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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Erneuerbare Energien

Neue Ära der Photovoltaik

Von Stephan W. Eder | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Dem jüngsten Bericht der Internationalen Energieagentur zufolge löst Solar weltweit die Kohle als Wachstumsmotor bei der Stromerzeugung ab.

w - IEA-Studie BU
Foto: dpa Picture-Alliance/Chen Bin

Solarstrom in China: In Huainan, einer Stadt im Südosten des Landes, wurde im Juni 2017 die mit 40 MW leistungsfähigste schwimmende Photovoltaikanlage der Welt errichtet.

Der Einsatz von Solarstromanlagen ist im vergangenen Jahr weltweit erstmals stärker gestiegen als der jedes anderen Energieträgers. 74 GW an Photovoltaikleistung seien 2016 global zugebaut worden, die Hälfte mehr als noch im Vorjahr – damit löse die Photovoltaik die Kohle als Wachstumstreiber ab. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris zu erneuerbaren Energien hervor, den die Organisation am Mittwoch vergangener Woche in London vorlegte.

Insgesamt machten dem Bericht zufolge erneuerbare Energien mit 165 GW zugebauter Leistung im Jahr 2016 zwei Drittel des globalen Wachstums der Stromerzeugungskapazitäten aus. Das Wachstum bei der Wind- und Wasserkraft habe sich jedoch verlangsamt.

Verantwortlich für den Boom der Solarenergie ist der Analyse zufolge vor allem China. Rund 60 % der Solarzellen weltweit würden inzwischen in der Volksrepublik hergestellt. Dort fände sich auch rund die Hälfte der Abnehmer.

Gründe für die starken Steigerungen seien gefallene Preise für erneuerbare Energien und günstige Rahmenbedingungen aus der Politik, hieß es. Die weltweiten Auktionen zur Vergabe von Photovoltaikkraftwerken hätten Preise von bis zu 3 Cent/kWh ergeben. Die Pariser Agentur spricht davon, diese Vereinbarungen seien „zunehmend wettbewerbsfähig oder niedriger als die Erzeugungskosten für neu gebaute Gas- und Kohlekraftwerke“.

Die USA blieben trotz politischer Unsicherheiten durch die Regierung von Präsident Donald Trump weiterhin der zweitgrößte Wachstumsmarkt, so die IEA. Gründe dafür seien, dass es nach wie vor mehrjährige Steuervergünstigungen gebe, kombiniert mit Vorgaben, einen bestimmten Anteil an Ökostrom im Erzeugungsportfolio zu haben. Hinzu kämen je nach Bundesstaat Anreize für Solarstromdachanlagen und für andere dezentrale Photovoltaikanlagen.

Der globale Trend soll sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Die IEA geht auch für die kommenden fünf Jahre (2017 bis 2022) davon aus, dass die Stromerzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien weltweit weiter kräftig zulegen werden. Die Pariser Energieexperten revidieren damit ihre Prognose gegenüber der des letzten Jahres um 12 % nach oben. Dies vor allem aufgrund der geänderten Photovoltaikzubauraten in China und Indien

Indien spiele eine immer größere Rolle, so die IEA-Experten. Das Wachstum von erneuerbaren Energien auf dem Subkontinent könnte im Zeitraum der kommenden fünf Jahre bereits höher sein als das in der Europäischen Union, schätzen sie. Indiens Kapazitäten sollen sich der Prognose zufolge bis 2022 verdoppeln.

Für Deutschland rechnet die IEA-Studie damit, dass das Wachstum über den kommenden Fünfjahreszeitraum zumindest konstant bleiben werde. Für die Gesamt-EU sehen die Analysten eine deutliche Verlangsamung beim Ausbau von erneuerbaren Energien.

Trotzdem soll die weltweite Ökostromproduktion laut Prognose bis 2022 um rund ein Drittel auf 8000 TWh steigen. Das entspreche dem Stromverbrauch von China, Indien und Deutschland zusammengenommen, heißt es in dem Bericht. Generell werde 2022 dann ein Drittel der erzeugten Elektrizität Ökostrom sein (2016: 24 %).

Allein bis 2022 werde die globale Kapazität erneuerbarer Energien um weitere 920 GW zulegen, erwartet die IEA nun. „Das entspricht der Hälfte der globalen Kohlestromerzeugungskapazitäten“, sagte IEA-Direktor Fatih Birol. „Um die zu errichten, habe man 80 Jahre gebraucht.“

Wind und Solar würden bis 2022 für vier Fünftel des globalen Kapazitätszuwachses bei Ökostrom stehen. Zwar werde Kohle auch 2022 noch die Hauptressource für die Stromerzeugung weltweit sein. Doch die Differenz bei den Erzeugungskapazitäten zwischen Kohle und erneuerbaren werde sich in den kommenden fünf Jahren halbieren.

Schon im vergangenen Jahr liefen zwei Drittel aller neu installierten Kraftwerke mit erneuerbaren Energiequellen, vor allem von der Sonne. „Was wir erleben, ist die Geburt einer neuen Ära der Photovoltaik“, sagt Birol. Keine andere Ökostromtechnologie werde bis 2022 so stark wachsen. Die weltweit kumulierte Solarstromerzeugungskapazitäten sollen sich bis dahin auf 880 GW gegenüber heute verdreifacht haben. Allein 320 GW, so erwartet die IEA, werde bis dahin China aufgebaut haben.

Einer der wichtigsten Treiber für den Aufbau von erneuerbaren Energiekapazitäten im Reich der Mitte sei, der Luftverschmutzung Herr zu werden, so die IEA. Daher setzt die Volksrepublik besonders auf die Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Fast 40 % der globalen CO2-Emissionen stammen der IEA zufolge aus der Erzeugung von Wärme für Warmwasser und Heizung in Gebäuden sowie für industrielle Prozesse; der Anteil der Erneuerbaren in diesem Sektor wachse aber nur langsam, von 9 % im Jahr 2015 auf voraussichtlich 11 % im Jahr 2022. Deshalb bleibe die Dekarbonisierung des Wärmesektors eine „wichtige Herausforderung“, so die Agentur in ihrem Bericht.

Im Straßenverkehr werde sich der Anteil erneuerbarer Energien nur „marginal“ bis 2022 erhöhen, von 4 % im Jahr 2016 auf dann 5 %. Und trotz eines steilen Anstiegs bei den Verkaufszahlen für Elektroautos: 2022 dürften alle Elektroautos, Busse, Zwei- und Dreiräder zusammen noch nicht einmal 1 % der globalen jährlichen Stromerzeugung benötigen. Und der von ihnen verbrauchte Strom werde dann zu nur rund 30 % Ökostrom sein.

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