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Mittwoch, 20. Februar 2019

Porträt

„Politik mitdenken“

Von Rudolf Stumberger | 25. Oktober 2018 | Ausgabe 43

Bauingenieur Carsten Wilmsen ist der designierte neue Technikchef am Flughafen Berlin-Brandenburg.

BU Wilmsen
Foto: Flughafen München

Carsten Wilmsen bringt Erfahrungen von Projekten aus München und Hamburg nach Berlin.

Noch ist der neue Berliner Flughafen BER nicht eröffnet, da geht es bereits um den weiteren Ausbau. Darum kümmern soll sich ab 1. Dezember dieses Jahres Carsten Wilmsen. Der 50-jährige Bauingenieur wird neuer Technikchef am Berliner Flughafen und tritt damit die Nachfolge von Jörg Marks an, der um eine Vertragsauflösung gebeten hatte. Wilmsen, der bisher das Immobilienmanagement am Münchner Flughafen leitete, soll künftig für die Realisierung des Masterplans BER 2040 und darin für den Bau der neuen Terminals T2 und T3 verantwortlich sein.

Carsten Wilmsen

Für den gebürtigen Rheinländer sind die Konzeption und Entwicklung von Flughäfen als Drehscheiben des internationalen Flugverkehrs eine „faszinierende und komplexe“ Aufgabe, die fächerübergreifende Kenntnisse der klassischen Ingenieurdisziplinen erfordert.

Der im nordrhein-westfälischen Grevenbroich aufgewachsene Wilmsen entwickelte früh eine Begeisterung für das Thema Luftverkehr, wollte als Jugendlicher gar Pilot werden. Doch statt einer Ausbildung hinter dem Steuerknüppel wurde daraus ein Studium des Bauingenieurwesens an der Bergischen Universität Wuppertal. Darauf folgte langjährige Erfahrung bei der Weiterentwicklung bestehender und der Konzeption neuer Infrastruktur an Flughäfen. Dies ab 2004 als Gesamtprojektleiter für den Ausbau des Hamburger Flughafens (Terminal 1, Airport Plaza, Parkhäuser, S-Bahn-Anbindung, Brückenbauwerke, Parkleitsystem, Landschaftsplanung).

2011 wechselte Wilmsen als Leiter des Geschäftsbereichs Immobilienmanagement- und entwicklung an den Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen und zeichnete hier für die gesamte Infrastrukturentwicklung verantwortlich, darunter jährlich 300 Bauprojekte. In München führte der Bauingenieur auch eine sogenannte Lebenszyklusbetrachtung von Immobilien ein. „Dabei geht es um die Frage“, so Wilmsen, „wie flexibel hinsichtlich der Nutzung ein Gebäude konzipiert ist.“

Eine Nutzung, die sich im Laufe der Jahre verändern kann. So könnte ein zunächst als reines Bürogebäude gedachtes Bauwerk später auch zu einem Ärztezentrum oder einem Showroom für Firmenpräsentationen werden. Denn eines ist für den neuen Technikchef in Berlin klar: Die Anforderungen an die Flughafenentwicklung sind heute wesentlich komplexer als noch vor zehn Jahren und die Geschäftsmodelle der Betreiber entwickeln sich rapide weiter. Zu den heutigen Bedingungen gehören etwa erhöhte Anforderungen an die Transparenz der Verfahren und Vergaberichtlinien. „Das Bild des Ingenieurs in Führungsfunktionen hat sich deutlich geändert“, ist Wilmsen überzeugt, heute gehe es auch darum, die „Politik mitzudenken“.

Was sicherlich nicht zuletzt für die Dauerbaustelle des Berliner Flughafens gilt. Den „erfahrener Bau- und Flughafenmensch“ – wie ihn BER-Chef Lütke Daldrup nennt – erwartet zunächst die Realisierung des zusätzlichen Terminals T2, das rechtzeitig zur geplanten Eröffnung des Flughafens im Oktober 2020 fertig sein soll. Im Terminal sollen vor allem die Kunden von Billigfluglinien abgefertigt werden. Es ist auf eine Kapazität von 6 Mio. Passagieren jährlich ausgelegt. Weitere Planung: der Bau des dritten Terminals, das 2025 eine Schließung des alten Flughafens Berlin-Schönefeld ermöglichen soll.

Die Eröffnung des BER zieht sich seit 2011 wegen technischer Mängel hin. Mit welchen Erwartungen geht der neue Technikchef nach Berlin? Die Strukturen des Bauherrn, was Entscheidungsfindungen anbelange, sollten klar sein, so Wilmsen. Und die Partner müssten in transparente, kommunikative Prozesse eingebunden sein. Die Aufgaben am BER unterscheiden sich von seinen Erfahrungen etwa beim Ausbau des Hamburger Flughafens: „Wir haben eine völlig andere Flächenverfügbarkeit“, so Wilmsen. In der Hansestadt ging es um die Erweiterung eines kompakten Innenstadt-Flughafens. Demgegenüber stünden in Berlin ganz andere Flächen zur Verfügung, handele es sich beim Willy-Brandt-Flughafen doch um den drittgrößten europäischen Airport. „Die Herausforderung der Planung ist“, so Wilmsen, „was muss der Flughafen auch in 20 Jahren leisten?“kur