Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Mittwoch, 20. Februar 2019

Ressourcen

Nachhaltige Effizienz

Von Christoph Böckmann | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Beim schonenden Umgang mit Rohstoffen können digitale Ansätze helfen. Manchmal reicht aber auch eine gute Idee.

6_BU
Foto: BGR/Bildkraftwerk_Weiler

Für eine erfolgreiche Wirtschaft brauche es ein nachhaltiges Rohstoffmanagement, betont Staatssekräter Oliver Wittke.

Die gute Nachricht ist: Die meisten Rohstoffe sind noch sehr lange verfügbar. 120 Mio. Jahre können wir beispielsweise Kupfer noch aus dem Erdmantel ziehen. Die schlechte Nachricht: Die Vorkommen werden immer dünner, der Aufwand, sie zu heben, immer größer. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch die Umweltschäden werden pro gehobener Tonne größer, kritisiert Ernst Ulrich von Weizsäcker. Der Ehrenpräsident des Club of Rome und ehemalige Bundestagsabgeordnete formuliert es so: „Das große Baggern ist nicht nachhaltig.“ Würden alle 7,7 Mrd. Menschen auf der Welt den American Way of Life verfolgen, dann bräuchten wir fünf Erden.

Ausgezeichnete Projekte

Das Dilemma: „Ohne Rohstoffe keine Zivilisation“, verdeutlicht Ralph Watzel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Eine sichere und nachhaltige Rohstoffversorgung sei für Deutschland unabdingbar. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht in der Förderung von Ressourceneffizienz eine Lösung des Problems und zeichnete deshalb vergangene Woche drei Unternehmen und eine Forschungseinrichtung mit dem Rohstoffeffizienzpreis aus. Die Preisträger sind Beermann Umwelttechnik aus Hörstel, Material24 aus München und Watttron aus Dresden. In der Kategorie der Forschungseinrichtungen wurde die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gemeinsam mit der Callparts Recycling GmbH und der ID Impuls GmbH ausgezeichnet.

„Ein intelligenter und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen trägt entscheidend zu einer modernen Kreislaufwirtschaft und damit zur Rohstoffsicherung bei. Die heute ausgezeichneten Preisträger stehen beispielhaft für innovative Leistungen auf diesem Gebiet“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Oliver Wittke, als er die Trophäen überreichte. Die Auszeichnung soll nicht nur anspornen, sondern durch die Vorstellung der einzelnen Projekte auch Nachahmer motivieren. „Von anderen lernen funktioniert“, weiß Julia Herr, Netzwerkmanagerin beim VDI Zentrum Ressourceneffizienz. Mit Best-Practice-Beispielen und Veranstaltungen versucht das VDI ZRE, Unternehmen auf dem Weg zu mehr Ressourceneffizienz zu unterstützen. Auch wissen die Berliner, wo Fördergelder zu bekommen sind.

Doch besonders bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gibt es Nachholbedarf. Allein letztes Jahr musste Julia Herr beobachten, dass die KMU mit ihren vollen Auftragsbüchern und der Einführung der Datenschutzgrundverordnung an ihre Kapazitätsgrenzen stießen. Für Projekte zur Ressourceneffizienz war da kaum Platz mehr.

Das hat auch Adriana Neligan festgestellt. Die Forscherin des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untersucht digitale Strategien für mehr Materialeffizienz und befragte über 600 Unternehmen. Das Ergebnis: Die Materialeinsparpotenziale sind in der Industrie noch nicht erschöpft. Bei optimalem Einsatz der verfügbaren technischen Möglichkeiten könnten nach Auffassung der Unternehmen weitere 3 % bis 4 % eingespart werden. Hier könnte die Digitalisierung helfen, meint Adriana Neligan. „Die zunehmende digitale Vernetzung in komplexen industriellen Produktions- und Prozessabläufen eröffnet neue Potenziale zur Ressourceneinsparung. Digital integrierte und kooperierende Netze innerhalb und entlang von Wertschöpfungsketten erlauben es, den Ressourceneinsatz zu beobachten, nachzuverfolgen und zu optimieren“, erklärt die Ökonomin.

„Digitalisierung alleine reicht nicht“, mahnte von Weizsäcker. Es brauche auch ein bisschen Chemie und Physik. Und es brauche einen Wandel in der Gesellschaft. „Bei aller Verneigung vor den Ingenieuren, die alles effizienter machen – wenn die Verbraucher nicht umdenken, hat die Umwelt nichts davon“, sagte Diplomphysiker Weizsäcker und führte Jevons‘ Paradoxon an. Es besagt, dass gesteigerte Effizienz nicht zwingend zu weniger Verbrauch führt. Der Ökonom William Jevons beobachte in seinem 1865 erschienenen Buch „The Coal Question“, dass die Erfindung der besonders effizienten Dampfmaschine von James Watt erst zur Einführung dieser Technologie in der Breite und damit zu einem deutlich stärkeren Kohleverbrauch führte.