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Mittwoch, 20. Februar 2019

Porträt der Woche

Praktiker mit viel neuer Energie für Berlin

Von Ralf Köpke | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Andreas Feicht, neuer Staatssekretär für Energiefragen im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

w - Portrait Andreas Feicht BU
Foto: obs/WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH

Andreas Feicht, seit Februar neuer Energiestaatssekretär für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Endlich: Nach mehr als zehn Monaten Vakanz kann mit dem heutigen Tage Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier (CDU) die Stelle des für Energiefragen zuständigen Staatssekretärs in seinem Haus neu besetzen. Auf dem Stuhl des bisherigen Amtsinhabers Rainer Baake, der im März 2018 seinen Abgang mit einem knalligen Brief inszenierte, hat Andreas Feicht Platz genommen.

Andreas Feicht

Dem Grünen Baake, der unter seinem Parteifreund Jürgen Trittin und zuletzt unter dem SPD-Minister Sigmar Gabriel den Umbau der Energieversorgung vorantreiben sollte, folgt nun ein Mann mit CDU-Parteibuch. Dass Feicht dem Werben Altmaiers und des wirtschaftlich-freundlichen Merz-Flügels bei den Christdemokraten nachgegeben hat, ist an der Spree ein offenes Geheimnis. Energieexperten sind sie beide, Baake und Feicht; der eine mehr auf der konzeptionell-administrativen Ebene, der andere vor allem als Praktiker.

Seit 2007 hat Feicht die Wuppertal Stadtwerke (WSW) als Vorstandschef gemanagt. Der heute 47-jährige gebürtige Niederbayer hat den Kommunalversorger im Bergischen Land zunehmend zukunftsfähiger aufgestellt. Mit Beharrlichkeit, Geduld und klugen Personalentscheidungen in der WSW-Zentrale.

Feicht gilt in Energiekreisen als bodenständig, analytisch und gut vernetzt. Vor allem im kommunalen Lager: Seit 2013 ist er einer der Vizepräsidenten des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU) und Vorsitzender des wichtigen VKU-Energieleitausschusses. Feicht ist zudem europäisch verdrahtet: Im vergangenen Jahr wurde der WSW-Chef zum Präsidenten der Federation of Local Energy Companies (CEDEC) gewählt, dem europäischen Stadtwerkeverband.

In den vergangenen Monaten hat er mit zwei Projekten Schlagzeilen gemacht: So haben die Stadtwerke im Sommer 2018 ihr kohlebefeuertes Heizkraftwerk vom Netz genommen. Die für ihre Fernwärmeversorgung notwendige Wärme gewinnen die Wuppertaler nun wesentlich umweltfreundlicher in einer Müllverbrennungsanlage. Ein Projekt, für das es mit Planung und Bau sieben Jahre brauchte.

Ein kleines Vorhaben, das ihm sicherlich einen Vorgeschmack auf die anstehenden Stilllegungen von Kohlekraftwerken gibt, die die Kohlekommission Ende Januar empfohlen hat. Außerdem hat der WSW-Chef eine zukunftsweisende Onlineplattform für den Ökostrombezug über Blockchain gestartet, deren Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft ist.

In Wuppertal hatte es sich Feicht nicht nehmen lassen, sich mit persönlichen Worten von seiner „Mannschaft“ zu verabschieden. „Für mich ist es eine Gelegenheit, meine Erfahrungen aus der Praxis in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen“, erklärte er seinen Wechsel von der Wupper an die Spree. Für die Aussicht, dort energiepolitisch gestalten zu können, nimmt Feicht kräftige Einbußen beim Gehalt hin: Mit dem Besoldungstarif B11 erhält Feicht mehr als die Hälfte weniger als sein bisheriges Bruttosalär.

Den Energiemanager erwartet in Berlin genügend Arbeit nach Monaten des energiepolitischen Stillstands in der schwarz-roten Koalition. Die Erwartungen an ihn sind nicht ohne: „Ich hoffe, er wird sich in seiner neuen Rolle nicht mehr als Champion der Fossilen verstehen wie bei den WSW, sondern den Erneuerbaren und dem Klimaschutz den Weg ebnen“, twitterte Hermann Ott, früherer Leiter der Klimaabteilung am Wuppertal-Institut und eine Zeit lang grüner Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Wuppertal, nach Feichts Ernennung. Die WSW-Beteiligung an einem neuen Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven ist rückblickend wohl keine glückliche Entscheidung gewesen.

Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW schätzt Feicht dagegen aus seiner Zusammenarbeit in Nordrhein-Westfalen als „kommunikativen und streitbaren Energiemanager, der seinen Kompass mittlerweile auf die erneuerbare und digitale Energiewende ausgerichtet hat“.

Gleichwohl befürchtet Sieverding, dass Feicht das Wunschkonzert der Energiewirtschaft beispielsweise bei der Anreizregulierung, der Fernwärme und den Kapazitätsmärkten umsetzen könnte, was die Verbraucher teuer zu stehen käme.

Im Gegensatz zu Wirtschaftsminister Altmaier und Thomas Bareiß, dem Parlamentarischen Staatssekretär, sieht Verbraucherschützer Sieverding in Feicht einen starken Befürworter der dringend notwendigen Abgaben- und Umlagenreform. So sieht das auch der Bundesverband Windenergie, der einige Hoffnungen in Feicht setzt: „Sein starkes Plädoyer für eine CO2-Bepreisung im vergangenen Jahr stimmt uns zuversichtlich, dass auch dieses Thema zurück auf die politische Agenda kommt.“ Der Tenor in Energiewirtschaft und Verbänden ist indes einhellig: Mit Andreas Feicht gibt es wieder (neue) Energie im Bundeswirtschaftsministerium – endlich!