, wo wir aktiv Lösungen angehen.

Für manche spielt das Gewicht bei Elektroautos eine geringere Rolle, wenn beim Bremsen Energie zurückgewonnen wird. Wie sehen Sie das?

Das ist richtig. Dennoch verbrauchen schwere Autos insgesamt mehr Energie, als leichte Fahrzeuge. Mit leichteren Autos sparen wir also Energie. Damit spielt der Leichtbau auch in der Elektromobilität eine große Rolle. Und klar ist auch, dass wir auch bei der künftigen Mobilität schonend mit unseren Ressourcen umgehen müssen. Leichtbau kann dazu beitragen – und damit zu einem besseren Umwelt- und Klimaschutz.

Vor diesem Hintergrund beginnen wir schnellstmöglich diese Schlüsseltechnologie u. a. mit unserem Technologie-Transferprogramm Leichtbau zu fördern.