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Dienstag, 23. Januar 2018

Klimaschutz

„Ökologische Gesichtspunkte spielen eine große Rolle“

Von Christoph Böckmann | 2. November 2017 | Ausgabe 44

Wie es um die Finanzierung der Klimaziele steht, erklärt Uwe Berghaus, Mitglied des Vorstands der DZ Bank, im Interview.

BU_Berghaus Interview
Foto: DZ Bank

„Energieeffizienz ist heute ein Megathema“, betont Uwe Berghaus, Mitglied des Vorstands der DZ Bank. Doch leider sei nicht allen Unternehmen bekannt, dass es staatliche Zuschüsse gibt.

VDI nachrichten: Um das Klimaziel zu erreichen, braucht es noch einige Investitionen und Kredite. Die Banken haben in den vergangenen Jahren besonders erneuerbare Energien finanziert. Warum?

Uwe Berghaus: Die Förderung erneuerbarer Energien ist ein zentrales Zukunftsthema, dem wir uns im Rahmen der Projektfinanzierung frühzeitig zugewandt haben. Zudem lohnen sich Investitionen in diesen Bereich auch finanziell. Das größte Potenzial in Deutschland bietet nach wie vor die Windenergie, auch wenn die Zubauraten im Zuge des Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017 künftig niedriger ausfallen dürften.

Uwe Berghaus

Aber das Risiko hat durch das neue Ausschreibungsmodell doch mittlerweile zugenommen.

Die DZ Bank

Die neuen Ausschreibungsregeln führen zu einem Preiswettbewerb unter den Stromanbietern. Die unbekannte Komponente in deren Kalkulation ist aber die Windverfügbarkeit. Gibt es tatsächlich weniger Wind als angenommen, dann reicht der bei der Ausschreibung genannte Preis möglicherweise nicht aus, um die Rentabilität zu garantieren.

Wie gehen Sie damit um?

Mit sorgfältiger Prüfung: Wir arbeiten mit Windgutachten, bilden Abschläge und rechnen verschiedene Szenarien durch. Wenn sich dann eine Kapitaldienstfähigkeit ergibt, kommt das Geschäft zustande, sonst nicht.

Sind Ausschreibungen aus Sicht der Banken der richtige Weg?

In erster Linie dienen die Ausschreibungen dazu, die Stromproduktion im Segment der erneuerbaren Energien an marktwirtschaftliche Prinzipien heranzuführen. Da beim Ausbau die Akteurvielfalt gewahrt werden soll, werden Bürgerwindparks bevorzugt. Sie können an den Ausschreibungen teilnehmen und die nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz geforderte Genehmigung im Laufe der Zeit nachreichen. Der wesentliche Punkt ist aber: Die Bürgergesellschaften haben für die Umsetzung des Projekts 54 Monate Zeit. Und die Rentabilität von Projekten richtet sich, neben dem Windeintrag, nach der technischen Spezifikation der Anlage zum Zeitpunkt der Realisierung. Wer 54 Monate Zeit hat, der setzt meist darauf, dass die Anlagen dann besser und effizienter sein werden. Und er somit weniger Förderung braucht. Die Kalkulierbarkeit einer Finanzierung in einem frühen Stadium wird damit erschwert, denn wer weiß, was nach über vier Jahren die realen Projektbedingungen sind.

Da wird also massiv auf den technischen Fortschritt der Zukunft gewettet?

Offensichtlich, denn in den ersten Ausschreibungsrunden haben die Bürgerwindparks zu 90 % den Zuschlag erhalten.

Werden da nicht die Kredite teurer – durch eine Art Risikoaufschlag?

Nicht unbedingt. Die Frage ist immer, zu welchem Zeitpunkt die Finanzierung beantragt wird und wie konkret die Projektparameter dann sind.

Allein mit den Erneuerbaren sind die Klimaziele nicht zu erreichen. So wirbt die Bundeskanzlerin seit einigen Monaten für die Energieeffizienz und legte einige Förderprojekte auf. Wie werden diese vom Markt angenommen?

Leider ist noch immer nicht allen Unternehmen bekannt, dass es Zuschüsse zum Beispiel für einen Energieeffizienzberater gibt. Aber schon heute werden von vielen Unternehmen Förderkredite für Energieeffizienzprojekte in Milliardenhöhe in Anspruch genommen.

Ist Energieeffizienz bei Unternehmen ein wirklich großes Thema oder nur etwas, um das Image aufzupolieren?

Energieeffizienz ist heute ein Megathema, über das alle sprechen. Klar, auch aus Imagegründen, aber vor allem wegen der Kosten. So haben wir bereits vor gut zwei Jahren damit begonnen, unsere Kunden für das Thema Energieeffizienz zu sensibilisieren.

Wie rentabel sind denn die geförderten Projekte für die Unternehmen?

Wir sprechen im Durchschnitt von einer Amortisationszeit von zwei bis fünf Jahren, wenn man alle Förderungen in Anspruch nimmt. Das ergibt also eine entsprechend hohe Kapitalrendite.

Bei der dritten Säule des Klimaschutzes sieht es aber noch düster aus. Welche Rolle spielt das Thema nachhaltige Mobilität bei den Banken?

Das Thema fristet insbesondere in Deutschland noch ein Schattendasein, wie die nach wie vor geringen Neuzulassungen bei Elektromobilen zeigen. Aber die Elektromobilität wird in der Zukunft sicher eine wesentliche Rolle spielen. Das verändert die Automobilbranche und auch die Zulieferindustrie. Darauf stellen wir uns ein.

Aber es ist doch noch gar nicht sicher, dass das Elektroauto in Deutschland die Lösung für die nachhaltige Klimawende sein wird. Es könnte auch das Wasserstoffauto sein. Anders als in China sind hierzulande bisher keine Quoten festgelegt. Wie reagieren Sie als Finanzierer darauf?

Nun, die Förderung der Elektromobilität liegt wesentlich in den Händen der öffentlichen Förderinstitute. Als Geschäftsbank begleiten wir solche Maßnahmen, die aus heutiger Sicht sinnvoll sind und die sich rechnen. Welche Technologien sich aber letztlich durchsetzen, das bleibt abzuwarten.

Der Klimaschutz ist beschlossene Sache. Das ist auch Banken und Investoren klar. Haben heute zum Beispiel Kohlekraftwerke Probleme, wenn sie eine Finanzierung suchen?

Ja, denn die meisten Banken schließen Kohlefinanzierungen inzwischen aus. Auch die DZ Bank finanziert keine neuen Kohleprojekte mehr. Denn für Banken spielen neben wirtschaftlichen Kriterien vor allem ökologische Gesichtspunkte eine immer größere Rolle bei Investitionsentscheidungen.

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