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Mittwoch, 24. Januar 2018

Industrie 4.0

Nicht abwarten, starten!

Von Martin Ciupek | 6. Oktober 2016 | Ausgabe 40

So vielfältig wie der Maschinenbau selbst sind auch seine digitalen Strategien. Wer jetzt zögert, dürfte es allerdings künftig schwer haben.

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Foto: Foto[M]: panthermedia.net/Mike Espenhain/VDIn

Viele Firmen warten ab, bis der Hype vorüber und das Tal der Ernüchterung durchschritten ist“, sagt Johann-Carsten Kipp. Der Chef der BST Eltromat International aus Ostwestfalen-Lippe kennt das Verhalten von unterschiedlichen Maschinenbauunternehmen. Seine Firma ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Systeme zur Qualitätskontrolle in Bahnprozessen, wie dem Transport von Papier in einer Druckmaschine oder der Herstellung von Reifen.

Bei dem rasanten Tempo der Digitalisierung ist Abwarten für ihn allerdings ein Fehler. „Später auf den Zug aufzuspringen, ist nicht mehr möglich“, vermutet er, denn „die Veränderungen sind gewaltig“.

Auf dem vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) organisierten Kongress „Industrie 4.0 – Erfolgreiche Strategien für den Mittelstand in NRW“ machte Kipp in Düsseldorf vergangene Woche deutlich: „Man muss dazu nicht unbedingt ins Silicon Valley fahren, um sich dort berauschen zu lassen!“ Er empfiehlt den Maschinenbauunternehmen, sich nach dem Motto „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Für Oliver Herkommer, den Vorstandsvorsitzenden der Unternehmensberatung Ingenics AG aus Ulm, ist die bisweilen angeprangerte Verhaltensstarre deutscher Unternehmen bei der IT-Integration in die Produktion inzwischen einer Aufbruchstimmung gewichen. Eine von Ingenics und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) im Sommer durchgeführte und nun veröffentlichte Umfrage zeigt, dass die über 800 befragten Industrieunternehmen inzwischen mehr als 2700 Industrie-4.0-Anwendungen umgesetzt haben.

Wilhelm Bauer, Leiter des Fraunhofer-IAO in Stuttgart, fasst zusammen: „Zu den wichtigsten Inhalten der erfassten Projekte gehören die verbesserte Transparenz und Informationsbereitstellung sowie reduzierte Durchlaufzeiten.“ Und Ingenics-Chef Herkommer ergänzt: „Eine klare Darstellung des wirtschaftlichen Nutzens von Industrie-4.0-Projekten wird weiterhin ebenso benötigt wie die gezielte fachliche und überfachliche Qualifikation der Mitarbeiter.“ Nur so wird die großflächige und nachhaltige Umsetzung in der Produktionshalle gelingen, zeigen sich Bauer und Herkommer überzeugt.

 Dass es vorwärts geht, registrieren auch Politiker. Länger als es das Protokoll vorsah, blieb Bundespräsident Joachim Gauck Ende September beim Spitzencluster in Ostwestfalen-Lippe. An der Fraunhofer-Einrichtung für Entwurfstechnik Mechatronik in Paderborn ließ er sich Forschungsbereiche zeigen, um anschließend beim Kontakttechnikspezialisten Phoenix Contact in Blomberg konkrete Anwendungen in der Produktion zu begutachten. Interessiert zeigte sich der Bundespräsidenten dabei auch am Dialog mit Gewerkschaften und Beschäftigten, die den Wandel mitgestalten.

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