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Mittwoch, 17. Januar 2018

Energiewirtschaft

Rahmenvorgaben im Energiesektor weiter umstritten

Von Stephan W. Eder | 16. November 2017 | Ausgabe 46

Informationstechnik ist der Schlüssel, um das Puzzlespiel der deutschen Energiewende lösen zu können.

Digitalisierung hat inzwischen auch den Energiesektor erfasst. Gerade im Stromsektor, der sich durch hochfrequente, komplexe Steuerungsprozesse auszeichnet, werden enorme Effekte durch den Einsatz digitaler Technologien erwartet.

„Die verstärkte Nutzung digitaler Technologien ist von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Energiewirtschaft“, betonte Marc Oliver Bettzüge, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), letzte Woche auf der Jahrestagung des Instituts.

„Maschinelles Lernen kann einen großen Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung der Energiewende leisten“, sagte Wolfgang Ketter aus. Der Telekommunikationsingenieur ist seit Februar dieses Jahres mit Bettzüge und Felix Höffler einer der drei Direktoren des EWI und explizit wegen seiner Digitalexpertise geholt worden.

Exemplarisch wird an seiner Forschung das Potenzial der Digitalisierung klar, wenn er untersucht, wie E-Auto-Flotten zu virtuellen Kraftwerken aggregiert und am Regelleistungsmarkt eingesetzt werden können. Die Betreiber der Fahrzeugflotten erzielten Mehreinnahmen und die Flexibilitätsbedarfe der Gesellschaft würden zu geringeren Kosten gedeckt werden, so Ketter.

Hinzu kommen die Veränderungen in wichtigen Verbrauchssektoren wie Wärme und Verkehr sowie der fortgesetzte Ausbau wetterbedingter Erzeugungstechnologien, vor allem von Wind- und Solarkraftwerken. Vor diesem Hintergrund wird der Koordinationsbedarf im Energiesektor absehbar exponentiell steigen.

In Köln wurde deutlich: Das Puzzlespiel Energiewende ist im Endeffekt ohne Digitalisierung überhaupt nicht zustande zu bringen. Gleichzeitig müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen optimal auf diese Gestaltungsaufgabe abgestimmt werden, so dass Marktteilnehmer effizienten Anreizstrukturen folgen. Dort wurden auf der Tagung mehrere Baustellen verortet.

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart forderte „einen energiepolitischen Neustart in der Bundesrepublik“. Vor allem hat er den sogenannten Kapazitätsmarkt im Blick: In der letzten Legislaturperiode hatte die noch amtierende Bundesregierung beschlossen, dass Stromerzeuger nur für kWh entlohnt werden, also einen Preis für die Arbeit erhalten. Pinkwart fordert einen Zusatzmarkt für die bereitgestellte Leistung in Form der Kraftwerkskapazitäten.

Die Branche unkt schon seit letztem Jahr, dass das Thema in der kommenden Legislatur wieder auf der Tagesordnung landen werde. Für Pinkwart eine Notwendigkeit: „Wir sind der Meinung, dass wir einen Leistungsmarkt brauchen.“ Man brauche Kraftwerkskapazitäten, „die unsere sehr volatilen erneuerbaren Energien versorgungssicher machen“. Dies würde den Betreibern fossil betriebener Kraftwerke helfen.

Statt eines diktierten Kohleausstiegs forderte Andreas Löschel, Vorsitzender der Expertenkommission zum Monitoring der Energiewende, in Köln: „Wir brauchen einen CO2-Preis, der die konventionellen Energieträger teurer macht.“ Nehme man die deutschen Klimaschutzziele ernst, müsse der Preis im EU-Emissionshandel auf mehr als 100 €/t CO2 steigen.

Laut Jürgen Kühling, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Regensburg und Mitglied der Monopolkommission, funktioniere auf Erzeugerseite der Wettbewerb im deutschen Strommarkt gut. Folgerichtig gebe es daher „keine Zweifel, dass die Erneuerbare-Energien-Förderung auslaufen muss“.

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