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Samstag, 20. Januar 2018

Nobelpreis

Müllabfuhr in der Zelle

Von Bettina Reckter | 6. Oktober 2016 | Ausgabe 40

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht nach Japan.

Nobelpreis A (1)
Foto: Reuters/ Kyodo

Yoshinori Ohsumi zeigt auf die Strukturen in der Zelle, in denen die Autophagie abläuft.

Yoshinori Ohsumi wird mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Das teilte das Nobelkomitee am Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung überhaupt für Mediziner ist mit umgerechnet 830 000 € dotiert.

Der 71-jährige Japaner entdeckte einen Mechanismus, mit dem nicht mehr benötigte oder kaputte Proteinbestandteile in den Zellen des Körpers abgebaut und zur Wiederverwendung aufbereitet werden. Ist dieser Mechanismus allerdings gestört, können Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder auch Diabetes vom Typ II entstehen.

Ohsumi nennt diesen Prozess Autophagie. Das ist griechisch und bedeutet „selbst essen“. Und wie ein Akt der Verdauung beseitigt die Zelle den Proteinmüll, indem sie ihn zunächst mit einer Membran umschließt und ihn dann zu bestimmten Zellorganellen bringt, die spezifische Enzyme für den eigentlichen Abbau der Eiweißpartikel bereithalten.

Ohne Autophagie würden Zellen allmählich im Zellmüll versinken. Bekannt war das Prinzip schon länger, aber erst Ohsumi entschlüsselte in den 1990er-Jahren die genetischen Grundlagen.

„Dieses genetische Programm bewirkt vom Einzeller Hefe bis zu uns Menschen die kontinuierliche Erneuerung der Zellen“, erläutert Tassula Proikas-Cezanne von der Universität Tübingen. „Wenn der Mechanismus gestört ist, spiegelt sich das in vielen Erkrankungen wieder.“

Bislang sind mehr als 35 Gene bekannt, die die Autophagie steuern. Ohsumis Erkenntnisse sind inzwischen in klinische Studien eingeflossen. Dabei sollen Wirkstoffe die Autophagie entweder bei degenerativen Erkrankungen stärken oder aber – im Fall von Krebszellen – blockieren.

 Mit Material von dpa

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