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Donnerstag, 21. Februar 2019

Lichtplanung

„Richtiges Licht zur richtigen Zeit“

Von Fabian Kurmann | 22. März 2018 | Ausgabe 12

Thomas Mika über das perfekte Licht und die kulturelle Verankerung der Glühlampe.

BU Interview Mika
Foto: Reflexion

Das perfekte Licht ist laut Lichtplaner Thomas Mika immer von der Situation abhängig.

VDI Nachrichten: Herr Mika, wie sieht für einen Lichtplaner das perfekte Licht aus?

Mika: Das richtige Licht ist immer abhängig von der Situation, vom Raum und dem Tageszeitpunkt. Ein Lichtzustand, der fix auf einer Intensität, in einer Farbe verharrt, ist suboptimal. Wir brauchen Veränderungen im Licht. Das perfekte Kunstlicht muss die Bandbreite von hellem Licht einer Intensivstation bis zum gemütlichen Glühen bei einem Date in einer Bar beherrschen.

Thomas Mika

Wie realistisch sind solche hohen Anforderungen?

Technisch haben wir alle Voraussetzungen für das perfekte Licht: Spektralstrukturen, die natürlichem Sonnenlicht sehr nahekommen, wir können Helligkeit und Lichtfarbe genau regeln und das Licht verteilen. Nur eine Lichtquelle mit der Leuchtkraft einer Sonne, die haben wir bisher noch nicht. Die Kunst der Lichtplanung und Architektur ist es aber, mit den vorhandenen technischen „Zutaten“ ein leckeres Gericht bzw. die passende Atmosphäre zuzubereiten.

Das Symbol für Leuchtmittel ist auch 14 Jahre nach der Erfindung der hellen blauen LED immer noch eine „Glühbirne“ und keine Diode. Auch LED-Leuchtmittel sind häufig in Birnenform. Ist das zeitgemäß?

Eine Glühlampe ist bei uns kulturell sehr stark verankert. Ein vergleichbares Erlebnis, wie das Licht beim Dimmen warm und gemütlich wird, habe ich in dieser Qualität bei den neuen Technologien noch nicht gefunden. Deshalb setzt die LED-Welt noch immer auf die altbekannten Formen.

Andererseits schafft die Kraft der LEDs in Kombination etwa mit Glas ein atemberaubendes Funkeln, das vorher nicht möglich war. Großes Potenzial gibt es auch in Verbindung mit traditionellen Materialien wie Alabaster oder Onyx. Eventuell tun sich Menschen aber schwer, das Konzept ganzer leuchtender Fenster und Türen, wie es bei Oled möglich ist, zu akzeptieren.

Die LED erfüllt die meisten Zwecke und ist dazu noch energiesparend. Brauchen wir überhaupt noch andere neue Technologien?

Die Leuchtmittel weiterzuentwickeln, ist absolut notwendig. Oled etwa stand lange im Schatten der Entwicklung der LED-Leuchtmittel, emanzipiert sich aber langsam. Im Gegensatz zur LED erzeugt Oled weiches Licht. Der Mensch mag gerne weiche Verläufe und die sind mit LED nicht so einfach zu erzeugen wie früher mit einer Fluoreszenzröhre oder in Zukunft mit Oled.

Welche Auswirkung hat die vergleichsweise lange Lebensdauer von LEDs außer einer Kostenersparnis noch?

Das reizt dazu, Funktionen zu verbinden, so dass etwa Decke und Beleuchtung in einem Bauteil verschmelzen, oder ein Handlauf aus Metall, an den eine LED-Leiste gegossen wird. 

Und wie wird so etwas gewartet?

Natürlich braucht man eine Revisionsmöglichkeit, aber man tauscht dann ganze Bauteile aus. Die Ausfallquoten sind hier relativ gering und man muss im Unterhalt nicht immer auswechseln. Wir sehen, dass sich Gewerke wie Schreiner, Gipser oder Metallbauer das Thema Licht aneignen, weil es für sie einfacher geworden ist, diese Funktionen zu integrieren.

Der Trend geht zur vernetzten Leuchte. Was bringt die Digitalisierung der Lichtbranche?

Die Lichtbranche hat es nicht verstanden, den Mehrwert der neuen Technologien beim Verkauf ihrer Produkte einzupreisen. Die Preise der Leuchten sind heute niedriger als bei der FL- und Halogentechnologie und gleichzeitig bekommt der Kunde mehr Lebensdauer, weniger Energieverbrauch und ganz neue technische Möglichkeiten. Dieser Preisverfall bringt die Industrie in Schwierigkeiten, die wir aktuell verbreitet sehen. Anders als Apple bei den iPhones hat die Lichtbranche es verpasst, sich ihre Entwicklungen bezahlen zu lassen.

Heißt das, nur der Kunde profitiert vom Fortschritt?

Die einzigen Unternehmen, die damit Geld verdienen, sind Nischenanbieter, die es schnell verstanden haben, die neuen Technologien und Lichtstrukturen – teils mit sehr flexiblen Produktionskonzepten – in marktfähige Produkte umzuwandeln, während althergebrachte Unternehmen häufig den traditionellen Produkt-, Herstellungs- und Vertriebsstrukturen zu spät abgeschworen haben. Andere Unternehmen haben es, teils dank großer Investitionen, geschafft, sich eine technologische oder qualitative Marktführerschaft zu erarbeiten und sind auf ihre Stärken fokussiert. Der Beschaffungsmarkt für Beleuchtungskörper ist allgemein viel heterogener geworden.

Welche Entwicklungen gibt es beim Einsatz von Tageslicht?

Von den neuartigen Material- und Lichtleitstrukturen hat sich bisher keine richtig durchgesetzt. Die stehen in Konkurrenz zum immer effizienteren Kunstlicht.

Sprung zur Nacht: Wie sehen Sie das Thema Lichtverschmutzung?

Lichtverschwendung wird tendenziell weniger akzeptiert. Die Behörden und die Stadtbewohner werden sensibler, auch für Themen des Vogel- und Insektenschutzes. Hier gibt es zum Beispiel Nachtabsenkungen bei Straßenlampen.

Wir müssen mit dem wertvollen Gut Licht maßvoll umgehen, denn auch die Dunkelheit ist manchmal sehr angenehm – die richtige Lichtmenge zur richtigen Zeit.