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Samstag, 23. Februar 2019

Energiewende

Mit grünen Investitionen gegen Klimakrisen

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 28. Juni 2018 | Ausgabe 26

Mit einem Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen will die EU-Kommission den Finanzsektor im Kampf gegen die Klimakrise zum Verbündeten machen.

BU_Ökoinvestments
Foto: dpa Picture-Alliance/David Young

Ob Sturmschäden oder Überschwemmungen: Die EU-Kommission sieht die Ursachen im Klimawandel.

Die EU-Kommission stellte kürzlich fest, dass die Versicherungsschäden aufgrund von Naturkatastrophen im vergangenen Jahr mit 110 Mrd. € ein neues Rekordniveau erreichten. Auch in der Bankenwelt ist das Thema angekommen. Mark Carney, Chef der Bank of England, ermahnte Banken und Versicherer, mit dem Klimawandel verbundenen Risiken klarer zu benennen, um ihre finanzielle Stabilität zu sichern. Gleichzeitig müssten die Investitionen in neue Technologien und langfristige Infrastrukturprojekte mit einem geringeren CO2-Fußabdruck vervierfacht werden.

Längst nehmen die Investoren den Klimawandel nicht mehr auf die leichte Schulter: Kürzlich verkündete die US-Ratingagentur Moody’s, die Kreditwürdigkeit von Städten und US-Staaten mit Blick auf ihre spezifischen Klimarisiken unter die Lupe nehmen zu wollen. Dabei berücksichtigt Moody’s zwei verschiedene Risikokategorien: zum einen „Klimaschocks“ wie Waldbrände, zum anderen „sich steigernde Klimatrends“ wie erhöhte Temperaturen und einen steigenden Meeresspiegel.

EU-Vizepräsident Jyrki Katainen sieht einen jährlichen Mehrbedarf von rund 180 Mrd. € an zusätzlichen Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien, um die EU-Klimaziele für 2030 erreichen zu können. Viel Überzeugungsarbeit ist bei den Investoren aber nicht mehr nötig. Der US-Finanzdienstleister MSCI stellte für das Jahr 2017 fest, dass die Anleihen mit der schlechtesten Wertentwicklung auch alle schwache Werte in Sachen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) aufwiesen. Anleger, die verstärkt auf die ESG-Faktoren geachtet hätten, hätten hingegen mit einer überdurchschnittlichen Performance rechnen können.

Sasja Beslik ist Leiter der Abteilung für Sustainable Finance des skandinavischen Finanzkonzerns Nordea, zu dessen größten Aktionären der schwedische Staat zählt. Beslik erklärt: „ESG-Analysen inklusive Klimafaktor werden bei Nordea für alle Investment-, Kredit- und Beratungsentscheidungen vorgenommen. Der Klimawandel ist ein Risiko, das wir verstehen, bewerten und nach dem wir handeln müssen.“ Bei Nordea fährt man damit gut. Für seine ESG-Produkte wie STARS erreicht Beslik nicht nur eine höhere Performance, sondern erzielt auch einen stärkeren Mittelzufluss.

Beslik sieht den Kipppunkt mit dem ersten EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen erreicht, den die Kommission im März vorstellte. Das Ziel definiert die EU-Kommission unumwunden folgendermaßen: „Den Finanzsektor zu einem starken Akteur im Kampf gegen den Klimawandel zu machen.“ Finanzprodukte, die nicht auf nachhaltigem Wachstum basieren, sollen im Zuge des Aktionsplans nach und nach ausgetrocknet werden.

Ein EU-weites Klassifikationssystem soll dafür sorgen, dass Anleger mithilfe der ESG-Faktoren erkennen können, ob Anlagen umweltfreundlich sind. Außerdem wird es Referenzwerte für geringe CO2-Emissionen und positive CO2-Effekte geben – gemessen an dem Ziel, die Erderwärmung auf weniger als 2 °C zu begrenzen. Beslik ist sich sicher: „Dieser EU-Aktionsplan wird das Spiel für die gesamte Industrie ändern.“

Eine Investorengruppe, die ein Vermögen in der Höhe von 10 400 Mrd. $ verwaltet, kündigte gerade an, von Öl- und Gasunternehmen künftig mehr Transparenz und Engagement in Sachen Klimarisiken zu verlangen. Die Investoren, darunter Axa Investment Managers und Aviva Investors, betonen, dass die Weltwirtschaft ihren CO2-Fußabdruck verkleinern müsse.

Inzwischen ist sogar von einer „Kohlenstoff-Blase“ die Rede: Ein internationales Forscherteam warnte in einer Anfang Juni veröffentlichen Analyse davor, dass der technische Fortschritt die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen stark mindern könnte. Ölfelder, Kohleminen oder Pipelines könnten sich bereits 2035 als „verlorene Investitionen“ herausstellen, warnten sie auch in ihrem Beitrag für die Zeitschrift „Nature Climate Change“.

Verluste in zweistelliger Billionen-Dollar-Höhe werden erwartet. Wenn das Geschäft mit den fossilen Brennstoffen zusammenbricht, wäre die Wirkung überall zu spüren – ähnlich wie bei der Wirtschaftskrise im Jahr 2008. Betroffen wären vor allem Exportländer wie Russland, die USA und Kanada. Zu den Gewinnern könnten Importeure wie China und die EU zählen.

Für die ehemalige Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, ist klar: „Die Investoren sehen jetzt einen Kipppunkt in Sachen Klimawandel.“ Sie würden inzwischen auch Klimarisiken für die Bewertung ihrer Fonds berücksichtigen und stärker in Aktivitäten mit einem geringen CO2-Fußabdruck investieren. Damit würden sie, so zeigt sie sich zuversichtlich, die weltweite Antwort auf den Klimawandel stärker beeinflussen als die bisherige Klimapolitik.