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Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

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Porträt der Woche

Mister Smart Factory

Von Iestyn Hartbrich | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

Detlef Zühlke ist Elektroingenieur, Maschinenbauer und IT-ler zugleich, oder einfach Produktionsforscher.

Porträt (2)
Foto: DFKI

Detlef Zühlke hat die SmartFactory in Deutschland vorangetrieben.

Wenn Wissenschaftler über einen Kollegen sagen: „Der kann nichts richtig“, dann ist das in der Regel eine fiese Attacke. In seltenen Fällen schwingt in ihrem Seitenhieb aber wohl eher Neid mit als Geringschätzung. Wie im Fall des Produktionsforschers Detlef Zühlke aus Kaiserslautern.

Prof. Dr.-Ing. Detlef Zühlke

Die vermeintliche Nichtsrichtigkönnerei Zühlkes erklärt sich durch seine Vita. Er studierte Elektrotechnik, promovierte im Maschinenbau und leitete bis zu seiner Pensionierung am 1. Juni als Wissenschaftlicher Direktor den Bereich Innovative Fabriksysteme am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). „Große technische Fortschritte entstehen immer stärker in der Interdisziplinarität. Das wird die nächsten Jahrzehnte kennzeichnen“, sagt Zühlke. Zahnräder, Transistoren, Softwaremodule: Der Forscher bewegte sich stets irgendwo mittendrin in diesem „magischen Dreieck“, wie er es selbst nennt.

Zum Beispiel am Aachener Werkzeugmaschinenlabor (WZL), wo Zühlke Anfang der 80er-Jahre als Oberingenieur gearbeitet hat. „Wir hatten am WZL schon immer die Kombination aus IT, Mechanik und Elektrotechnik“, sagt sein ehemaliger Chef, Manfred Weck. „Von diesen drei Elementen hat sich Detlef Zühlke im Studium das Schwierigste ausgesucht: die Elektrotechnik.“ Weck schwärmt noch heute von Zühlkes Arbeiten. „Er hat eine unglaublich gute Dissertationsschrift eingereicht“, sagt er. „Ich bedaure bis heute, dass sie nie umgesetzt wurde.“ Thema der Arbeit, in der er eine eigene Programmiersprache entwickelte, war übrigens: „Offline-Programmierung numerisch gesteuerter Industrieroboter“ (1982).

Aus Aachen wechselte Zühlke 1985 zur Lufthansa, wo er zuletzt am Standort Frankfurt für die Flugzeuginstandhaltung zuständig war. 1991 zog es ihn nach Kaiserslautern. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung als Professor für Produktionsautomatisierung.

Anfang der 2000er-Jahre begann die Phase, für die Detlef Zühlke heute den meisten außerhalb Kaiserslauterns bekannt ist. Er wurde Leiter des Zentrums für Mensch-Maschine-Interaktion am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Dort baute er die SmartFactory auf, eine herstellerunabhängige Technologieinitiative, die die Industrie 4.0 maßgeblich geprägt hat.

Zu den Mitgliedern gehören viele Industrieunternehmen – ein ungewohnter Weg für das DFKI. „Das DFKI war sehr eng mit Fokus auf KI ausgerichtet, als ich 2002 kam. Deshalb wurde ich als Maschinenbauprofessor geholt: Man wollte ausprobieren, wie man die Forschung zur KI besser in die Praxis bringen kann“, sagt Zühlke. Seine Industrienähe wurde ihm über die Jahre immer wieder vorgehalten. „Was ist Erfolg in der Wissenschaft?“, entgegnet Zühlke. „Wenn ich viele Drittmittel einwerbe? Oder viel veröffentliche? Ich komme aus der Industrie und ich denke mit der Industrie. Für mich bemisst sich Erfolg auch daran, dass Forschung in die Anwendung kommt.“

Zühlke kritisiert im Gegenzug, dass die Interdisziplinarität an vielen Hochschulen noch immer zu kurz komme. „Während die Industrie ihre Strukturen mittlerweile kunden- und produktorientiert gestaltet hat, sind die Hochschulen mit ihren Fachbereichen nach wie vor in fachlichen und weitgehend eigenständigen Säulen aufgestellt. Klar gibt es Verzahnungen zwischen einzelnen Fakultäten der Informatik und des Maschinenbaus, aber aus meiner Sicht ist das eher das Nötigste, oder das, was man als ‚Beutegemeinschaft‘ gut verwenden kann.“

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