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Dienstag, 23. Januar 2018

Schifffahrt

Logistikkonzern steuert digitalen Kurs

Von Katharina Otzen | 19. Oktober 2017 | Ausgabe 42

Die dänische Maersk-Gruppe hat seine Ölsparte für 7,5 Mrd. $ verkauft. Ziel ist es, den Konzern zu einem lupenreinen Schifffahrts- und Logistikkonzern umzuformen.

z-maersk BU
Foto: MEDVIND/Bent Sørensen

Der Verkauf von Maersk Oil spült nicht nur Geld in die Kassen, er macht auch den Weg für den Konzernumbau frei.

Der Verkauf der traditionellen Ölsparte an den französischen Mineralölkonzern Total für 7,5 Mrd. $ bringt für die dänische Moeller-Maersk-Gruppe nicht nur Geld in die Kasse. Der Deal bedeutet auch einen Meilenstein auf Maersks Weg zum gestrafften, voll integrierten lupenreinen Schifffahrts- und Logistikkonzern. Der Mischkonzern mit seinen rund 89 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 35,5 Mrd. $ (2016) ist vor allem für seine Spitzenposition in der interkontinentalen Containerschifffahrt, Spezialtransporte über See und für seine Tankerflotte bekannt. Total dagegen erwirbt mit dem Deal unter anderem Öl- und Gasfelder in der britischen und norwegischen Nordsee und setzt auf Synergieeffekte von mehr als 400 Mio. $/Jahr.

Zu den Umstrukturierungsplänen Maersks passt der derzeit laufende Erwerb der auch auf die Containerfahrt spezialisierten deutschen Reederei Hamburg-Süd, für die Søren Skou, der Vorstandschef des dänischen Schifffahrtsriesen, 4 Mrd. $ zahlt.

Maersk Oil ist Teil der bisherigen Sparte Energie, zu der noch drei weitere Bereiche gehören: Maersk Drilling für die Exploration von Öl und Gas, der Dienstleister Maersk Supply Services und Maersk Tankers, die Flotte zum Transport von Öl, Gas und entsprechenden Produkten.

Statt wie im Sommer 2016 eigentlich beschlossen, binnen zwei Jahren die gesamte Energiesparte zu verkaufen, sieht es derzeit jedoch danach aus, dass die mit 160 Schiffen immer noch starke Tankerflotte wieder zurück ins Kerngeschäft kommt. Denn die Tankertochter hat jüngst grünes Licht und Geld dafür bekommen, sich in den USA an CargoMetrics Technologies zu beteiligen.

Das Geschäft dieses in Boston basierten Hedgefonds besteht darin, quantitative Handelsmodelle aus den Daten des internationalen Schiffsverkehrs zu entwickeln. CargoMetrics hat nicht nur die volle Unterstützung von Paul Tudor Jones, dem Milliardär und Hedgefondsmanager, Trader und Philanthropen, sondern auch von Google-Chef Eric Schmidt. Der globale Tankermarkt ist gerade in Zeiten schwacher Ölpreise besonders volatil. Die Charterraten wechseln nicht nur von Tag zu Tag, sondern auch von Region zu Region. Innerhalb von einer Woche kann sich die Rate für einen mittelgroßen Tanker – etwa im Atlantikverkehr – ebenso gut halbieren wie verdoppeln. Unwetter wie der tropische Hurrikan Harvey, dem schon mehr als ein Viertel der gesamten Ölproduktion im Golf von Mexiko zum Opfer fiel, können den Ölpreis wie die Tankerraten in die Höhe treiben.

„Es ist wichtig, Tanker zur richtigen Zeit in der richtigen Region zu haben”, betont Soren Christian Meyer, für Unternehmensstrategie bei Maersk Tankers zuständig. Während die Entscheidung, welche Tanker wann wohin zu schicken bisher häufig „nach Gefühl” fiel, soll die „strategische Partnerschaft mit CargoMetrics” laut Meyer die Digitalisierung der Flotte vorantreiben und eine ungleich präzisere Planung erlauben. Der dänische Mutterkonzern kaufte 1928 seinen ersten Tanker und hat seither die Flotte immer wieder vergrößert, gestrafft und modernisiert. 2009 führten 320 Tanker die Maersk-Flagge. Heute betreibt Maersk noch 160 Schiffe, davon 81 eigene, 24 gecharterte und 55 im Auftrag anderer Besitzer gemanagte Tanker. Sie haben eine Crew von 3000 Beschäftigten. Bei gegenüber dem Jahr 2016 um 21 % gefallenen Frachtraten fuhr Maersk Tankers im zweiten Quartal einen Verlust von 17 Mio. $ ein, obwohl die täglichen Betriebskosten um 3 % sanken. Das erste Quartal brachte noch 9 Mio. $ Gewinn. Immerhin ist nicht auszuschließen, dass Maersk mit der Tankertochter im Gesamtjahr wieder leicht schwarze Zahlen schreibt.

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