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Mittwoch, 24. Januar 2018

Steuerpolitik

Projektgebundene versus steuerliche Forschungsförderung

Von Bettina Reckter | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Was braucht es, um Innovationen an den Start zu bringen? Einen guten Forscher mit einer pfiffigen Idee und ein Unternehmen, das daraus ein Produkt macht und zur Marktreife entwickelt – und natürlich ausreichend Forschungsgelder. Bislang gilt in Deutschland das Prinzip der Projektförderung.

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Foto: BASF SE

Eine eigene Forschungsabteilung können sich kleine Unternehmen kaum leisten. Eine steuerliche Förderung wäre deshalb nicht immer einfach per Personalschlüssel umzusetzen.

 Kurz vor der Bundestagswahl schreiben sich erneut einige Parteien die steuerliche Forschungsförderung als Starterkultur für Innovationen auf die Fahnen (s. Beitrag li.: Wahlprogramme unter der Lupe). Doch diese wird nicht nur positiv gesehen.

Mittelständler finanzieren ihre Innovationsaktivitäten normalerweise über ihre liquiden Mittel. Schrumpfen diese, ist auch die Forschung im Betrieb gefährdet. Deshalb braucht es eine verlässliche finanzielle Förderung. Die meisten kleinen sowie viele der mittelgroßen Unternehmen (KMU) haben keine eigene Forschungsabteilung. Würde eine steuerliche Forschungsförderung nur an den Personalkosten der an der Forschung beteiligten Mitarbeiter ansetzen, gingen die meisten KMU leer aus: Denn weil sie keine eigenen Vollzeitforscher abstellen können, würden von einer steuerlichen Förderung in erster Linie die großen Unternehmen profitieren.

Anders läuft das zum Beispiel im Rahmen der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF). Hier forschen Mittelständler gemeinsam in Netzwerken an ihren Projekten. Der Forschungsbedarf wird ermittelt, der passende Wissenschaftler gesucht und das Ganze übers Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) projektgebunden finanziert – organisiert durch die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF). Weil öffentlich finanziert, sind hinterher die Ergebnisse für jedermann zugänglich. So profitiert eine ganze Branche von der Forschung.

Ziel der Forschungsförderung müsse sein, dass mehr KMU von Netzwerken profitierten, mehr Forschungseinrichtungen eingebunden wären sowie Gründer und Nachwuchskräfte gestärkt würden, fordert deshalb Thomas Kathöfer. „So etwas leistet steuerliche Forschungsförderung zunächst nicht“, beklagt der Hauptgeschäftsführer der AiF. Projektförderung hingegen könne das schon. Mit ihr seien auch kleine Firmen in der Lage, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen.

Ob Deutschland eine steuerliche Forschungsförderung braucht, um Innovationen schneller auf den Markt zu bringen, bleibt also umstritten. In fast allen anderen vergleichbaren Ländern gibt es sie. Möglicherweise würde eine Kombination beider Förderinstrumente Sinn ergeben, wie es die ein oder andere Partei in ihrem Wahlprogramm verankert hat. Was letztendlich umgesetzt wird, entscheidet sich nach dem 24. September.

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